虎嗅

Zieht Nokia sich vor Jahresende aus dem chinesischen Festland zurück? Die Antwort von Nokia

原文:年底前退出中国大陆?诺基亚回应

Zusammenfassung der Kerninhalte

Der finnische Telekommunikationsriesen Nokia zieht nach mehr als 40 Jahren auf dem chinesischen Markt seine Geschäfte deutlich zurück und plant, die meisten Büros und Fabriken zu schließen sowie Mitarbeiter in Etappen entlassen zu werden. Letztendlich könnte nur noch ein Service-Team für After-Sales-Dienste übrig bleiben – was einem „schrittweisen Ausstieg aus dem chinesischen Markt“ entspricht. Diese Entscheidung resultiert aus einem anhaltenden Rückgang seiner Geschäfte in China (übertroffen von lokalen Unternehmen wie Huawei), einer globalen Strategiewende hin zu AI- und Cloud-Diensten sowie einer Fehleinschätzung der Marktsituation durch Nokia selbst. Zu beachten ist, dass der Ausstieg aus China die Entwicklung seiner nächsten Generation von Kommunikationstechnologien (z. B. 6G) beeinträchtigen könnte: China verfügt über das größte 5G-Netzwerk und die meisten Anwendungsdaten der Welt, die für die Zusammenarbeit mit Nvidia bei der Entwicklung von AI-Kommunikationstechnologien unerlässlich sind.

I. Konkrete Schritte von Nokia beim Rückzug: Von Entlassungen bis zur Schließung von Fabriken – ein nahezu vollständiger Abzug

Nokias Rückzug ist keine Kleinigkeit, sondern ein umfassender Prozess:

  • Entlassungen und Schließungen: Das Forschungs- und Entwicklungszentrum in Hangzhou (ca. 1600 Mitarbeiter) wurde bereits geschlossen; weitere Entlassungen im Bereich Mobilfunknetze und Infrastruktur sollen bis Jahresende erfolgen. Büros und Fabriken in mehreren Städten werden ebenfalls schrittweise geschlossen.
  • Verringerung der Belegschaft: Im Jahr 2020 hatte Nokia in China 13.700 Mitarbeiter; bis Ende 2025 sollen es nur noch etwa 7.200 sein. Die entlassenen Mitarbeiter erhalten eine Abfindung in Höhe von „N+3“ Monatsgehältern (wobei N die Anzahl der Arbeitsjahre angibt – z. B. 5 Jahre Arbeit ergeben eine Abfindung von 5 + 3 = 8 Monatsgehältern).
  • Nur noch After-Sales-Dienste: In Zukunft könnte in China nur noch eine kleine Anzahl von Mitarbeitern für die Reparatur von Geräten tätig sein – das bedeutet, dass Nokia auf die Kerngeschäfte verzichtet und lediglich noch Serviceleistungen anbietet.
  • Hohe Kosten für die Reorganisation: Die Reorganisationskosten für 2026 wurden von 250 Millionen Euro auf 800 Millionen Euro erhöht; davon sollen 350 Millionen Euro speziell für die „Simplifizierung“ der Geschäfte in China verwendet werden – im Grunde genommen wird Geld für den Abzug ausgegeben.

II. Warum konnte der einstige „Handy-König“ nicht weitermachen? Lokaler Wettbewerb + eigene strategische Fehler

Nokia war in China einst sehr erfolgreich, ist aber heute an diesem Punkt angelangt:

  • Glänzende Vergangenheit: 1985 trat Nokia in China ein und beteiligte sich an der Aufbauarbeit des chinesischen Kommunikationsnetzes; das Handygeschäft war zeitweise die beliebteste Marke in China (z. B. das klassische „Nokia 1110“). Im Jahr 2010 erreichten die Umsätze in China 7,62 Milliarden Euro (ca. 59,8 Milliarden Yuan) und machten China zum größten Markt für Nokia weltweit.
  • Wendepunkt: 2014 verkaufte Nokia sein Handygeschäft an Microsoft; seitdem bleibt nur noch das Geschäft mit Telekommunikationsnetzwerkgeräten übrig. Lokale Unternehmen wie Huawei und ZTE konnten aufgrund besserer Technologie, günstigerer Preise und besserer Dienstleistungen einen großen Marktanteil erobern.
  • Anhaltender Rückgang der Geschäfte: Die Umsätze in China sanken von fast 2,2 Milliarden Euro im Jahr 2018 auf nur noch 913 Millionen Euro; der Anteil am Gesamtumsatz fiel von 7,9 % auf 4,6 %. Der chinesische Markt ist für Nokia immer unbedeutender geworden.
  • Globale Strategiewende: Nokia möchte sich nun auf AI- und Cloud-Dienste konzentrieren und das unrentable Geschäft mit Telekommunikationsnetzwerkgeräten abstellen, um Ressourcen für neue Entwicklungen freizusetzen.

III. Halten Nokias Ausreden stand? Der chinesische Markt ist eigentlich sehr offen

Nokias CEO beklagte, dass China es ihm nicht erlaube, auf dem Markt tätig zu sein – doch das stimmt nicht:

  • Der chinesische Markt ist nicht geschlossen: Im letzten Monat schafften Nokia und Ericsson (ein weiteres ausländisches Unternehmen) es in die Top 5 der Ausschreibungen für 5G-Ausrüstung bei China Mobile, was zeigt, dass chinesische Mobilfunkanbieter bereit sind, Ausrüstung von ausländischen Unternehmen zu kaufen.
  • Experten entlarven die Wahrheit: Ein Experte der Kommunikationsbranche, Xiang Ligang, erklärt, dass chinesische Anbieter eigentlich mehr Konkurrenz wünschen (um Preise zu drücken und Dienstleistungen zu verbessern). Westliche Unternehmen haben jedoch keine technischen Vorteile gegenüber chinesischen Unternehmen und auch keinen Preisvorsprung. Zudem schadet die politische Unterstützung für chinesische Unternehmen wie Huawei dem Image des chinesischen Marktes – der Rückgang der Marktanteile ist daher in erster Linie das eigene Verschulden von Nokia.
  • Nokias Ausrede: Nokia gibt die Schuld auf „die Anforderungen Chinas, inländische Ausrüstung zu kaufen“; doch im Grunde liegt der Fehler bei Nokias mangelnder Wettbewerbsfähigkeit – wenn man bessere und günstigere Produkte anbietet, warum sollten die Kunden dann nicht kaufen?

IV. Die „Nachwirkungen“ des Ausstiegs aus China: Der Verlust zukünftiger Technologieentwicklung

Der Rückzug von Nokia aus China könnte insbesondere die zukünftige Technologieentwicklung beeinträchtigen:

  • China verfügt über die besten 5G-Daten der Welt: Mit 4,83 Millionen 5G-Sendern besitzt China das größte 5G-Netzwerk der Welt sowie die meisten praktischen Anwendungsbeispiele (z. B. Industrie-Internet, intelligente Verkehrssysteme). Diese Daten sind entscheidend für die Entwicklung von AI-Kommunikationstechnologien (z. B. automatische Netzwerkoptimierung, Reduzierung von Störungen).
  • Nokias AI-Technologie benötigt chinesische Daten: Die Zusammenarbeit mit Nvidia bei der Entwicklung von „AI-RAN“ (künstlicher Intelligenz unterstützte drahtlose Netzwerke) erfordert umfangreiche 5G-Daten für ein effektives Funktionieren. Ohne Zugang zu diesen Daten wird Nokia in der Technologie zurückbleiben.
  • Rückstand im Wettbewerb um 6G: Der Kernrahmen der 6G-Technologie soll bis Ende 2028 festgelegt werden; bis dahin hat Nokia in China fast keine Geschäfte mehr und verfügt nicht über ausreichende Daten für die Entwicklung – sie wird gegenüber Unternehmen wie Huawei, die über chinesische Marktdaten verfügen, im Nachteil sein. Das bedeutet, dass Nokia den Anschluss an zukünftige Kommunikationstechnologien verpassen könnte.

Fazit

Nokias Ausstieg aus China ist das Ergebnis des Wettbewerbs auf dem Markt und Teil seiner globalen Strategieanpassung. Doch seine Ausreden halten nicht stand; der chinesische Markt war immer offen – Nokia konnte einfach nicht mit dem Tempo mithalten. Noch wichtiger ist, dass der Rückzug aus China dazu führen könnte, dass es im Wettbewerb um die nächste Generation von Kommunikationstechnologien (6G) zurückbleibt. Ohne die chinesischen 5G-Daten fehlen den notwendigen Ressourcen für die Entwicklung – Nokia verzichtet damit auf einen wichtigen „Übungsboden“ für zukünftige Technologien. Nokias Rückzug ist sowohl ein Zeichen der Vergangenheit als auch möglicherweise ein Bedauern für die Zukunft.