Zusammenfassung der Kerninhalte
De Beers, der weltweit größte Hersteller von Naturdiamanten, hat in den letzten Monaten schwierige Zeiten durchgemacht: Die Verkäufe von Rohdiamanten haben zugenommen, doch die Umsätze sind bereits vier Jahre in Folge gesunken (hauptsächlich aufgrund eines Rückgangs der Preise um 32 % sowie eines Anstiegs des Anteils an minderwertigen, kleinen Diamanten). Um dieser Situation zu begegnen, hat das Unternehmen fast ein Drittel seiner Kernkunden abgebaut und die Lieferungen auf größere Käufer konzentriert. Zudem wird es vom Markt durch künstlich hergestellte Diamanten (Synthetikdiamanten) bedrängt; daher musste das Unternehmen seine Marke für synthetische Diamanten, Lightbox, schließen. Die Muttergesellschaft Anglo American Resources möchte außerdem 85 % der Anteile an De Beers verkaufen, was zu einem möglichen Wechsel des Eigentümers führen könnte. Zusätzlich unternimmt De Beers selbstrettende Maßnahmen: Es schließt Minen, reduziert die Anzahl seiner Geschäfte und setzt auf eine hochwertigere Produktlinie, um seinen Platz am Markt der Naturdiamanten zu behalten.
I. Mehr Verkäufe – aber weniger Gewinn? Das Problem liegt bei Preis und Qualität
Im ersten Halbjahr 2026 verkaufte De Beers 13 % mehr Rohdiamante als im Vorjahr (von 11 Millionen auf 12,4 Millionen Karat), doch die Umsätze sanken um 24 % (von 1,7 Milliarden auf 1,3 Milliarden US-Dollar). Warum?
Erstens sind die Preise stark gefallen: Der Durchschnittspreis für Rohdiamante ist von 155 auf 105 US-Dollar pro Karat gesunken. Zweitens wurden mehr minderwertige Diamanten verkauft, was den Gesamtpreis senkte. Kurz gesagt: Man verkauft zwar mehr, aber zu niedrigeren Preisen – und dabei auch weniger wertvolle Stücke, weshalb der Gewinn geringer ausfällt.
II. Ein Drittel der Kunden abgebaut – De Beers „wählt seine Käufer“
90 % der Rohdiamanten werden über langjährige Partner (sogenannte „Sight Buyers“) verkauft. Nachdem im Juli neue Verträge in Kraft getreten sind, reduzierte De Beers die Anzahl dieser Partner von 69 auf 45 und senkte außerdem die Preise für verschiedene Produktkategorien.
Warum? Aufgrund der schwachen Marktsituation und des niedrigen Bedarfs möchte das Unternehmen seine begrenzten Rohdiamanten vorwiegend an größere, leistungsfähige Käufer liefern (die mehr kaufen und schneller zahlen), um die Lagerbestände zu verringern. Es handelt sich dabei um eine Art „Selektion der Besten“, um Ressourcen an zuverlässigere Kunden zu verteilen.
III. Synthetische Diamanten bedrohen den Markt – De Beers kann nicht mithalten
Die Produktion von synthetischen Diamanten ist in den letzten Jahren rasant gestiegen: Während es 2018 nur 1,4 Millionen Karat waren, sind es im Jahr 2024 bereits 15,9 Millionen Karat – ein Zehnfachanstieg. Synthetische Diamanten sehen fast genauso aus wie Naturdiamanten, kosten jedoch viel weniger und gefährden damit den Verkaufsargument der „Seltenheit“ und „Wertvollkeit“ von Naturdiamanten.
De Beers hatte bereits die Marke Lightbox für synthetische Diamante, die 2018 mit einem Preis von 800 US-Dollar pro Karat gestartet wurde; jedoch musste diese Marke aufgrund eines starken Preisverfalls (einem Rückgang des Großhandelspreises um 90 %) im Jahr 2025 geschlossen werden. Heute konzentriert sich das Unternehmen wieder auf die industrielle Nutzung von synthetischen Diamanten und setzt stattdessen auf Naturdiamante.
IV. Die Muttergesellschaft möchte Anteile verkaufen – De Beers könnte einen neuen Eigentümer bekommen
Die Muttergesellschaft Anglo American Resources kündigte bereits 2024 an, ihre Anteile an De Beers zu verkaufen. Im Juli dieses Jahres gab es Fortschritte: Die Regierung von Botswana (Mitinhaber von 15 % der Anteile) teilte mit, dass eine von dem ehemaligen CEO geleitete Investorengruppe als bevorzugter Käufer ausgewählt wurde; der Verkauf der 85 % der Anteile könnte im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden.
Warum der Verkauf? Weil De Beers schlechte Geschäftsergebnisse erzielt hat – im ersten Halbjahr sogar einen Verlust von 113 Millionen US-Dollar (auch wenn dieser geringer war als im Vorjahr) – und die Muttergesellschaft diese „Last“ nicht länger tragen möchte.
V. Selbstrettungsmaßnahmen: Minenschließungen, Geschäftsreduzierung, Hochwertigkeitsstrategie
Um zu überleben, hat De Beers mehrere Anpassungen vorgenommen:
- Kostensenkung: Die Erweiterung der Mine in Kanada wurde ausgesetzt, die Mine in Südafrika wurde für zwei Jahre stillgelegt, wodurch Kosten in Höhe von über 100 Millionen US-Dollar eingespart wurden.
- Markenupgrading: Die Schmuckmarke wurde in „De Beers London“ umbenannt und auf eine luxuriöse, hochwertige Ausrichtung umgestellt; die Marke Forevermark konzentriert sich nun auf den direkten Verkauf von hochwertigen Diamanten in Indien.
- Marktkonzentration in China: Die Anzahl der Geschäfte in China wurde von 25 auf 16 reduziert – obwohl China weiterhin der größte Markt für De Beers ist.
- Hervorhebung der Natürlichkeit: Das Unternehmen hat das „ORIGIN“-Projekt gestartet, um den Verbrauchern die Herkunft und den Transportweg der Diamanten zu zeigen und so die „Nachverfolgbarkeit“ sowie die „Seltenheit“ von Naturdiamanten hervorzuheben und sich von synthetischen Diamanten abzugrenzen.
Insgesamt befindet sich De Beers in einer schwierigen Situation: Es leidet unter inneren Problemen und wird außenher von künstlichen Diamanten bedrängt; zudem steht ein Verkauf der Anteile an. Ob die Selbstrettungsmaßnahmen erfolgreich sein werden, hängt davon ab, ob sich der Bedarf nach Naturdiamanten erholt und ob die hochwertige Strategie die Kunden überzeugen kann.