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Exklusives Interview mit dem Chefökonomen der WTO: Das multilaterale Handelssystem befindet sich an einem „kritischen Punkt“ | Direkte Berichterstattung über globale internationale Organisationen

原文:独家专访WTO首席经济学家:多边贸易体制正处于“关键节点”丨直通全球国际组织

Der globale Handel steht an einer Kreuzung: Das „Lebens- oder Todsspiel“ und die „neuen Chancen“, die aus dem neuesten WTO-Bericht hervorgehen

Hallo zusammen, ich bin euer Finanzbeobachter. Heute sprechen wir über einen gerade veröffentlichten „Bombenbericht“ – den „Welthandelsbericht 2026“ der Welthandelsorganisation (WTO).

Der Titel des Berichts lautet „Wichtige Wendepunkte im Welthandelsystem“. Das klingt sehr akademisch, aber im Alltagsgespräch bedeutet das: Der globale Handel steht an einer großen Kreuzung – nach links führt der Weg zum Wohlstand, nach rechts zum Niedergang, und der Unterschied zwischen diesen beiden Wegen ist so groß, dass er den Geldbeutel jedes Einzelnen verändern kann.

Um diesen Bericht richtig zu verstehen, habe ich ein exklusives Interview mit Robert Staiger, dem Chefökonom der WTO, ausgewertet. Im Folgenden werde ich die Logik und die Botschaften des Berichts in einfachen Worten für euch erklären.

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1. Ein „Lebens- oder Todsspiel“ in Zahlen: Der Unterschied im BIP durch Zusammenarbeit oder Spaltung beträgt bis zu 10%

Zunächst schauen wir uns die direktesten Zahlen an. Die WTO hat keine leeren Versprechen gemacht und zeigt die wirtschaftlichen Konsequenzen in zwei extremen Szenarien:

  • Optimistisches Szenario (Stärkung der multilateralen Zusammenarbeit): Wenn die Länder ihre Zusammenarbeit weiter verstärken – beispielsweise durch die weitere Öffnung der Agrarmärkte, die Senkung hoher Zölle, die Förderung einheitlicher E-Commerce-Regeln und die reibungslose Aufnahme der 22 Länder, die sich der WTO anschließen möchten – könnte das globale BIP bis 2050 im Vergleich zur Basissituation um etwa 3 % wachsen.
  • Pessimistisches Szenario (Zersplitterung): Wenn die Welt in verschiedene Lager aufgeteilt wird und die Länder nicht mehr zusammenarbeiten:
  • Bei einer geopolitischen Spaltung (z. B. „Team USA“ vs. „Team China“ vs. „Team Europa“) würde das globale BIP um 5,1 % sinken.
  • Bei einer Spaltung nach natürlichen Handelspartnern (z. B. wenn die Länder nur mit Ländern handeln, mit denen sie gute Beziehungen haben, geografisch nahe sind oder deren Wirtschaftsstrukturen sich ergänzen) würde das globale BIP um 6,9 % sinken.

Interpretation:

Der Unterschied zwischen diesen beiden extremen Szenarien beträgt 10 Prozentpunkte. Das bedeutet: Es ist, als ob zwei Klassen unterschiedliche Lernstrategien verfolgen würden – die eine verbessert ihre Leistungen um 3 Punkte durch gegenseitige Hilfe, während die andere durch interne Konflikte fast 7 Punkte verliert. Das zeigt, dass die Fähigkeit der Welt, Wohlstand zu schaffen, erheblich geschwächt wird. Die Kernbotschaft der WTO ist klar: Wenn die aktuellen Regeln nicht geändert werden, wird das System versagen; aber wenn sie gut angepasst werden, sind die Vorteile enorm.

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2. Warum ist es jetzt so schwierig? Weil sich die Welt verändert hat und die Regeln nicht mitgepasst haben

Ihr fragt euch vielleicht: Die WTO wurde doch 1995 gegründet – waren die Regeln damals nicht gut genug? Warum spricht man jetzt von einem „Wendepunkt“?

Professor Staiger weist darauf hin, dass gerade der Erfolg der WTO der Grund für die aktuellen Herausforderungen ist. Seit 1995 haben sich vier große Veränderungen in der Welt ereignet, die 1995 noch nicht existierten oder unbedeutend waren:

1. Verlagerung des Wirtschaftszentrums: Früher dominierten die entwickelten Länder; heute machen Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen (wie China, Indien, südostasiatische Länder) 45 % des globalen Handels aus, gegenüber 23 % zuvor.

2. Zunehmende staatliche Eingriffe: Früher glaubte man an den „freien Markt“, heute setzen Regierungen jedoch Industriepolitiken und Subventionen um, was zu großen Diskussionen über „fairen Wettbewerb“ führt.

3. Veränderung der Art des Handels: Früher wurden ganze Kleidungsstücke gehandelt; heute werden Chips, Daten und Dienstleistungen gehandelt. Die Digitalisierung und die Neustrukturierung der globalen Wertschöpfungsketten machen die traditionellen Warenhandelsregeln unzureichend.

4. Geopolitische Spannungen: Der Handel ist nicht mehr nur ein wirtschaftliches Thema, sondern auch mit Sicherheits- und politischen Aspekten verknüpft.

Interpretation:

Das ist wie wenn man 1995 zu einer Versammlung in „Anzügen“ ging, und die Regeln entsprechend der Kleidung festlegten. Heute kommen viele Menschen in „Sport- oder Arbeitskleidung“ und verwenden Tablets und Drohnen. Wenn man weiterhin an den „Anzugregeln“ festhält, wird die Situation unangenehm. Die Kernprinzipien der WTO (wie Nondiskriminierung und Gleichbehandlung nach dem Most-Favored-Nationen-Prinzip) müssen zwar erhalten bleiben, aber die konkreten Anwendungsregeln müssen angepasst werden, um den neuen Gegebenheiten gerecht zu werden.

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3. Neue Chancen in den Zollverhandlungen: Länder, die früher nicht teilnehmen konnten, haben jetzt das Recht dazu

Das ist ein sehr professionelles, aber aufschlussreiches Thema. Staiger erwähnt, dass die letzte umfassende Zollsenkung während der Uruguay-Runde 1995 stattfand. In den letzten 30 Jahren hat sich der Handel vieler Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen zwar verdoppelt, aber die Zollraten blieben hoch, weil diese Länder nicht an den Verhandlungen teilgenommen haben.

Hier kommt ein wichtiges Konzept: Das „Regel der Hauptlieferanten“. Kurz gesagt: Wenn Land A mit Land B über eine Zollsenkung verhandeln will, muss Land A der Hauptlieferant dieses Produkts für Land B sein.

  • 1995: Viele Entwicklungsländer hatten nur einen kleinen Marktanteil auf den Märkten der entwickelten Länder und waren daher nicht berechtigt, an den Verhandlungen teilzunehmen und somit keine Chance, Zölle zu senken.
  • 2024: Die Situation hat sich komplett geändert. Viele Länder mit mittlerem und niedrigem Einkommen (z. B. Chinas Fertigungsindustrie, Vietnams Elektronikmontage) sind zu wichtigen Lieferanten geworden.

Interpretation:

Das bedeutet, dass jetzt der beste Zeitpunkt für eine neue Runde von Zollverhandlungen gekommen ist. Die Länder, die früher ausgeschlossen wurden, haben nun genügend Einfluss, um Forderungen nach Zollsenkungen zu stellen. Dies bietet der WTO große Möglichkeiten für zukünftige Verhandlungen. Wenn dieser Zeitpunkt verpasst wird, wird es noch schwieriger, Veränderungen herbeizuführen, da sich das Handelsmuster weiter verfestigen wird.

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4. AI und Daten: Die WTO urteilt nicht über die Qualität der Technologie, sondern über fairen Handel

Ein wichtiges Thema ist der Umgang mit AI und der grenzüberschreitenden Datenfluss. Wird die WTO eine „internationale AI-Regelgebung“ erlassen?

Staigers Antwort ist pragmatisch: Die WTO ist keine Technologiepolizei – sie urteilt nicht darüber, ob AI gefährlich ist oder wie AI entwickelt werden soll.

Allerdings hat die WTO in bestimmten Bereichen ihre Kompetenzen:

  • Intellectual Property Rights (TRIPS-Abkommen): Wem gehört das Urheberrecht an Inhalte, die von AI erstellt werden? Wie werden Patente geschützt? Das ist ihr Fachgebiet.
  • Technische Handelshindernisse (TBT): Können AI-Plattformen verschiedener Länder miteinander kommunizieren? Sind die Datenstandards einheitlich? Das betrifft die Handelsvereinfachung.
  • Dienstleistehandel: Wie werden Marktzugänge für AI-Dienstleistungen gestaltet, die grenzüberschreitend angeboten werden?

Interpretation:

Man sollte nicht erwarten, dass die WTO philosophische oder Sicherheitsfragen wie „Wird AI die Menschheit zerstören?“ löst. Ihre Rolle besteht darin, Wege zu bereiten und Regeln zu festlegen. Sie sorgt dafür, dass bei der grenzüberschreitenden Nutzung von AI keine diskriminierenden Barrieren entstehen. Zum Beispiel darf man ein Land nicht aufgrund unerwünschter AI-Algorithmen vom Markt ausschließen, es sei denn, es gibt berechtigte Gründe aus Sicht der öffentlichen Gesundheit oder Sicherheit. Die WTO muss einen Ausgleich zwischen „technischer Neutralität“ und „Handelsfreiheit“ finden.

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5. Die nächsten fünf Jahre: Geopolitik oder AI – Was formt die Regeln schneller? Und die „Fahrradtheorie“

Zum Schluss wurde Staiger gefragt, ob in den nächsten fünf Jahren die Geopolitik oder AI die globalen Handelsregeln schneller verändern wird.

Er wählte keine direkte Antwort, sondern betonte: Der letzte Bericht konzentrierte sich auf AI; dieser Bericht konzentriert sich auf die Reform des Systems selbst. Das bedeutet: Egal, wie sich AI entwickelt – wenn das Handelssystem (die WTO) nicht funktioniert, können die Vorteile der AI nicht allen zugutekommen.

Interessanterweise erwähnte er auch die „Fahrradtheorie“ (von dem Ökonomen Bhagwati):

> Das multilaterale Handelssystem ist wie ein Fahrrad – es bleibt nur aufrecht, wenn es ständig vorwärts gefahren wird. Wenn es anhält, fällt es um.

Interpretation:

Das ist eine sehr tiefe Metapher. Die WTO muss nicht jede Verhandlungsrunde zu 100 % zufriedenstellend gestalten oder alle Probleme lösen. Wichtig ist, dass das System weiter voranschreitet. Auch wenn man in dieser Runde nicht alles bekommt, was man möchte, erwartet man die nächste Runde mit Hoffnung.

Staiger sagte, dass er auf der letzten WTO-Ministerkonferenz Anzeichen dafür gesehen habe, dass sich Bewegung in die richtige Richtung entwickelt. Auch wenn es in der kurzfristigen Zukunft keine bahnbrechenden Ergebnisse geben wird, ist die ernsthafte Diskussionsatmosphäre positiv.

Zusammenfassung für Laien:

1. Die Globalisierung ist nicht tot, aber sie befindet sich in einer Umstrukturierung. Die zukünftige Globalisierung könnte nicht mehr „einheitlich“ sein, sondern eher „mit unveränderten Kernprinzipien und flexiblen regionalen Regeln“.

2. Achten Sie auf den Prozess des Beitritts zur WTO. Ob die 22 Länder, die derzeit verhandeln, der WTO beitreten können, wird den zukünftigen globalen Handel maßgeblich beeinflussen.

3. Ignorieren Sie nicht die Risiken durch „kleine Kreise“. Wenn die Welt in mehrere geschlossene Handelsgruppen aufgeteilt wird, könnte das globale Wirtschaftswachstum stark beeinträchtigt werden, Preise steigen und die Innovationsgeschwindigkeit verlangsamen.

4. AI ist ein Werkzeug, Regeln sind die Grundlage. Egal wie fortschrittlich die Technologie ist – ohne faire Handelsregeln können die Vorteile der Technologie nur von wenigen Ländern genutzt werden.

Die WTO steht an einem „Wendepunkt“ – es ist weder das Ende noch der Anfang, sondern ein Moment, in dem schnelles Umschalten notwendig ist. Für die meisten Menschen bedeutet das, diese makroökonomischen Trends zu verstehen, um die zukünftige Arbeitswelt, Investitionen und den Konsum besser vorherzusagen. Schließlich wirkt sich die Richtung des globalen Handels letztendlich auf jeden Einzelnen aus.