Große Verkaufsräumung britischer Wasserstoffbusse: Von einem Starprojekt zum Ausverkauf für 1 Pfund – Was haben wir eigentlich verloren?
Hallo zusammen, ich bin euer Finanzjournalist. Heute sprechen wir über ein „Desaster“, das in Aberdeen, Großbritannien, stattgefunden hat – doch hinter dieser Geschichte verbirgt sich eine wichtige Wahrheit über die globale Energiewende.
Einfach ausgedrückt: Die einst so stolze Wasserstoffbusflotte Großbritanniens ist jetzt völlig gescheitert – und das auf eine äußerst peinliche Weise.
Die 25 Wasserstoffbusse, die einst als „Vorbild für die Zukunft des Verkehrs“ galten, werden jetzt nicht nur nicht mehr gekauft, sondern zu extrem niedrigen Preisen verkauft. Die ursprünglich 13,9 Millionen Pfund teuren Busse sind jetzt nur noch für 816.000 Pfund zu haben – das entspricht einem Rabatt von 94 Prozent. Ironischerweise bot jemand sogar nur 1 Pfund für einen Bus an; erst als ein Unternehmen bereit war, 30.000 Pfund pro Bus zu zahlen, fand die Stadtverwaltung das noch „ganz in Ordnung“.
Es geht hier nicht nur um den Verlust einiger Busse, sondern um das Ende einer Ära: Im Bereich des öffentlichen Verkehrs scheint Wasserstoff gegenüber Elektrofahrzeugen tatsächlich nicht konkurrenzfähig zu sein.
Im Folgenden zerlege ich die Situation in fünf Schlüsselpunkte und erkläre euch die Hintergründe auf verständliche Weise.
---
1. Vom „globalen Vorbild“ zum „Garagenzombie“: Was ist mit diesen 25 Bussen passiert?
Um die Geschichte richtig zu verstehen, müssen wir uns ansehen, wie glänzend sie ursprünglich waren.
Im Jahr 2021 unternahm die Stadt Aberdeen (ein wichtiger Öl- und Gasstandort an der Nordsee) einen großen Schritt und kaufte 15 Wasserstoffbusse. Damals waren sie eine der ersten Wasserstoffbusflotten weltweit, die im kommerziellen Betrieb waren, und die Medien priesen sie als „Starprojekt der Energiewende“. Im Jahr 2022 kamen weitere 10 Busse hinzu, insgesamt also 25. Aberdeen hatte große Ambitionen und wollte auf der Grundlage seiner Ölindustrie eine vollständige Wertschöpfungskette von der „Herstellung von grünem Wasserstoff“ über „Wasserstofftankstellen“ bis hin zu „Wasserstoffverkehr“ schaffen – sogar eine Joint-Venture mit der britischen Ölgesellschaft BP wurde gegründet, mit der Erwartung, 700 Arbeitsplätze zu schaffen.
Doch die Realität war enttäuschend.
Das Problem lag in der „Infrastruktur“. Wasserstoffbusse sind zwar praktisch in der Nutzung, aber das Tanken von Wasserstoff ist schwierig. Im zweiten Halbjahr 2024 stellten die lokalen Wasserstofftankstellen aufgrund von technischen Problemen und Teilemangel den Betrieb ein. Ohne Wasserstoff wurden die 25 „Starbusse“ zu nutzlosen Objekten, die monatelang in den Garagen standen. Im März dieses Jahres kündigte die Stadtverwaltung schließlich das Projekt ab und entschied sich für Elektrofahrzeuge.
Wichtiger Punkt:
Es ist, als würde man eine Reihe von Luxusautos kaufen, nur um festzustellen, dass es in der ganzen Stadt nur eine einzige Tankstelle gibt – und diese häufig ausfällt. Egal wie gut die Autos sind: Ohne Treibstoff (Wasserstoff) sind sie nutzlos. Das größte Problem bei Wasserstoffbussen ist nicht das Fahrzeug selbst, sondern die fragile Wasserstofftankstellennetzwerk und die hohen Wartungskosten. Sobald die Lieferkette unterbrochen wird, ist das gesamte System lahmgelegt.
---
2. Vom 13,9 Millionen Pfund auf 816.000 Pfund: Wie ist dieser finanzielle Zusammenbruch möglich geworden?
Lassen Sie uns diese schmerzhafte Rechnung durchgehen:
- Gesamte Investition: Etwa 13,9 Millionen Pfund (Kauf der Busse und zugehöriger Einrichtungen).
- Gesamter Erlös: Erwarteter Erlös: 816.000 Pfund.
- Verlustrate: 94 Prozent.
- Verlust pro Bus: Durchschnittlich 520.000 Pfund pro Bus.
Wer sind die Käufer?
1. First Bus (Betreiber): Kaufte 23 Busse für 690.000 Pfund. Sie wurden nicht weiterhin für den Wasserstoffbetrieb genutzt, sondern in Elektrobusse umgebaut.
2. GeoPura (Wasserstoffunternehmen): Kaufte 2 Busse für 126.000 Pfund, um sie weiterhin für Wasserstoffzwecke zu verwenden (vermutlich für Tests oder spezielle Anwendungen).
Noch absurder ist, dass außer diesen beiden Unternehmen auch vier weitere Interessenten anboten. Zwei boten sogar an, die Busse „kostenlos“ zu übernehmen – ein weiterer bot nur 1 Pfund pro Bus. Im Vergleich dazu war der Preis von 30.000 Pfund pro Bus von First Bus bereits „hoch“.
Wichtiger Punkt:
Warum war First Bus bereit, 30.000 Pfund pro Bus zu zahlen? Weil die Umbaukosten geringer waren als der Kauf neuer Busse, und die Elektrotechnologie weiterentwickelt und einfacher in der Wartung ist. Für Betreiber ist es kostengünstiger, Wasserstoffbusse in Elektrobusse umzubauen, als neue Busse zu kaufen – und sie können sofort in Betrieb genommen werden. Dies zeigt auch, dass Wasserstoffbusse auf dem Gebrauchtwagenmarkt fast keinen Wert haben, da es an technischer Kompatibilität mangelt. Elektroautobatterien können ausgetauscht und Motoren repariert werden, während Wasserstofffusionsanlagen bei Ausfall praktisch unbrauchbar sind.
---
3. Warum scheitern Wasserstoffbusse? Weil die Effizienz zu niedrig und die Kosten zu hoch sind
Viele Menschen fragen sich: Ist Wasserstoff nicht umweltfreundlicher? Warum wird dann auf Wasserstoff verzichtet?
Hier kommt ein entscheidendes Konzept ins Spiel: die Energieumwandlungseffizienz.
- Elektrofahrzeuge: Strom aus dem Netz → Batterien → Motoren → Räder – die Effizienz liegt bei etwa 70–80 Prozent.
- Wasserstofffahrzeuge: Strom aus dem Netz/Erneuerbaren Energien → Wasserstoffherstellung durch Elektrolyse → Kompression/Lagerung → Wasserstofftanken → Stromerzeugung in Wasserstoffbatterien → Motoren → Räder – die Effizienz liegt in der Regel unter 30 Prozent.
Um es einfach zu machen: Elektrofahrzeuge sind effizienter und kostengünstiger.
Kostenvergleich:
In China liegt der Herstellungskosten von grünem Wasserstoff (dem umweltfreundlichsten Wasserstofftyp) bei 22–32 Yuan pro Kilogramm, während der Herstellung von Kohlewasserstoff nur 12 Yuan pro Kilogramm beträgt. Selbst mit dem günstigeren Kohlewasserstoff sind die Betriebskosten von Wasserstoffbussen deutlich höher als die von Elektrofahrzeugen – insbesondere aufgrund der hohen Kosten für Lagerung, Transport und Wasserstofftankstellen.
Wichtiger Punkt:
Experten der Universität Strathclyde sagen: „Das Scheitern von Wasserstoffbusprojekten ist unvermeidlich, da ihr kommerzieller und technischer Ansatz nicht funktioniert.“ Im Bereich des öffentlichen Verkehrs, insbesondere bei häufigen, kurzen Fahrten und festen Routen, sind Elektrofahrzeuge in Bezug auf Kosten, Effizienz und Benutzerfreundlichkeit klar die bessere Wahl.
---
4. Abkehr von Aberdeen: Nicht nur der Verkauf von Busse, sondern eine strategische Neuausrichtung
Die Stadtverwaltung von Aberdeen hat nicht nur die Busse verkauft, sondern einen umfassenden strategischen Rückzug vollzogen:
1. Auflösung der Joint-Venture: Aberdeen wird die Anteile an BP für einen symbolischen Betrag von 1 Pfund übernehmen und die Joint-Venture auflegen, die mehr als 40,3 Millionen Pfund gekostet hat. Das bedeutet, dass die Regierung nicht länger an Wasserstoffprojekten teilnehmen möchte.
2. Verkauf von Wasserstoffanlagen: Auch die Anlagen zur Wasserstoffherstellung, -lagerung und -tankung werden verkauft. GreenPower hat einige dieser Anlagen für etwa 1,3 Millionen Pfund übernommen.
3. Austritt aus dem Wasserstoffprojekt TH2ISTLE: Aberdeen möchte sogar aus dem Wasserstoffprojekt im Nordosten Schottlands aussteigen.
4. Neue Investitionen: Die Erlöse aus dem Verkauf der Busse werden für den Bau einer der größten Elektroautotankstellen Schottlands verwendet.
Wichtiger Punkt:
Dies ist ein deutliches Signal: Die Regierung zieht ihre finanziellen Mittel aus dem Wasserstoffverkehr zurück und konzentriert sich auf den Aufbau von Elektroverkehrsinfrastruktur. Die Entscheidungsträger in Aberdeen haben erkannt, dass sich die Marktsituation geändert hat. Anstatt weiter Geld in ein aussichtsloses Projekt zu stecken, ist es besser, rechtzeitig die Verluste zu stoppen und die begrenzten Ressourcen in eine effizientere und marktfähigere Elektroinfrastruktur zu investieren. Dies zeigt auch, dass Politik nicht nur vom „Hype um neue Technologien“ geleitet werden sollte, sondern auch von deren wirtschaftlicher Machbarkeit und Marktnachfrage.
---
5. Wasserstoff ist nicht tot – aber an der falschen Stelle eingesetzt: Wohin gehört er?
Schlussendlich möchten wir einen Missverständnis klarstellen: Wasserstoff ist nicht nutzlos – er wird nur an der falschen Stelle eingesetzt.
Eine Studie der Zeitschrift Nature hat fast 2.000 Wasserstoffprojekte weltweit analysiert und kommt zu einem klaren Schluss: Wenn Elektrizität verfügbar ist, sollte man Wasserstoff nicht verwenden.
- Nicht geeignete Bereiche für Wasserstoff: Öffentlicher Verkehr, Privatautos, Gebäudeheizung, Kurzstreckentransporte – dort sind Elektrofahrzeuge oder Wärmepumpen effizienter und kostengünstiger.
- Geeignete Bereiche für Wasserstoff: Schwerindustrien, bei denen eine Elektrifizierung schwierig ist. Zum Beispiel:
- Stahlherstellung: Die Verwendung von Wasserstoff statt Kohle zum Reduzieren von Eisenerz ist entscheidend, um die Kohlenstoffemissionen in der Stahlindustrie zu senken.
- Chemie und Düngemittelherstellung: Für die Produktion von Ammoniak und Methanol werden große Mengen an Wasserstoff benötigt.
- Langstreckentransporte: Zum Beispiel für Seefahrt und Lastwagen – Elektroautobatterien sind zu schwer, Wasserstoff könnte die einzige Option sein.
Wichtiger Punkt:
Wasserstoff ist eher ein „Industriematerial“ als eine „allgemeine Energiequelle“. Es sollte gezielt dort eingesetzt werden, wo Elektroenergie nicht ausreicht. Regierungen sollten die subventionierten Wasserstofffahrzeuge und -heizsysteme einstellen und stattdessen Pilotprojekte in Bereichen wie grüner Stahlherstellung und kohlenstoffarmer Ammoniakproduktion unterstützen sowie die entsprechende Infrastruktur ausbauen.
Zusammenfassung:
Das Drama mit den Wasserstoffbussen in Aberdeen ist kein Scheitern von Wasserstoff an sich, sondern ein Scheitern des Konzepts des Wasserstoffverkehrs. Es zeigt, dass die Wahl der Technologie auf die Anforderungen der jeweiligen Situation und die Kosten-Nutzen-Abwägung angewiesen ist – nicht auf das „Hype“ um neue Technologien. Für die Allgemeinbevölkerung bedeutet das, dass Elektrofahrzeuge in Zukunft wahrscheinlich die dominierenden Verkehrsmittel sein werden, während Wasserstoff in Fabriken und auf Seeschiffen seine wahren Potenziale entfalten wird.