Zusammenfassung der Kerninhalte
Die Quartalszahlen von Broadcom entsprechen insgesamt den Markterwartungen, verbergen jedoch einige Bedenken: Der AI-Bereich weist zwar einen kurzfristigen, übererwarteten Wachstum auf, doch die Umsatzprognosen für die nächsten zwei Jahre liegen unter den Erwartungen des Marktes. Die Bruttogewinnmarge ist aufgrund des steigenden Anteils an maßgeschneiderten Chips rückläufig und unterliegt langfristig Druck. Zudem sieht Broadcom Konkurrenz von Google bei der Beschaffung von Lieferketten sowie von Wettbewerbern um Aufträge. Darüber hinaus verlangsamt sich das Umsatzwachstum bei Kunden aus führenden Forschungslaboren wie Anthropic, was Unsicherheiten für zukünftige Aufträge mit sich bringt. Diese Faktoren haben zu einem gesunkenen Marktzugang und einer gedrückten Bewertung von Broadcom geführt.
Detaillierte Analyse
1. AI-Bereich: Kurzfristig übererwartetes Wachstum, langfristig konservative Prognosen
Die AI-Einnahmen von Broadcom beliefen sich in diesem Quartal auf 16,7 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg um 5,9 Milliarden gegenüber dem Vorquartal und über den Markterwartungen von 16 Milliarden. Dies war hauptsächlich auf die umfangreichen Lieferungen von TPUv7-Chips an Google und Anthropic zurückzuführen. Für das nächste Quartal werden AI-Einnahmen von 21,7 Milliarden erwartet, was ebenfalls leicht über den Markterwartungen liegt.
Allerdings ist der Markt mehr an der langfristigen Entwicklung interessiert: Broadcom hat für 2027 einen AI-Umsatz von 115 Milliarden US-Dollar prognostiziert, während Analysten im Allgemeinen mit 130 bis 150 Milliarden rechnen – deutlich weniger als erwartet. Das Ziel für 2028 von 230 Milliarden US-Dollar setzt die Hälfte (10 GW Rechenleistung) auf Anthropic; jedoch verlangsamt sich der jährliche stabile Umsatz (ARR) von Anthropic, weshalb der Markt diese Prognose skeptisch betrachtet.
2. Bruttogewinnmarge: Steigender Anteil an maßgeschneiderten Chips, eingeschränkte Gewinnmöglichkeiten
Die angepasste Bruttogewinnmarge lag in diesem Quartal bei 74 Prozent und sank um 2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorquartal. Der Grund dafür ist der zunehmende Anteil an maßgeschneiderten ASIC-Chips, die nur für bestimmte Kunden hergestellt werden und eine deutlich niedrigere Gewinnmarge aufweisen als Standardchips. Da der Anteil an maßgeschneiderten Chips in der AI-Branche weiter steigen wird, könnte die Bruttogewinnmarge weiter sinken und das Gewinnwachstum eingeschränkt werden.
3. Wettbewerbssituation: Von „Konkurrenz gegen Nvidia“ zu „Konkurrenz durch andere“
Früher konnte Broadcom zusammen mit Google am AI-Markt gegen Nvidia bestehen. Nun sucht Google nach Alternativen: Die nächste Generation von TPUv8-Chips wird in zwei Versionen hergestellt, wobei auch MediaTek (MTK) an der Lieferung beteiligt ist. Zudem wurde ein Vertrag mit Marvell über die Lieferung maßgeschneiderter Chips abgeschlossen. Dies bedeutet, dass Broadcoms Anteil an Google-Aufträgen gefährdet sein könnte. Der Fokus des Marktes hat sich daher von der Frage verlagert, ob Broadcom Nvidia besiegen kann, auf die Frage, ob Broadcom seine bestehenden Kunden behalten kann.
4. Risiken durch führende Kunden: Unstabile Einnahmen von Kunden wie Anthropic
Zu Broadcoms wichtigen Kunden zählen führende AI-Forschungslabore wie Anthropic und OpenAI, deren Umsatzwachstum (ARR) sich verlangsamt hat. Zusätzlich finanziert Broadcom diese Labore durch Kooperationen mit Finanzplattformen, die die Kosten für die Chips tragen – doch diese maßgeschneiderten Chips sind nur für bestimmte Kunden geeignet. Sollten die Einnahmen dieser Labore zurückgehen, könnten nicht nur die Bestellungen gekündigt, sondern auch die Finanzplattformen ihre Unterstützung einstellen, was zu einem Verlust der geplanten 20 GW Rechenleistung führen könnte.
5. Software-Bereich: Die Vorteile der Übernahmen sind verbraucht, der Erfolg hängt vom Abonnementmodell ab
Die Einnahmen aus dem Softwarebereich beliefen sich in diesem Quartal auf 8,75 Milliarden US-Dollar, was einem Jahreswachstum von 29% entspricht. Dies war hauptsächlich auf die Integration und Umstellung auf ein Abonnementmodell nach der Übernahme von VMware zurückzuführen. Der Einfluss der Übernahmen hat sich nun abgeschwächt; zukünftiges Wachstum hängt ausschließlich von der Zunahme der Abonnenten von VMware ab. Dieser Bereich ist zwar stabil, aber das Wachstum könnte nicht mehr so hoch sein wie zuvor und kann daher nur als „Stabilisator“ für die Geschäftsentwicklung dienen, nicht jedoch als Quelle für explosionsartiges Wachstum.
Fazit
Die kurzfristigen Daten von Broadcoms Quartalszahlen sind zwar zufriedenstellend, doch es gibt zahlreiche langfristige Bedenken: konservative Prognosen, sinkende Bruttogewinnmargen, verstärkter Wettbewerb und Unsicherheiten hinsichtlich der Kundenbasis. Solange diese Probleme nicht gelöst werden, wird es schwierig sein, eine hohe Marktbewertung für Broadcom zu erreichen. Kurz gesagt befindet sich Broadcom derzeit in einer schwierigen Situation – mit Nvidia vor der Nase und MediaTek/Marvell im Nacken, während die Kundenbasis instabil ist.