Die „Kälte“ der Technologiegiganten: Wenn Menschen zu upgradbarem Code werden
Hallo zusammen, ich bin euer Finanzjournalist und Wirtschaftswissenschaftlerfreund. Heute wollen wir über einen sehr tiefgründigen Artikel sprechen, dessen Autor der Soziologe Sun Liping ist. Die zentrale Aussage dieses Artikels ist äußerst scharf und lässt einem sogar einen Schauer über den Rücken laufen: Die „Gleichgültigkeit“ der heutigen Technologiegiganten (wie Musk, Thiel usw.) gegenüber den Menschen rührt nicht davon her, dass sie die Menschen hassen, sondern weil sie Menschen als Maschinen betrachten, die auseinandergebaut, modifiziert und aktualisiert werden können.
Um dieses etwas abstrakte Konzept verständlich zu machen, habe ich den Artikel in fünf Teile unterteilt und werde euch die Logik und die Gefahren dahinter in einfachen Worten erklären.
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1. Korrektur des Kernbegriffs: Nicht „Menschlichkeit neu gestalten“, sondern „Menschen neu konstruieren“
Zuerst müssen wir einen häufigen Übersetzungstrugschluss korrigieren. Ein Buch mit dem Titel „Re-Engineering Humanity“ wird oft in der Übersetzung als „Menschlichkeit neu gestalten“ bezeichnet. Doch Professor Sun Liping weist darauf hin, dass diese Übersetzung viel zu mild und banal ist und den kalten industriellen Charakter des Originaltextes völlig verdeckt.
Was bedeutet eigentlich „Menschen neu konstruieren“ (Re-engineering Humanity)?
Stellen Sie sich vor, Sie haben ein altes Auto, das Ihnen nicht gut genug funktioniert. Was würden Sie tun?
1. Sie würden nicht sagen: „Ich möchte Ihre Seele neu gestalten.“
2. Sie würden es auseinanderbauen, analysieren, welche Teile kaputt sind und welche ineffizient sind.
3. Dann würden Sie neue Teile einbauen und das Auto neu zusammenbauen, damit es schneller und sparsamer läuft.
Genau das tun die Technologiegiganten mit den Menschen. In ihren Augen sind Menschen keine heiligen, natürlichen, unantastbaren Wesen, sondern änderbare Systeme.
- Ihre Denkweise, Ihre Art, die Welt wahrzunehmen, Ihre Verhaltensgewohnheiten – all das werden als „Komponenten“ betrachtet.
- Wenn diese Komponenten ineffizient sind, können sie „optimiert“ werden.
- Wie Sie jetzt sind, ist nur eine „alte Version“, die iteriert und aktualisiert werden kann.
Das ist die Quelle dieser „Kälte“: Sie hassen Sie nicht und lieben Sie auch nicht besonders; sie sehen Sie einfach als ein Objekt, das optimiert werden kann. Genauso wie Ingenieure Code betrachten sie Menschen ohne Emotionen, nur mit Logik und Effizienz im Blick.
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2. Thiels Widersprüche: Warum kritisiert er die Schwächen der Menschlichkeit und verdient damit gleichzeitig viel Geld?
Der Artikel erwähnt einen berühmten Widerspruch des Silicon-Valley-Moguls Peter Thiel, der auch der Schlüssel zum Verständnis des Denkens der Technologiegiganten ist.
Welche Theorie glaubt Thiel?
Er ist stark von der „Theorie des Nachahmungswunsches“ des französischen Philosophen René Girard beeinflusst. Kurz gesagt: Menschen wollen etwas nicht, weil es an sich gut ist, sondern weil sie sehen, dass andere es wollen. Diese „Nachahmung“ führt zu Konkurrenz, Konflikten und sogar Gewalt. Girard kritisiert diese menschlichen Schwächen und sieht sie als Ursache sozialer Unordnung.
Was hat Thiel getan?
Man könnte meinen, wenn er weiß, dass Nachahmung die Quelle des Bösen ist, würde er sie beseitigen wollen.
Ganz im Gegenteil. Thiel hat dies erkannt und daraus einen riesigen Geschäftsmöglichkeit gemacht.
- Da menschliche Wünsche durch Nachahmung entstehen, wo findet sich diese Nachahmung am intensivsten?
- Die Antwort: Im Internet und in sozialen Medien.
- Daher investierte Thiel in Facebook (heute Meta). Facebook ist ein riesiger „Verstärker des Nachahmungswunsches“. Wenn Sie dort sehen, wie andere Schuhe, Uhren kaufen oder Reisen zeigen, entfacht sich Ihr Wunsch, und Sie beginnen, diese Konsumgewohnheiten nachzuahmen.
Was ist das Ergebnis?
Thiel erzielte mit dieser Investition einen Rückgang von über 12.800-fach. Später sagte er offen: „Ich habe auf die Nachahmung gewettet.“
Was zeigt das?
Das zeigt, dass Technologiegiganten nicht vorhaben, die Schwächen der Menschlichkeit zu heilen, sondern sie auszunutzen, um Geschäftsimperien aufzubauen. Sie wissen, dass Menschen leicht manipuliert, süchtig gemacht und nachahmungsfähig sind, daher entwickeln sie Produkte (wie Algorithmen und soziale Netzwerke), die genau darauf abzielen, diese Schwächen auszunutzen. Das ist kein moralisches Problem, sondern ein technisches Problem – sie betrachten die „Schwächen der Menschlichkeit“ als Eingabedaten für ihr System.
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3. Die „Dreiteilige Saga des Sternenmeeres“: Sie sind nur Brennstoff
Mit dem Geld, das sie durch die Ausnutzung menschlicher Schwächen verdient haben, beginnen die Technologiegiganten, größere Projekte zu verfolgen, die sie „Das Sternenmeer“ nennen. Professor Sun Liping hat diesen Prozess in drei Schritte zusammengefasst, die sehr ernüchternd sind:
1. Umfangreiche Daten kostenlos sammeln: Sie nutzen WeChat, TikTok, Facebook kostenlos, aber der Preis ist, dass Ihre Daten unbemerkt gesammelt werden. Ihre Vorlieben, Ihr Standort, Ihre sozialen Beziehungen – sogar Ihre Stimmungsschwankungen – werden zu Daten.
2. Ressourcen und Kapital ansammeln: Diese Daten geben den Giganten eine größere Vorhersagekraft und Kontrolle als Regierungen und normale Menschen, was wiederum riesiges Kapital anzieht.
3. Das „Sternenmeer“ verwirklichen: Mit diesen Ressourcen und Daten verfolgen sie ihre großartigen, zukünftigen Ziele (wie die Besiedlung des Mars, allgemeine Künstliche Intelligenz, Unsterblichkeitstechnologien).
Das Grausamste daran ist:
In diesem Prozess gibt es keine Wärme zwischen den „gewöhnlichen Menschen“ und dem „Sternenmeer“.**
Sie sind nicht die Hauptfiguren, Sie sind Brennstoff.
- Ihre Daten sind Brennstoff.
- Ihre Aufmerksamkeit ist Brennstoff.
- Sogar Ihre Arbeitsplätze (die durch AI ersetzt werden) sind Brennstoff.
Für eine ferne Zukunft, die vielleicht dem „neuen Menschen“ gehört, könnten wir hier und jetzt geopfert, arbeitslos gemacht oder um unser Vermögen gebracht werden. Das ist der Grund für dieses Gefühl der „Kälte“ – denn in ihrer großartigen Vision ist der konkrete, lebendige Mensch nicht wichtig, wichtig ist nur das abstrakte, zukünftige „System“.
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4. Zwei Arten von „Besorgnis“: Musk vs. Coxon
Am Ende des Artikels werden zwei Vertreter der Technologiebranche erwähnt, die unterschiedliche Einstellungen zum Risiko der menschlichen Zerstörung haben, was zwei völlig unterschiedliche Werte offenbart:
Musk (repräsentiert durch „Überhumanismus/Hyperhumanismus“):
- Ansicht: Das Risiko, dass Künstliche Intelligenz die Menschheit auslöschen könnte, liegt bei 10–20%, und das könnte innerhalb von zehn Jahren passieren.
- Einstellung: Er glaubt, dass es sich lohnt zu wetten. Denn nachdem wir diesen „dunklen Tunnel“ durchquert haben, werden wir in eine Gesellschaft eintreten, in der es überreichlich an materiellen Dingen gibt und sogar „neue, bessere Menschen“ existieren.
- Untertext: Die Menschen von heute sind nicht perfekt, sie sind nur alte Versionen. Um zur „neuen Version“ aufgestiegen zu werden, ist es in Ordnung, ein Risiko einzugehen. Ihm geht es um die zukünftige, göttliche, idealisierte „neue Menschheit“.
Coxon (repräsentiert durch „Humanismus“):
- Ansicht: Das Risiko besteht ebenfalls, aber er glaubt, dass damit das Leben jeder einzelnen Person aufs Spiel gesetzt wird.
- Einstellung: Er würde lieber auf großes Vermögen und Macht verzichten, als an diesem Wettspiel teilzunehmen.
- Untertext: Mir geht es um die **lebenden, vielleicht unvollkommenen, aber realen Menschen“ von heute und morgen.
Das ist die Essenz dieser „Kälte“: Die Technologieeliten wie Musk denken über die Welt hinaus. Sie hassen die Menschen nicht, aber sie respektieren die Menschen von heute nicht. In ihren Augen sind der Schmerz, die Arbeitslosigkeit, die Angst des heutigen Tages nur „notwendige Kosten“ oder „Störungen“ im Prozess der Systemaktualisierung. Diese Art des Denkens, das konkrete Leben zu verallgemeinern und zu instrumentalisieren, ist das, was Professor Sun Liping als „antihumanistisch“ oder „Überhumanistisch“ bezeichnet.
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5. Fazit: Wie sollen wir damit umgehen?
Nachdem Sie diesen Artikel gelesen haben, fühlen Sie sich vielleicht unwohl. Die Technologiegiganten definieren den Wert des Menschen auf eine äußerst rationale, kalte und sogar herzlose Weise neu.
Als gewöhnliche Menschen müssen wir Folgendes erkennen:
1. Seien Sie wachsam vor dem „Kostenlos-Trick: Wenn Sie Technologieprodukte kostenlos nutzen, liefern Sie mit Ihren Daten, Ihrer Aufmerksamkeit und Ihren menschlichen Schwächen Brennstoff für das „Sternenmeer“ der Giganten.
2. Verstehen Sie die Quelle der Gleichgültigkeit: Die Gleichgültigkeit der Technologiegiganten gegenüber Ihnen rührt nicht von persönlichen Feindseligkeiten her, sondern von systemischer Logik. In ihren Augen sind Sie nur ein Datapunkt, eine zu optimierende Komponente, kein würdevolles Wesen.
3. Bewahren Sie Ihre Menschlichkeit: Wenn Algorithmen versuchen, Sie vorherzusagen, zu kontrollieren oder zu verändern, bleiben Sie kritisch und schätzen Sie Ihr konkretes Leben und Ihre Emotionen – das ist die letzte Verteidigungslinie gegen die „Neukonstruktion“ Ihrer Persönlichkeit.
4. Konzentrieren Sie sich auf die „Gegenwart“ und nicht auf die „Zukunft: Verehren Sie nicht blind diese großartigen Zukunftsvisionen (wie den Mars, die Unsterblichkeit), sondern achten Sie auf die Auswirkungen dieser technologischen Veränderungen auf das Leben, die Arbeit und die Würde der Menschen von heute.
Zusammenfassung:
Technologiegiganten retten die Menschen nicht, sie verändern sie. Sie möchten Menschen in effizientere, vorhersehbarere, programmierbare „Maschinen“ verwandeln. Diese Art von „Kälte“ ist keine Bosheit, sondern eine systemische, entmenschliche Haltung. Wir müssen das erkennen, um in dieser von Algorithmen umgebenen Welt unsere eigene Menschlichkeit zu bewahren.