Zusammenfassung der Kerninhalte
Das neue Gebiet Lin-gang in Shanghai hat bereits vor mehr als 10 Jahren mit einer systematischen Strategie begonnen, obwohl die Entwicklung von Fourth-Generation-Semiconductoren noch in der Laborphase ist und weltweit kaum etablierte Unternehmen in diesem Bereich tätig sind. Durch den Aufbau zukünftiger Industriecluster, die Einrichtung von Konzeptvalidierungsplattformen sowie innovative Finanzierungsmechanismen (wie „Umwandlung von Zuschüssen in Investitionen“) wird versucht, wissenschaftliche Forschungsergebnisse aus Hochschulen über die Hürde vom Labor zum Markteintritt zu bringen. Das Ziel ist es, bis 2028 eine erste Industriekette zu schaffen und einen Vorsprung im Bereich der Fourth-Generation-Semiconductoren zu erlangen.
Warum hat Shanghai bereits vor mehr als 10 Jahren mit der Planung begonnen? Es handelt sich nicht um ein blindes Wagnis, sondern um die Schaffung neuer Entwicklungstrends
Die Entwicklungszeit für Fourth-Generation-Semiconductoren ist länger als erwartet: Die Third-Generation-Semiconductoren (wie Siliziumcarbid) benötigten mehr als 30 Jahre von der Laborforschung bis zur großtechnischen Anwendung im Tesla Model 3; die First-Generation-Ergebnisse für Fourth-Generation-Semiconductoren (repräsentiert durch Galliumoxid) wurden erst 2012 erzielt, und nach herkömmlichen Prognosen könnte ihre Marktreife erst um das Jahr 2040 erfolgen. Shanghais Planung, die bereits 2024 begann, dient nicht dem Nachjagen aktueller Trends, sondern der aktiven Gestaltung neuer Entwicklungsrichtungen – ähnlich wie Tesla damals den Markt für Siliziumcarbid beflügelte. Durch frühzeitige Investitionen soll das Engagement von Unternehmern und gesellschaftlichen Ressourcen beschleunigt werden, um den Industrialisierungsprozess voranzutreiben.
Der „Trumpf“ der Fourth-Generation-Semiconductoren: Erhebliche Kostensenkungen und Lösung bestehender Branchenprobleme
Der Kernvorteil von Fourth-Generation-Semiconductoren liegt in ihren niedrigen Kosten sowie der Lösung bestehender technischer Engpässe:
- Kostenvorteile: Galliumoxid kann beispielsweise mithilfe des „Flüssigphasenverfahrens“ hergestellt werden, was einfacher und kostengünstiger ist als das „Gasphasenverfahren“ für Third-Generation-Semiconductoren; bei Massenproduktion können die Kosten erheblich gesenkt werden.
- Lösung von Problemen: Bestehende Materialien erreichen in Bereichen wie Hochfrequenzkommunikationsfilter bereits ihre physikalischen Grenzen, weshalb neue Materialien benötigt werden. Zudem kann die Wiederverwertung industrieller Abwärme genutzt werden – in China wird jährlich so viel industrielle Abwärme verschwendet, wie die Jahresenergieerzeugung von 100 Drei-Schluchten-Dammen entspricht. Die thermoelektrischen Chips der Fourth-Generation-Semiconductoren können diese Abwärme in Elektrizität umwandeln und somit neue Marktpotenziale erschließen.
Wie überwindet man den „Todestal“ vom Labor zum Markt? Inkubatoren helfen bei der Suche nach Anwendungsmöglichkeiten und der Entwicklung von Prototypen
Wissenschaftliche Forschungsergebnisse aus Hochschulen sind noch keine verkaufbaren Produkte – der „Todestal“ zwischen Labor und Markteintritt stellt das größte Hindernis dar. Das Inkubator-Südlicher-Stern in Lin-gang hat Konzeptvalidierungsplattformen eingerichtet, um Unternehmen bei dem gesamten Prozess von der Idee über die Prototypentwicklung bis zum Markteintritt zu unterstützen:
- Beispielsweise half das Inkubatorteam um Hu Zhiyu von der Shanghai Jiao Tong University dem Unternehmen Galliumoxid Power bei der Anpassung ihrer Technologie an die Abwärmereserven von Baosteel, wodurch die Technologie in energieintensiven Branchen wie Stahl und Zement eingesetzt werden konnte.
- Die Plattform bietet weitere Dienstleistungen wie Prototypentwicklung, Leistungstests und Marktbewertungen, um aus Labortechnologien verkaufsfähige Produkte zu machen.
Woher kommt das Geld? Regierungsunterstützung in Form von Zuschüssen und Investitionen sowie Angelinvestoren
Start-ups benötigen dringend Kapital. Lin-gang setzt auf zwei innovative Ansätze:
- Umwandlung von Zuschüssen in Investitionen: Die Regierung bietet zunächst Forschungszuschüsse; wenn das Projekt reif genug ist, um als Unternehmen zu fungieren, investiert die Regierungsplattform gemeinsam mit externen Partnern nach Marktwerten – der ursprüngliche Zuschuss wird dabei zurückgezogen, wodurch sowohl die Unterstützung für den Start-up-Prozess gewährleistet als auch eine Verschwendung öffentlicher Mittel verhindert wird.
- Angelinvestoren: Das Inkubator-Südlicher-Stern verfügt über ein Angelinvestitionsfonds in Höhe von 500 Millionen Yuan, der mehrere Investitionsrunden in vielversprechende Projekte finanziert und so das Risiko für einzelne Investoren verringert. Bisher wurden bereits fünf High-Tech-Projekte mit Hilfe dieses Fonds realisiert.
klares Ziel: Bis 2028 50 Unternehmen ansammeln und eine Industriekapazität von über 5 Milliarden Yuan erreichen
Shanghais Strategie ist klar: Bis 2028 sollen mindestens 50 Unternehmen im Bereich der Fourth-Generation-Semiconductoren angesiedelt werden und die Industriekapazität auf über 5 Milliarden Yuan steigen. Durch Veranstaltungen wie „Create in Shanghai“ wurden bereits frühe Projekte wie Galliumoxid Power und Xinqingyu Energy in die Industrie geführt; das Inkubator-Südlicher-Stern verfügt außerdem über mehrere weitere Projekte, von denen eines in der ersten Hälfte dieses Jahres bereits umgesetzt wurde.
Insgesamt handelt es sich bei den Maßnahmen in Lin-gang nicht um ein Wagnis auf ungewisse Ergebnisse, sondern um einen systematischen Ansatz zur Kultivierung der Zukunft: Frühzeitige Investitionen in Technologien, Lösung von Umsetzungsproblemen sowie ausreichende Finanzierung sollen dazu beitragen, einen Vorsprung im Bereich der Fourth-Generation-Semiconductoren zu erlangen.