Zusammenfassung der Kerninhalte
Die chinesische Poetry-Website (zu „Poetry Magazine“ gehörend) ist die erste große Plattform im Land, die DeepSeek vollständig integriert hat. Ab 2025 erhalten alle hochgeladenen Gedichte automatische Bewertungen durch AI. Die Hauptkolumne „Tägliches Gutes Gedicht“ wird ebenfalls von Expertenbewertungen auf AI-Bewertungen umgestellt, und es wird bereits an der Erstellung des ersten Gedichtbandes mit AI-Bewertungen gearbeitet. Das Interview befasst sich mit dem Prozess der AI-Bewertung, der Behandlung des AI-Inhalts durch die Redakteure, den Vor- und Nachteilen von AI-Bewertungen, dem Unterschied zu Expertenbewertungen sowie mit tieferen Bedenken hinsichtlich der AI-Technologie. Im Mittelpunkt steht die Diskussion über den aktuellen Stand und die potenziellen Risiken der Anwendung von AI in der Gedichtkritik.
I. Prozess der AI-Bewertung: Die Redakteure führen zwei Erstellungsphasen durch und passen den Inhalt an
Die AI-Bewertungen auf der chinesischen Poetry-Website werden nicht direkt von AI erstellt und veröffentlicht, sondern durch einen redaktionellen Prozess abgewickelt:
1. Erste Auswahl und Pool für alternative Bewertungen: Die Redakteure legen die ausgewählten Gedichte zunächst in einen Pool für „Tägliche Auswahl“ und wählen daraus die Kandidaten für die Kolumne „Tägliches Gutes Gedicht“ aus.
2. Zwei AI-Bewertungen: Für jedes Kandidatengedicht wird automatisch eine erste Bewertung erstellt; der Chefredakteur Wang Fugang gibt das gesamte Gedicht anschließend erneut in DeepSeek ein, um eine zweite Bewertung zu generieren.
3. Vergleich und Anpassung: Die beiden AI-Bewertungen werden miteinander verglichen, überflüssiger Inhalt wird entfernt (AI-Geschichten umfassen oft ein- bis zweitausend Wörter, während die Kolumne nur drei- bis fünfhundert Wörter benötigt), und der logische Aufbau wird angepasst, bevor die endgültige Bewertung veröffentlicht wird.
Einfach ausgedrückt: Die Arbeit der Redakteure hat zugenommen, aber die Nutzer erhalten nun präzisere AI-Bewertungen.
II. Vor- und Nachteile von AI-Bewertungen: Eine umfassende Bewertung hat ihre Vorteile – doch Einförmigkeit ist ein großer Nachteil
Sowohl die Vorteile als auch die Probleme der AI-Bewertungen sind offensichtlich:
- Vorteile: Die „umfassenden“ Bewertungen durch AI entsprechen besser dem verschwommenen Charakter von Gedichten. Wang Fugang ist der Ansicht, dass eine Wort-für-Wort-Auslegung zu starr ist und den dynamischen Aspekt sowie die versteckten Gedanken des Gedichts zerstört; selbst kleine Fehler in AI-Bewertungen können das poetische Gefühl nicht beeinträchtigen.
- Nachteile: Der größte Nachteil ist die Einförmigkeit – AI-Bewertungen wirken wie eine Produktionslinie, und nach dem Lesen vieler solcher Bewertungen entsteht ein ästhetischer Müdigkeitsgefühl. Zudem werden oft schlechte Gedichte übermäßig gelobt („Mutige Lobeshände“), und die Interpretationen sind zu schematisch. Wang Fugang betont, dass der menschliche Verstand in solchen Fällen viel interessanter ist.
III. Anpassungen des AI-Inhalts durch die Redakteure: Bis zu 20 Prozent der Originaltexte werden geändert – auch die formelle Gestaltung zählt zur Beteiligung
Die Änderungen durch die Redakteure umfassen hauptsächlich zwei Aspekte:
1. Entfernung von Überflüssigem und Logikklarstellung: Überflüssiger Text wird entfernt, und der logische Aufbau des Gedichts wird angepasst, um den Anforderungen der Kolumne gerecht zu werden.
2. Gelegentliche Ergänzungen durch die Redakteure: Es kommt nur in zwei Fällen vor, dass die Redakteure eigenen Text hinzufügen: Entweder haben sie einen besonderen Wunsch, etwas zum Gedicht zu sagen, oder wenn die AI-Bewertung keine passenden Kommentare liefert, fügen sie Inhalte aus der Wort-für-Wort-Auslegung des AI hinzu. Diese Änderungen machen maximal 20 Prozent des Gesamttextes aus.
Obwohl die Redakteure nur einen geringen Anteil am Endprodukt verändern, betrachtet Wang Fugang dies als aktive Beteiligung an der Erstellung der Bewertung – „auch die formelle Gestaltung zählt zur Teilhabe“.
IV. AI vs. Expertenbewertungen: AI ist wie eine Produktionslinie – Experten haben menschliche Emotionen
Der wesentliche Unterschied zwischen AI und Expertenbewertungen liegt in der Individualität:
- Expertenbewertungen: Sie sind von menschlichen Emotionen geprägt; jeder Experte hat seinen eigenen Stil und seine Grenzen, selbst wenn die Bewertungen ähnlich aussehen (außer bei Plagiaten), und der Text wirkt „menschlicher“.
- AI-Bewertungen: Sie folgen einem festgelegten Muster und fehlen an Variabilität. Wang Fugang weist auch auf mögliche ethische Probleme hin: Manche nutzen AI, um Gedichte oder Kommentare zu verfassen und die Autorenrechte zu usurpieren – das sei eine Beleidigung der Kunst, „eine wirklich langweilige Katastrophe“.
V. Tiefe Bedenken: AI ist kein neutrales Werkzeug – es könnte zur neuen „Babel-Turme“ werden
Wang Fugang betont, dass AI kein einfaches Werkzeug ist, sondern eine „unbekannte Macht“ darstellt:
- Technologie trägt die menschliche Willenskraft: AI folgt literarischen Traditionen, weil Menschen es so befehlen; es hat keine eigene Meinung und existiert nur in der menschlichen Vorstellungskraft.
- Befürchtungen vor der Zerstörung der kreativen Kunst: Wenn alle die Arbeit mit AI nutzen, um sich zu ersparen, wird die echte kreative Kunst unterdrückt und letztendlich zum Aussterben gebracht.
- Die Metapher der Babel-Turme: Die Menschheit braucht keine neue „Babel-Turme“ – eine missbräuchliche Nutzung von AI könnte zu einer Einheitsform der Kunst führen, in der alle nach dem gleichen Muster sprechen, ähnlich wie vor dem Einsturz der Babel-Turme, als die Menschen zwar miteinander kommunizieren konnten, aber ihre Kreativität verloren.
Zusammenfassend kann AI bei der Gedichtkritik helfen, doch seine Grenzen und Risiken sind offensichtlich. Die Menschheit muss die Grundwerte der Kunst verteidigen und verhindern, dass Technologie die kreative Schaffung untergräbt.