Der „schlechte Start“ der US-Aktien im September: Ein Sturm, der aus Zinssätzen, KI und Wahlen entstanden ist
Hallo zusammen, ich bin euer Finanzbeobachter. Die jüngste Entwicklung der US-Aktien lässt sich mit vier Worten beschreiben: „schlechter Start“.
Bereits nach zehn Handelstagen im September erreichte der Dow-Jones-Index den schlechtesten Start seit der Finanzkrise von 2008, und auch der S&P 500 sowie der Nasdaq-Index verzeichneten die schlechtesten Werte seit 2020. Viele Anleger fragen sich sicherlich: Ist das wieder ein Zusammenbruch – oder handelt es sich nur um die übliche „Herbstschwankung“?
Keine Sorge, lassen Sie uns die komplexen Finanzbegriffe beiseitelegen und die Hintergründe in einfachen Worten erklären. Der Rückgang ist nicht auf einen einzigen Grund zurückzuführen, sondern auf eine Kombination aus alten Problemen (Zinssätze), neuen Ängsten (KI-Entwicklungen) und politischen Risiken (Mittelswahlen).
Im Folgenden werde ich diese Situation aus fünf verschiedenen Perspektiven genauer erläutern.
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1. Der saisonale Fluch und der „psychologische Schatten“: Warum ist September immer so schwierig?
Zunächst einmal sollten wir dem Markt etwas „psychologischen Trost“ bieten. Auf Wall Street wird September als „schwarzer September“ bezeichnet.
Warum ist September so schlecht?
Laut historischen Daten ist September der einzige Monat, in dem alle vier wichtigsten US-Aktienindizes (Dow-Jones, S&P, Nasdaq, Russell 2000) einen negativen Durchschnitt erzielen. Das ähnelt einem „Übergangserscheinung“ im Wetter: Jedes Jahr zu dieser Zeit verschieben institutionelle Investoren ihre Anlagen und realisieren Gewinne, was zu größeren Marktschwankungen führt.
Warum ist es in diesem Jahr besonders beunruhigend?
Neben den saisonalen Faktoren gibt es auch den großen „psychologischen Schatten“ der Finanzkrise von 2008. Genau am Dienstag jährte sich das Scheitern von Lehman Brothers zum 18. Mal. Im September 2008 fiel der Dow-Jones um 6 Prozent, im Oktober sogar um 14 Prozent. Solche Erinnerungen verursachen bei Investoren instinktiven Schrecken. Wenn die US-Aktien wichtige Unterstützungslevels (z. B. die 50-Tage-Durchschnittslinie) unterschreiten, assozieren die Anleger unwillkürlich die Krise von 2008 und verkaufen panisch.
Einfache Erklärung:
Stellen Sie sich vor, Sie fahren an einer Stelle, an der es häufig zu Unfällen kommt. Auch wenn die Straßenverhältnisse heute noch in Ordnung sind, sind Sie wegen der vergangenen Unfälle besonders vorsichtig und reagieren schon auf leichte Veränderungen mit starkem Bremsen. Die Stimmung auf dem Markt im September ist genau wie eine Art „Posttraumatische Belastungsstörung“.
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2. Der Hauptgrund: Die „Zweischneidige Klinge“ der Zinssätze
Wenn man den saisonalen Faktor als Hintergrund betrachtet, dann ist die Geldpolitik der Federal Reserve (insbesondere die Zinssätze) der Hauptgrund für den Rückgang.
Was ist passiert?
Kürzlich stiegen die Renditen von 10-jährigen US-Staatsanleihen auf ein hohes Niveau von 5 Prozent.
- Für die breite Bevölkerung: Das bedeutet höhere Zinsen für Einlagen, aber auch höhere Kreditkosten für Immobilien und Autos.
- Für Aktien: Insbesondere für Technologieunternehmen wie Apple, Microsoft und Nvidia, deren Werte stark von zukünftigen Wachstumsprognosen abhängen. Wenn die Risikoprämie (Renditen von Staatsanleihen) steigt, fragen sich die Investoren: „Warum sollte ich Risiken eingehen und Aktien kaufen, wenn ich mit Staatsanleihen sicher 5 Prozent verdienen kann?“ Dadurch fließt Kapital aus dem Aktienmarkt in den Anleihenmarkt und drückt die Aktienkurse nach unten.
Was sagen die Experten?
Kevin Gordon von Credit Suisse erklärte, dass zwar die Löhne in den USA weiter steigen und die Wirtschaft noch widerstandsfähig ist, aber die „konservative“ Federal Reserve (die zu höheren Zinssätzen neigt, um Inflation zu bekämpfen) ein großes Hindernis darstellt. Adam Turnquist von LPL Financial sagte sogar: „Der wichtigste Faktor sind derzeit die Zinssätze. Wenn die Renditen von 10-jährigen US-Staatsanleihen die Marke von 5 Prozent erreichen, wird das insbesondere für technologieorientierte Sektoren problematisch sein.“
Einfache Erklärung:
Stellen Sie sich den Aktienmarkt als einen Teich vor, und die Zinssätze als den Wasserhahn. Früher floss das Wasser (Kapital) in den Aktienmarkt, was zu hohen Kursen führte. Jetzt, da die Zinssätze steigen, entsteht ein attraktiverer „Anleihenmarkt“, und das Kapital verteilt sich anders. Insbesondere Technologieunternehmen, die auf zukünftiges Wachstum setzen, sind am stärksten betroffen.
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3. Die KI-Entwicklung: Von „Glauben“ zu „Zweifel“
Das ist der größte Unsicherheitsfaktor dieses Jahres. Im ersten Halbjahr war KI der treibende Motor für den Anstieg der US-Aktien – insbesondere Chipunternehmen wie Nvidia erlebten einen Höhenflug. Doch in letzter Zeit hat sich die Situation geändert:
Was ist passiert?
1. Führende Unternehmen ändern ihre Strategie: KI-Giganten wie OpenAI betonen plötzlich die Sicherheitsaspekte von KI und fordern eine Verlangsamung der Entwicklung fortschrittlicher Modelle.
2. OpenAI verzichtet auf eine Börsennotierung: Obwohl die Märkte mit einer Börsennotierung gerechnet hatten, kündigte OpenAI an, dies in diesem Jahr nicht zu tun.
3. Zusammenbruch der Logik: Die ursprüngliche Marktlogik war: Schnelle KI-Entwicklung → höherer Bedarf an Rechenleistung → steigender Chipbedarf → steigende Chipkurse.
Jetzt sagen die KI-Giganten: „Wir müssen langsamer vorgehen.“ Die Märkte interpretieren dies als Rückgang der KI-Entwicklung und einen möglichen Rückgang des Chipbedarfs – was zu sinkenden Chipkursen führt.
Reaktion der Institutionen:
Die Citigroup senkte die Bewertung der US-Aktien, da eine Verlangsamung der KI-Entwicklung die Gewinnprognosen beeinträchtigen könnte. Auch Wells Fargo befürchtet, dass eine Verlangsamung der KI-Investitionen die zukünftigen Gewinne der Unternehmen schmälern könnte.
Einfache Erklärung:
Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein „Wundermittel gegen Fettleibigkeit“, weil Sie gehört haben, dass es 100 Kilogramm abnehmen lässt. Plötzlich erklärt der Hersteller: „Kaufen Sie das Mittel nicht zu schnell – wir müssen die Nebenwirkungen erst untersuchen.“ Dann werden die Lieferanten (z. B. Chiphersteller), die bereits Rohstoffe eingekauft haben, panisch und verkaufen ihre Aktien. KI ist von einem „blinden Glauben“ zu einer Risikofaktor geworden.
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4. Wirtschaftszyklus und Bewertungspuffer: Die „kalte Dusche“ von Wells Fargo
Neben Zinssätzen und KI geben auch große Wall-Street-Institutionen zu, dass die US-Aktien einen „Blasen“ haben.
Was sagt Wells Fargo?
1. Senkung der Zielbewertung: Die Zielbewertung des S&P 500 wurde von 7950 auf 7700 Punkte gesenkt.
2. Zweite Hälfte des Zyklus: Die Bank ist der Meinung, dass die US-Wirtschaft in die zweite Hälfte eines Wirtschaftszyklus eingetreten ist und die guten Zeiten bald vorbei sind; die Bewertungsfaktoren (Kursen im Verhältnis zu den Gewinnen) werden verringert.
3 Überhöhte Erwartungen: Die Markterwartungen hinsichtlich der Unternehmensgewinne für 2027 sind extrem hoch – 42 Prozent höher als im gleichen Zeitraum der letzten 50 Jahre.
Einfache Erklärung:
Stellen Sie sich ein Restaurant vor, das früher gut lief und für das die Menschen 5 Millionen Euro für seine Aktien bezahlen wollten. Jetzt sagt Wells Fargo: „Träumen Sie nicht – nächstes Jahr könnten die Gewinne nur 6 Millionen Euro betragen, und die wirtschaftliche Situation ist schlechter. 5 Millionen Euro sind zu viel.“ Wenn die Markterwartungen nicht erfüllt werden, fallen die Aktienkurse.
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5. Die politischen Risiken: Die „schwarzen Schwäne“ der Mittelswahlen im November
Ein weiterer oft übersehener, aber wichtiger Faktor sind die Wahlen im November in den USA:
Warum beeinflussen Wahlen den Aktienmarkt?
1. Politische Unsicherheit: Wenn die Republikaner die Kontrolle über beide Kammern verlieren (d.h. die Demokraten das Parlament übernehmen), könnten sie die Technologieunternehmen in Bezug auf Steuern, Regulierungen und Datenzentren härter unter Druck setzen.
2. Hindernisse für Datenzentren: Wells Fargo weist darauf hin, dass politische Hindernisse für den Bau von Datenzentren entstehen könnten. KI benötigt viele Datenzentren; wenn die Regierung aus Umwelt-, Energie- oder Datenschutzgründen den Bau einschränkt, könnte die Entwicklung von KI behindert werden.
3. Ölpreise und Inflation: Politische Unstabilitäten während der Wahlen könnten die Energiepolitik beeinflussen, was wiederum die Inflationsprognosen und die Entscheidungen der Federal Reserve beeinflussen könnte.
Einfache Erklärung:
Der Aktienmarkt fürchtet sich vor Unsicherheit. Niemand weiß, wie die neue Regierung nach den Wahlen mit den Technologieunternehmen umgehen wird. Wenn beispielsweise neue Steuern eingeführt oder der Bau von Datenzentren eingeschränkt wird, könnte das die Aktienkurse stark beeinflussen.
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Fazit und Ausblick: Was tun?
Zusammenfassung:
Der Rückgang der US-Aktien im September ist kein einfacher Zusammenbruch, sondern ein Test verschiedener Belastungen:
- Kurzfristig: Hohe Zinssätze, gesunkene KI-Erwartungen und politische Unsicherheiten erzeugen starken Druck auf den Markt.
- Technischer Aspekt: Der Dow-Jones ist unter die 50-Tage-Durchschnittslinie gefallen, was auf eine schwächere kurzfristige Trendrichtung hindeutet und zu weiteren Schwankungen führen könnte.
Historischer Vergleich (2022):
Das Jahr 2022 ähnelte diesem Jahr: Hohe Zinssätze und hohe Inflation führten zu einem starken Rückgang der US-Aktien. Der Wendepunkt kam jedoch im Oktober, als die Märkte erkannten, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hatte und die Erwartungen an Zinserhöhungen nachließen – danach begann ein neuer Aufschwung.
Ratschläge für Anleger:
1. Panikvermeiden: Auch wenn die Situation kurzfristig schlecht aussieht, ist der US-Arbeitsmarkt noch widerstandsfähig und die Wirtschaft noch nicht in eine Rezession geraten.
2. Achten Sie auf zwei Signale:
- Zinssätze: Zeigt die Federal Reserve Anzeichen für eine Verlangsamung oder sogar eine Senkung der Zinssätze?
- KI-Entwicklungen: Beschleunigen die KI-Giganten ihre Forschung wieder? Stabilisieren sich die Chipbedarfszahlen?
3. Behalten Sie Geduld: Wie Credit Suisse betont, ist dieser negativen Trend nicht unbedingt der Ende des Aufschwungs – aber er könnte zu größeren Schwankungen führen.
Zusammenfassung:
Die US-Aktien befinden sich derzeit unter dem Einfluss von saisonalen Faktoren, steigender Zinssätze, sinkender KI-Erwartungen und politischer Unsicherheiten. Es ist noch zu früh, um Aktien zu kaufen oder zu verkaufen. Beobachten Sie die Entscheidungen der Federal Reserve und der KI-Giganten und warten Sie ab, bis sich die Situation beruhigt hat.