Die Wahrheit hinter dem „Winter“ in der Filmbranche: Es liegt nicht daran, dass es keine Filme mehr zu drehen gibt, sondern daran, dass die „mittlere Schicht“ zusammengebrochen ist
Hallo zusammen, ich bin euer Finanzjournalist und Wirtschaftswissenschaftler. Kürzlich sagte Hu Ge in einem Interview mit GQ eine sehr ehrliche Aussage: „Der Filmmarkt ist sehr realistisch – wenn man sein Geld nicht zurückbekommt, werden die Chancen immer geringer.“ Das klingt hart, spiegelt aber die tiefgreifende und schmerzhafte strukturelle Umgestaltung der chinesischen Filmindustrie wider.
Viele Menschen sehen dies als einen „Winter“, aber meiner Meinung nach handelt es sich eher um einen **„klimatischen Wandel“. Früher war die Branche wie die vier Jahreszeiten: Der Winter war kalt, der Frühling warm; heute ähnelt die Branche einem sich erwärmenden Klima, bei dem die Eisschichten schmelzen und der Meeresspiegel steigt – viele alte Strukturen (z. B. Filme mit niedrigem oder mittlerem Budget) versinken einfach und kommen nicht mehr zurück.
Im Folgenden zerlege ich diese Nachricht in fünf Aspekte und erkläre sie in einfachen Worten, was eigentlich vor sich geht und wie es in der Zukunft weitergehen wird.
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Erstes: Die Spielregeln haben sich geändert: Von „Schauspielleistung“ zu „Risikokontrolle“
Früher wählten wir Schauspieler danach aus, wie gut sie spielten und ob ihre Auftritte herausfordernd waren. Heute geht es darum, ob sie den Investoren dabei helfen können, ihr Geld zurückzubekommen.
Hu Ge, Song Jia und Zhao Youting – alle drei sind Top-Schauspieler mit großartigen Fähigkeiten und zahlreichen Auszeichnungen. Warum haben sie plötzlich weniger Aufträge oder lange Pausen?
- Hu Ges Dilemma: Seine letzten Filme („Bu Xu Zhi Xing“, „Zou Zou Ting Ting“ usw.) erhielten gute Kritiken und sogar Auszeichnungen, aber der Gesamteinsatz am Kinokassenschalter betrug nur etwas über 200 Millionen. Für die Investoren bedeutet das einen Verlust.
- Song Jias Pause: Die „Goldene Henne“-Preisträgerin war acht Monate nach Abschluss der Dreharbeiten ohne neuen Auftrag.
- Zhao Youtings Hilflosigkeit: „Wenn niemand mich sucht, wie soll ich dann drehen?“
Kernlogik: Früher ermöglichte die Filmindustrie Fehler. Man konnte einen Kunstfilm drehen, der Verluste verursachte, um einen guten Ruf aufzubauen und mit einem kommerziellen Film wieder Geld zu verdienen. Heute ist die Toleranz für Fehler fast null.
- Früher: Schauspieler waren „Künstler“, ihre Werke „Kunstwerke“.
- Heute: Schauspieler sind „Assets“, ihre Werke „Finanzprodukte“.
Investoren fragen nicht mehr: „Spielt dieser Charakter gut?“, sondern: „Wie hoch ist das Risiko, wenn ich auf ihn setze? Wenn der Einspielergebnis nicht erwartet wird, verliere ich alles?“ Dadurch entsteht ein grausames Phänomen: Nur Kombinationen aus „beliebter Popularität“ und „großen IPs“ erhalten Budget. Schauspieler mit guter Schauspielkunst, aber unstabilen kommerziellen Erfolgen, werden vorübergehend an den Rand gedrängt. Das ist kein Kunstproblem, sondern ein Finanzrisikoproblem.
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Zweitens: Die Branchenstruktur bricht zusammen: Die „Mittelklasse“ verschwindet und es entsteht eine „Hantelform“
Das ist der zentrale wirtschaftliche Aspekt dieses Artikels. Früher ähnelte die Filmindustrie einer Pyramide – oder genauer gesagt, einem Zylindern:
- Oberes Ende: Superblockbuster (wie „Wandering Earth“), wenige, aber sehr profitabel.
- Unteres Ende: Kurzfilme und Online-Produkte, viele, aber mit geringem Budget.
- Mittlere Schicht (entscheidend!: Filme mit einem Budget von einigen zehn Millionen (Thriller, Krimis, Liebesfilme, Komödien).
Die mittlere Schicht war die „Rückgrat“ und die „Blutproduktionsmaschine“ der Branche:
- Neue Regisseure übten hier ihre Fähigkeiten aus.
- Zweit- und Drittrang-Schauspieler sammelten hier Erfahrungen.
*Techniker (Kamera, Visuelle Effekte, Lichtgestaltung) verdienten hier ihren Lebensunterhalt.
- Zuschauer entwickelten hier ihre Filmgewohnheiten.
Was ist jetzt passiert?
Die mittlere Schicht bricht zusammen.
- Die Kapitalflüsse: Das Geld geht entweder in riesige Produktionen (mit dem Risiko eines großen Erfolgs) oder in Kurzfilme (mit schneller Rendite).
- Ergebnis: Die Branche wird „hantelförmig“ – einer Ende ist riesig, das andere leicht, in der Mitte ist eine Lücke.
Warum verschwindet die mittlere Schicht?
Weil Kurzfilme sehr attraktiv sind. Die Kosten für einen Kurzfilm betragen vielleicht nur ein Zehntel der Kosten für einen Film, aber durch die Verbreitung können sie innerhalb weniger Tage die Kosten einspielen – sogar Gewinne erzielen. Kapital strebt nach Profit; wenn Kurzfilme weniger Risiko und schnelle Renditen bieten, warum sollte man dann ein Jahr lang an einem Film mit mittlerem Budget arbeiten, der Verluste verursachen könnte?
Deshalb bekommen Schauspieler wie Song Jia und Zhao Youting plötzlich weniger Aufträge. Es liegt nicht daran, dass sie nicht mehr gut sind, sondern daran, dass die Basis, auf der sie beruhen, verschwunden ist.
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Drittes: Die Wahrheit hinter den Daten: Weltweit wird „gerundet“ – nur mit unterschiedlichem Tempo
Der Artikel erwähnt ein gegenintuitives Phänomen: Die chinesischen Kinokassenumsätze sind stark gefallen, während der nordamerikanische Sommerfilmmarkt Rekorde gebrochen hat. Ist China besonders schlecht und die USA besonders stark?
Nein. Die Filmindustrie weltweit erlebt einen Rückgang der Projekte – nur die Ausprägung ist unterschiedlich.
- In China:
- Im ersten Halbjahr 2026 sanken die Kinokassenumsätze um 40,6 %.
- Die Anzahl der Kinobesucher sank um 34,2 %.
- Grund: Die Geldbörsen der Zuschauer sind enger, außerdem lenken Kurzfilme, Spiele und Videoclips ihre Aufmerksamkeit ab. Niemand möchte mehr 100 Yuan für einen Kinobesuch ausgeben.
- In den USA:
- Die Kinokassenumsätze sind tatsächlich gestiegen („Odyssey“, „Spider-Man“).
- Aber: Die Drehzahl in Hollywood ist um 20–28 % gesunken.
- Das bedeutet: In den Kinos laufen weniger Filme, aber es sind nur noch „Superblockbuster“.
Kernlogik: Weltweit findet eine Entlastung von Beständen und Risikominimierung statt.
- Früher: Jährlich wurden 100 Filme gedreht – 10 mit großem Erfolg, 50 mit geringem Gewinn, 40 mit Verlusten. Die Branche war insgesamt lebendig.
- Heute: Man wagt es nur, 20 Filme pro Jahr zu drehen – alle mit Top-Ausstattung, mit dem Risiko, dass sie ein Erfolg werden. Wenn sie erfolgreich sind, gibt es mehr Gewinn; wenn nicht, stirbt die Branche.
Daher ist die „Kinolebe“ nur eine Illusion, ein Effekt der Konzentration auf die Spitze. Die eigentlichen Produktionsbereiche (Filmatheken, Filmteams, Drehbüros) sind weiterhin schwach. Sowohl China als auch die USA erleben dasselbe: Die Gesamtzahl der Projekte nimmt ab, die Konzentration steigt.
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Viertes: Die Dimension des Wettbewerbs ändert sich: Filme konkurrieren nicht mehr nur miteinander
Früher war der größte Wettbewerb zwischen Filmen selbst. Heute konkurrieren Filme mit **den „drei Stunden Ihres Tages“:
- Wer sind die Konkurrenten?:
- 15-Sekunden-Kurzfilme auf TikTok/快手.
- Kurzfilme (jede Folge 1 Minute, mit intensiven Höhepunkten).
- Spiele (immersive Erlebnisse).
- Podcasts, AI-Comics.
Warum verlieren Filme?
Weil sich der Kosten-Nutzen-Verhältnis geändert hat.
- Ein Film kostet 100 Yuan und dauert 2 Stunden – man findet das vielleicht langweilig.
- Ein Kurzfilm kostet nichts oder wenig, dauert 10 Minuten und bietet intensive Unterhaltung und emotionale Werte.
Kernlogik: Die Aufmerksamkeit der Zuschauer ist ein knappes Gut. Wenn „kostenlose“ oder günstige Inhalte (Kurzfilme, Videoclips) die Unterhaltungsnachfrage zu geringen Kosten erfüllen können, müssen traditionelle Filme mit hohen Kosten, langen Zeiträumen und langsamen Tempi einen unersetzlichen Wert bieten, um die Zuschauer zu behalten.
Wenn ein Film diese Eigenschaften nicht bietet, wird er ignoriert.
**Filme werden von „Massenunterhaltung“ zu „Nischenluxusgütern“ oder „Konsumgütern für spezielle Gruppen“.
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Fünftes: Der Weg in die Zukunft: Kein Geld verschwenden, sondern gute Filme zu günstigen Kosten drehen
Am Ende des Artikels werden zwei sehr praktische Ratschläge gegeben, die meiner Meinung nach der Schlüssel zur Bewältigung der Situation sind:
1. „Qualitätsorientierung“ neu definieren: Es sollte erlaubt sein, dass kleine Budgets überleben
- Missverständnis: Qualität = große Stars + spektakuläre Effekte + große Kulissen = hohe Kosten.
- Wahrheit: Eine gesunde Branchenökologie benötigt den „Long-Tail-Effekt“.
- Ein Film mit 20 Millionen Budget sollte 10 Millionen verdienen.
- Ein Film mit 80 Millionen Budget sollte 50 Millionen verdienen.
- Solche „kleinen Gewinne“ sind die Lebensgrundlage der Branche.
Wenn die Branche nur Projekte wie „Wandering Earth“ mit 5 Milliarden Budget zulässt, ist sie anfällig. Denn wie oft kommen solche Projekte pro Jahr vor? Sie reichen nicht aus, um die vielen Beschäftigten zu ernähren.
Rat: Investoren sollten bereit sein, in kleine Budgets zu investieren, und Plattformen sollten kleine Inhalte mit hoher Rendite unterstützen. Nur so können neue Talente gefördert und der nächste große Hit entstehen.
2. Schauspieler kehren zur Essenz zurück: Schauspielleistung ist die wahre Währung
- Aktuelle Situation: Von Schauspielern wird erwartet, dass sie beliebt sind, Live-Streaming beherrschen, in Variety-Shows auftreten und in den Trendlisten stehen.
- Zukunft: Wenn der Trend nachlässt, wird Inhalt die entscheidende Barriere sein.
- Hu Ges Film „Bu Xu Zhi Xing“ hatte zwar durchschnittliche Einspielergebnisse, aber erhielt Auszeichnungen und wurde nach der Veröffentlichung auf Streaming-Plattformen neu bewertet.
- Das zeigt: Gute Werke haben langfristigen Wert. Beliebtheit ist kurzfristig, Schauspielleistung und Qualität sind langfristig.
Fazit:
Der „Winter“ in der Filmbranche ist eigentlich eine große Umstrukturierung.
- Was stirbt aus: Modelle, die auf Stars, teure Effekte und minderwertige Kurzfilme setzen.
- Was überlebt: Projekte, die mit geringem Budget gute Geschichten erzählen, bestimmte Zielgruppen erreichen und emotionale Werte bieten.
Für die Allgemeinheit:
- Wenn Sie Zuschauer sind: Rechnen Sie nicht damit, jedes Jahr große Filme zu sehen – lernen Sie, kleine, hochwertige Werke zu schätzen und unterstützen Sie Filme, die ernsthaft Geschichten erzählen.
- Wenn Sie in der Branche tätig sind: Glauben Sie nicht an „große Produktionen“ – versuchen Sie, mit geringeren Kosten bessere Inhalte zu schaffen.
- Wenn Sie Investoren sind: Konzentrieren Sie sich nicht nur auf die Spitze – schauen Sie sich kleine, aber qualitativ hochwertige Projekte an; dort liegt der echte Mehrwert.
Der Winter ist nicht schlimm – schlimm ist es, die Samen für den Frühling zu verbrennen. Jetzt ist die Zeit, wieder zu säen.