Zusammenfassung der Kerninhalte
Die Automobilindustrie befindet sich derzeit in einem „Wettlauf um Geschwindigkeit“: Die Anzahl der neuen Fahrzeugmodelle (mit verschiedenen Konfigurationen) ist dreimal so hoch wie die der Handys und annähernd so groß wie die der Getränkeindustrie. Die Entwicklungszeiten haben sich von 3 bis 5 Jahren in der Ära der Verbrennungsmotoren auf 2 Jahre oder sogar kürzer reduziert – einige Automobilhersteller können pro Jahr mehrere neue Modelle auf den Markt bringen. Dies hat die Debatte ausgelöst, ob solche „schnell produzierten“ Fahrzeuge die Verbraucher als Versuchskaninchen nutzen. Der Schlüssel liegt darin, ob die Validierungsprozesse vollständig sind – nicht nur in der Zeit. Technologische Fortschritte (wie digitale Zwillinge oder die Trennung von Software und Hardware) können tatsächlich die Effizienz steigern, aber einige Hersteller sparen Kosten, indem sie echte Straßentests reduzieren oder Validierungsphasen auslassen, was zu Sicherheitsrisiken führen kann. Mit der verstärkten Regulierung (neue strengere Vorschriften) beginnt die Branche, von einem Wettlauf um Geschwindigkeit auf einen Wettlauf um Qualität umzusteigen.
Warum ist die Automobilindustrie so schnell geworden wie die Getränkeindustrie?
Die „Geschwindigkeit“ in der Automobilindustrie zeigt sich in zwei Aspekten:
1. Explosive Zunahme neuer Modelle: In China gibt es 3780 neue Fahrzeugmodelle – dreimal so viele wie Handys (1240). Im ersten Halbjahr 2026 wurden 165 neue Modelle auf den Markt gebracht, fast doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum von 2016 (weniger als 90).
2. Halbierte Entwicklungszeit: Die Entwicklung eines herkömmlichen Verbrennungsmotors dauerte früher 5 Jahre; heute können neue Elektrofahrzeuge in nur 2 Jahren fertiggestellt werden.
Hintergrund:
- Wettbewerbsdruck: Im Bereich der Elektromobilität ist der Wettbewerb intensiv, und die Hersteller fürchten, Marktchancen zu verpassen (z. B. bei intelligenten Fahrzeugsystemen oder Autonomiefunktionen), daher müssen sie schnell auf die Bedürfnisse der Verbraucher reagieren.
- Technologische Unterstützung: Technologien wie digitale Zwillinge, die getrennte Entwicklung von Software und Hardware sowie modulare Plattformen (die es ermöglichen, Außen- und Innenverkleidungen zu wechseln) erhöhen die Effizienz der Entwicklungsprozesse.
Kernfrage: Nutzen „schnell produzierte“ Fahrzeuge die Verbraucher aus?
Der Kern der Debatte liegt nicht in der Geschwindigkeit, sondern darin, ob bei der Entwicklung Schritte ausgelassen werden:
- Befürworter (z. B. Lu Fang von Lantu): Solange die Validierungsprozesse vollständig sind, ist Schnelligkeit kein Problem – es handelt sich um „effiziente“ Fahrzeuge; nur solche, bei denen Kosten gespart werden, sind „schnell produziert“.
- Gegner (z. B. Li Fenggang von Beijing Hyundai): Einige Hersteller überspringen Design- oder Serienproduktionsvalidierungsphasen und lassen die Verbraucher sogar als Testfahrer fungieren; dadurch können Qualitätsprobleme entstehen (z. B. ungewöhnliche Geräusche an Türen, Batteriefehler).
Allgemeiner Konsens in der Branche: Die Entwicklung eines neuen Fahrzeugs sollte mindestens 2 Jahre dauern und umfasst zahlreiche Schritte wie Marktforschung, Gestaltungskonzepte, Prototypenbau sowie Straßentests (im Winter und auf unebenen Straßen). Wenn die Entwicklungszeit kürzer ist, wurden wahrscheinlich einige dieser Schritte ausgelassen.
Welche Schritte werden bei der Zeitersparnis verschwiegen oder unterschlagen?
Die „Abkürzungen“ der Automobilhersteller konzentrieren sich hauptsächlich auf die Validierungsphasen:
1. Reduzierung echter Straßentests: Nationale Vorschriften fordern 30.000 Kilometer für Verbrennungsmotoren und 15.000 Kilometer für Elektrofahrzeuge (künftig voraussichtlich 30.000 Kilometer); einige Hersteller fahren jedoch nur die minimale Strecke oder ersetzen einen Großteil der Tests durch Simulationen.
2. Auslass von Validierungsphasen: Einige Marken führen nur eine der beiden Validierungsphasen durch, was zu einer schlechten Qualität der produzierten Fahrzeuge führt (z. B. unterschiedliche Qualitäten bei gleichem Modell).
3. Änderungen an bestehenden Modellen: Bei Überarbeitungen werden oft nur Äußeres oder Displays geändert; die bereits durchgeführten Tests (z. B. Batteriesicherheit) werden dabei ausgelassen.
4Unzureichende Anzahl von Prototypen: Für echte Straßentests sind mehrere Prototypen erforderlich; einige Hersteller verwenden jedoch nur einen Prototyp und gehen davon aus, dass dieser die Tests bestehen wird – was, wenn er „glücklicher“ ist als die anderen?
Simulationen: Ein Werkzeug für Effizienz oder eine Quelle von Risiken?
Simulationen sind an sich nützlich, aber ihre Fehlverwendung kann zu Problemen führen:
- Vorteile: Sie ermöglichen das Simulieren extremer Bedingungen (z. B. Erdbeben, Einsturze) und sparen Kosten.
- Probleme: Es gibt keine festgelegten Vorschriften für den Anteil von Simulationen zu echten Tests; einige Hersteller überlassen 80 % der Tests Computern. Beispielsweise werden bei Türrahmenprüfungen nur 2.000 der insgesamt 10.000 Tests mit realen Prototypen durchgeführt, die restlichen 8.000 mit Computer-Simulationen. Die Ergebnisse dieser Simulationen können jedoch von den tatsächlichen Nutzungsgewohnheiten der Verbraucher abweichen und zu Fehlern führen.
Rat der Branche: Simulationen und echte Tests ergänzen sich; sie können nicht ersetzt werden. Beispielsweise lassen sich Bodendauerprüfungen nur durch echte Fahrten auf unebenen Straßen durchführen – OTA-Updates (Fernaktualisierungen) reichen dafür nicht aus.
Wende der Branche: Vom Wettlauf um Geschwindigkeit zum Wettlauf um Qualität
Sowohl die Regulierung als auch die Automobilhersteller beginnen, das Tempo zu drosseln:
- Strengere Vorschriften: Neue Sicherheitsstandards für Türrahmen, Batteriesicherheit und Autonomiefunktionen.
- Reflexion der Unternehmen: Li Shufu von Geely betont, dass bei einer Entwicklungszeit unter 3 bis 5 Jahren sicherlich einige Schritte ausgelassen wurden; McKinsey-Experten fordern die vollständige Durchführung aller notwendigen Tests.
Zukunftstrend: Geschwindigkeit ist weiterhin wichtig, aber Sicherheit und Qualität sind das Minimum. Die Automobilhersteller können nicht mehr allein auf Schnelligkeit setzen; sie müssen Technologien nutzen, um Effizienz zu steigern (z. B. gleichzeitige Tests in Chongqing im Sommer und Neuseeland im Winter – allerdings mit höheren Kosten).
Fazit
Die Automobilindustrie kann schnell sein, darf aber nicht überstürzt vorgehen: „Schnell produzierte“ Fahrzeuge, bei denen Kosten gespart werden, werden letztendlich von den Verbrauchern abgelehnt. Nur solche, bei denen die Validierungsprozesse gründlich durchgeführt wurden, haben langfristigen Erfolg.