Zusammenfassung der Kerninhalte
Dieser Artikel erzählt die Geschichten zweier etablierter Technologieunternehmen: Oracle und Lenovo. Beide wurden aufgrund ihrer ausgereiften Hauptgeschäfte und des stagnierenden Wachstums vom Markt als „unvorstellbare alte Unternehmen“ abgestempelt. Doch der AI-Boom hat ihnen plötzlich neue Chancen gebracht – Oracle konnte durch AI-basierte Cloud-Dienste zu neuem Wachstum kommen, während Lenovo dank riesiger potenzieller AI-Server-Aufträge (54 Milliarden US-Dollar) wieder den Status eines Wachstumsakties gewann. Hinter diesen Erfolgen verbergen sich jedoch auch Herausforderungen: Oracle musste frühzeitig in Datacentren investieren, was zu einer Verschlechterung des Cashflows führte; Lenovos Aufträge sind noch nicht vollständig umgesetzt, und die Gewinnmargen der AI-Server sind niedrig. Ob es gelingen wird, diese Aufträge tatsächlich in echtes Geld umzuwandeln, hängt davon ab, ob Lenovo seine Gewinnmargen halten kann.
1. Die einstigen „alten Technologieunternehmen“ – die Grenzen des Wachstums
Sowohl Oracle als auch Lenovo haben früher eine „Midlife-Crisis“ durchlebt:
- Oracle: Das Unternehmen verdient sein Geld mit Datenbanken und ist für seine Kunden unverzichtbar, kam jedoch im Cloud-Zeitalter ins Hintertreffen. Im Jahr 2008 verspottete es die Cloud-Technologie als „Unsinn“. Als AWS und Microsoft ihren Marktanteil eroberten, sank Oracles Anteil an Datenbanken um 7 Prozentpunkte, und sein Umsatz stagnierte fast in den letzten zehn Jahren. Heute verdient Oracle weiterhin Geld mit seinen bestehenden Kunden.
- Lenovo: Weltweit führend im PC-Bereich, wurde das Wachstum jedoch durch die kurzen Austauschzyklen von PCs eingeschränkt. Während der Pandemie verkaufte Lenovo viele Computer, erlebte danach jedoch eine „PC-Krise“. Die weltweiten PC-Verkäufe sanken im Jahr 2023 um 14,8%, und auch Lenovos Umsatz ging zurück. Der Markt fragt sich nur, wann der nächste Austauschzyklus beginnt – mehr Erwartungen gibt es nicht.
Kurz gesagt: Ihre Hauptgeschäfte sind weiterhin profitabel, aber die Zukunft ist vorhersehbar, und die Marktbewertungen sind niedrig.
2. Der „Jugendblitz“ durch AI – der Wendepunkt vom Stillstand zum Aufschwung
Mit dem Aufkommen von AI erhielten beide Unternehmen neue Perspektiven:
- Oracle: Das Unternehmen nutzte den Bedarf an Rechenleistung und Datenbanken für AI-Anwendungen. Es integrierte seine Datenbanken in Cloud-Dienste wie AWS und Azure, sodass Kunden ohne Datenübertragung auf AI zurückgreifen konnten. Zudem investierte es in die Errichtung von Datacentren und unterzeichnete eine Kooperation mit OpenAI im Wert von 30 Milliarden US-Dollar. Dadurch stiegen seine offenen Aufträge (RPO) von 138 Milliarden auf 455 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg um 359 %. Plötzlich wurde Oracle wieder als wachsendes Unternehmen wahrgenommen.
- Lenovo: Lenovo hatte bereits frühzeitig in das Servergeschäft investiert und profitierte nun vom starken Bedarf an AI-Servern. In Zusammenarbeit mit Nvidia entwickelte es Lösungen für die AI-Infrastruktur; der potenzielle Umsatz aus AI-Servern belief sich im letzten Quartal auf 54 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg um 157 %. Erstmals verfügte Lenovo über eine Wachstumsquelle außerhalb des PC-Bereichs.
Die Grundlogik ist einfach: AI benötigt viel Rechenleistung (Server, Datacentren), und diese etablierten Unternehmen verfügen über die technischen Ressourcen und Kundenbasis, um diesen Trend zu nutzen.
3. Viele Aufträge bedeuten nicht automatisch Gewinn – verborgene Kosten und Risiken
Hinter den riesigen Aufträgen steckt jedoch kein einfacher Gewinn:
- Oracles Lektion: Viele Aufträge erfordern Investitionen in die Infrastruktur. Um die OpenAI-Aufträge zu erfüllen, musste Oracle im Geschäftsjahr 2026 557 Milliarden US-Dollar für den Bau von Datacentren und den Kauf von GPUs ausgeben; der freie Cashflow fiel auf –237 Milliarden US-Dollar. Die Aktienkurs sank daraufhin auf die Hälfte, da der Markt Bedenken hatte, dass Oracle zu viel Geld investiert habe und nicht wieder einstellen könne.
- Lenovos Herausforderungen:
- Nicht alle Aufträge werden umgesetzt: Die 54 Milliarden US-Dollar sind nur potenzielle Aufträge; ob sie tatsächlich zu Umsatz führen, hängt von der Lieferkette und den Lieferfähigkeiten ab.
- Niedrige Gewinnmargen: Im Vergleich zu Dell stieg der Umsatz aus AI-Servern zwar um das Neunfache, doch die Gesamtmargen sanken aufgrund hoher Kosten (z. B. für GPUs). Lenovos aktuelle Server-Gewinnmarge beträgt 9,1 %. Ob dieser Wert bei einem höheren Anteil an AI-Servern erhalten bleibt, ist noch ungewiss.
Kurz gesagt: Aufträge sind nur der „Teig“ – man muss zuerst Geld investieren, um ihn herzustellen, und sich anschließend Sorgen darüber machen, ob er verkauft werden kann und wie viel Gewinn er einbringt.
4. Lenovos Herausforderung: Die Gewinnmarge ist der entscheidende Faktor
Lenovo hat nun einen ähnlichen Ausgangspunkt wie Oracle – doch der Erfolg hängt von zwei Faktoren ab:
- Umsetzung der Aufträge: Um die potenziellen 54 Milliarden US-Dollar in tatsächlichen Umsatz umzuwandeln, muss Lenovo Probleme bei der Lieferkette (z. B. GPU-Lieferungen) lösen.
- Gewinnsteigerung: Da die Gewinne aus AI-Servern gering sind, muss Lenovo zusätzliche Dienstleistungen anbieten (z. B. Kühlsysteme, Wartung, Software), um den Umsatz zu steigern. Beispielsweise könnte es Kunden beim Betrieb ihrer Datacentren helfen oder AI-basierte Lösungen anbieten, um den Wert der Server zu erhöhen.
Der Markt ist begeistert von Lenovos neuen Entwicklungschancen – doch die zukünftige Bewertung hängt nicht davon ab, wie viel mehr Umsatz erzielt wird, sondern davon, wie viel tatsächlicher Gewinn diese Aufträge bringen.
Fazit
AI bietet etablierten Technologieunternehmen neue Möglichkeiten – doch dahinter stecken Herausforderungen: Sie müssen nicht nur die Aufträge erfolgreich umsetzen, sondern auch Kosten kontrollieren und Gewinne steigern. Oracles Erfolg zeigt, dass viele Aufträge allein kein Garant für Erfolg sind. Wenn Lenovo zum nächsten „umgekehrten Giganten“ werden will, muss es die Menge der Aufträge in echte Gewinne umwandeln. Für Investoren ist es wichtig, nicht nur auf die Zahlen zu achten, sondern auch darauf, wie diese Unternehmen ihr Geld verdienen.