Zusammenfassung der Kernpunkte
Der zentrale Gedanke dieses Artikels ist, dass China und die USA ihre Finanzierungsmodelle in der Technologiebranche „gegenübergetauscht“ haben: China folgt nun dem Weg des US-Nasdaq aus dem Jahr 2000 und aktiviert den Innovationsprozess durch zahlreiche IPOs von Technologieunternehmen – auch solche, die noch keinen Gewinn erzielen. Die USA hingegen übernehmen die Methoden der chinesischen Immobilienbranche seit 2010 und nutzen finanzielle Instrumente wie SPVs (Special Purpose Vehicles), Private Credit sowie Asset Securitization, um die Entwicklung von AI-Infrastruktur zu fördern. Obwohl diese Modelle auf den ersten Blick gegensätzlich erscheinen, dienen beide dem Zweck, zukünftige Bedürfnisse bereits heute zu monetarisieren – mit entsprechenden Risiken.
Detaillierte Analyse
1. AI-Infrastruktur in den USA: Die USA übernehmen chinesische Methoden der „Schattenbanking“ und verwandeln GPUs in Finanzprodukte
Die Entwicklung von AI-Infrastruktur (Datenzentren, Chips) erfordert enorme Mittel. Technologiegiganten sind jedoch nicht bereit, ihr Eigenkapital zu dilutieren (Aktionäre lehnen dies ab) und fürchten zudem höhere Verschuldungen (Ratingagenturen könnten ihre Kreditwürdigkeit senken). Daher übernehmen sie die Methoden der chinesischen Immobilienunternehmer aus der Vergangenheit:
- Neuer Ansatz von Nvidia: Zusammenarbeit mit sechs Vermögensverwaltern zur Gründung einer Finanzplattform, die es Kunden ermöglicht, GPUs zu kaufen und diese Kredite anschließend an Pensionsfonds und Versicherungsunternehmen zu verkaufen – das bedeutet, dass GPUs zu vermietbaren, verpfändbaren und verbrieftbaren Vermögenswerten werden (Nvidia bezeichnet dies als „den ersten Mal, dass Chips zu investierbaren Assets wurden“).
- Vorgehensweise von Meta: Gründung einer Briefkastenfirma (SPV), bei der Finanzinstitute 80 % der Anteile halten und Meta nur 20 %. Die SPV emittiert 27,3 Milliarden US-Dollar an Anleihen für den Bau von Datenzentren; Meta muss die Schulden nicht in ihren eigenen Bilanzen ausweisen und bleibt somit als „niedrig verschuldet“ dastehen. Die Anleihen erhalten sogar eine A+-Bewertung, was Investoren anzieht.
- Blitzschneller Anstieg des Private Credit: Der Anteil der AI-bezogenen Privatdarlehen ist von fast null auf 20 Milliarden US-Dollar gestiegen und soll in den nächsten zwei Jahren um weitere 80 Milliarden steigen. Diese Mittel entspringen dem „Schattenbanking“ (Kredite, die nicht im traditionellen Bankbilanzen erfasst werden), wodurch das Risiko auf die Anleger übertragen wird.
Vergleich mit der chinesischen Immobilienbranche: Ähnlich wie damals, als Entwickler durch Trusts und sogenannte „offene Aktien“ (mit versteckten Krediten) das Geld für den Bau von Wohnungen im Voraus beschafften, nutzen die USA nun die zukünftigen Einnahmen aus der AI-Infrastruktur, wobei das Risiko auf den Finanzmarkt verlagert wird.
2. Technologie-IPOs in China: China kopiert den Nasdaq – auch ohne Gewinn möglich, Innovation durch „Kapitalkreisläufe“ angetrieben
China hat seine Richtlinien für die Börsennotierung von Technologieunternehmen gelockert:
- Fünftes Kriterium des Science and Technology Innovation Board: Auch große Modelle, die keinen Gewinn erzielen und keine stabilen Einnahmen haben, können an der A-Sekunde notiert werden, sofern ihre Technologie ausreichend ist. Die Hongkonger Börse macht dies bereits seit einigen Jahren (z. B. erlaubte vor einigen Jahren den Börsengang unprofitabler Biotechnologieunternehmen).
- Beispiel von ChangXin Storage: Am ersten Handelstag überschritt der Marktwert von ChangXin Storage den von Industrial and Commercial Bank of China und machte es zum größten Unternehmen Chinas. Bei seiner IPO erhielt das Unternehmen nur 57,9 Milliarden US-Dollar in bar; entscheidend war jedoch der Kapitalkreislauf: Frühe Investoren konnten ihr Kapital in weitere Unternehmen investieren, Mitarbeiter konnten ihre Aktien verkaufen, und das Unternehmen konnte durch Aktienübernahmen oder private Platzierungen weiter wachsen.
- Blitzschneller Anstieg der Finanzierung an der Hongkonger Börse: In diesem Jahr sammelten chinesische Technologieunternehmen 270 Milliarden Hongkong-Dollar an Kapital auf der Hongkonger Börse – das sind 80 % des Vorjahreswerts (die Hongkonger Börse war im letzten Jahr weltweit führend bei IPOs).
Vergleich mit dem Nasdaq von 2000: Damals führten die massiven IPOs dazu, dass selbst verlustbringende Technologieunternehmen an Wert gewannen (z. B. VA Linux stieg am ersten Handelstag um 698 %). Der aktuelle Boom bei IPOs in China ähnelt dem von damals – das Ziel ist es, den frühen Risiken durch den öffentlichen Markt beizugegenwirken und der gesamten Branche neue Impulse zu geben.
3. Notwendigkeit des „Szenenwechsels“: Gezwungen durch die jeweiligen realen Bedürfnisse
Warum kommt es zu diesem Wechsel? Beide Länder werden von ihren tatsächlichen Bedürfnissen angetrieben:
- In China: Die Ära der Immobilienwirtschaft ist vorbei; das Vermögen der Bürger benötigt neue Anlageformen (nicht nur Immobilien). Technologieunternehmen, die bisher auf US-Dollar-Fonds und Auslandsbörsengänge angewiesen waren, suchen nun nach inländischen Finanzierungsmöglichkeiten – IPOs werden daher zur bevorzugten Option.
- In den USA: AI ist eine ressourcenintensive Branche (Bau von Datenzentren, Kauf von Chips erfordert viel Geld). Die Bilanzen der Technologiegiganten können jedoch nicht so hohe Verschuldungen aufnehmen; Aktionäre lehnen es ab, ihr Eigenkapital zu dilutieren – daher müssen sie die Methoden der chinesischen Immobilienunternehmer übernehmen und das zukünftige Geld bereits heute nutzen.
4. Besonderheiten der jeweiligen Modelle: Keine vollständige Nachahmung, unterschiedliche Risiken
Obwohl die Modelle ähnlich erscheinen, haben sie ihre eigenen Besonderheiten und Risiken:
- Besonderheiten in China:
- Die Größenordnung der IPO-Finanzierungen ist gering (jährlich einige hundert Millionen US-Dollar – im Vergleich zu SpaceX). Die Hauptquellen der Finanzierung sind Bankkredite und staatliche Industriefonds; IPOs dienen eher als „Vitrinen“ als als echte Kapitalquellen.
- Die Abwicklungsmethoden unterscheiden sich vom Nasdaq: Während es beim Nasdaq zu einem Zusammenbruch kam (2000: Rückgang um 78 %), wurden in der A-Sekunde häufig die IPOs vorübergehend eingestellt; das Ende könnte anders ausfallen.
- Besonderheiten in den USA:
- Die Risikoverläufe sind unterschiedlich: In China liegen die Risiken bei den Hypotheken der Bürger und Banken; in den USA liegen sie bei den Anleihen im Private Credit-Bereich (Pensionsfonds und Versicherungen übernehmen jedoch einen Großteil der Risiken). Zudem stellt die schnelle Abnutzung von GPUs ein Problem dar: Während Immobilien jahrzehntelang genutzt werden können, sind GPUs nur für eine kurze Zeit nutzbar. Wenn die Abnutzung schnell erfolgt, verringert sich der Wert der Pfandwerte und die Verschuldungen können zu Problemen führen.
5. Die Bedürfnisse sind real – aber nicht das zukünftige Potenzial überstrapazieren
Sowohl die Technologie-IPOs in China als auch die AI-Infrastrukturprojekte in den USA basieren auf echten Bedürfnissen: Wie bei der Eisenbahnbauvorhaben, die erst gebaut werden müssen, bevor die Passagiere eintreffen, müssen auch Investitionen in AI-Infrastruktur und Technologie vorangegangen werden. Die Gefahr besteht jedoch darin, dass sich die Finanzierungsbedingungen verschlechtern können (z. B. durch steigende Zinsen) oder dass die Preise das zukünftige Wachstum übersteigen.
Fazit
China und die USA nutzen jeweils die Methoden des anderen, um neue Industrien zu fördern – es geht darum, das zukünftige Geld bereits heute zu verbrauchen. Entscheidend ist, ob es gelingt, die Risiken unter Kontrolle zu halten, damit keine Blasen entstehen. Die Geschichte wiederholt sich zwar, aber mit anderen Akteuren und Regeln kann das Ende unterschiedlich ausfallen.