Hallo zusammen, ich bin euer Finanzanalyst. Heute Abend richten sich die Blicke der globalen Finanzmärkte fest auf Washington. Es handelt sich nicht um eine gewöhnliche Sitzung, sondern eher um einen entscheidenden Moment, in dem der Vorsitzende der Federal Reserve, Kevin Warsh, seine Autorität unterstreichen will.
Um es euch leichter zu machen, das Geschehen zu verstehen – ohne sich mit komplexen englischen Abkürzungen und Diagrammen herumschlagen zu müssen – habe ich diese Nachricht in fünf zentrale Punkte aufgeteilt. Wir werden diese „Zinserhöhungsszene“ in einfachen Worten erklären.
1. Die Zinserhöhung ist fast unvermeidlich
Zunächst einmal: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Federal Reserve heute Abend die Zinsen um 25 Basispunkte erhöht (also um 0,25 %), liegt bei 94 %.
Stellen Sie sich das vor wie eine Prüfung, bei der der Lehrer bereits die Antwort angedeutet hat und 94 % der Schüler darauf setzen, dass die Antwort A richtig ist. Die Händler an der Wall Street haben diese Entwicklung bereits in die Preise einbezogen. Wenn die Federal Reserve heute Abend tatsächlich keine Zinserhöhung durchführt, wäre das der größte „Überraschungseffekt“ seit 1994 – schließlich würde dies bedeuten, dass die Fed sich selbst blamiert hätte.
Warum müssen die Zinsen erhöht werden?
- Inflation ist noch nicht unter Kontrolle: Die Kerninflationsrate (CPI) im August lag höher als erwartet (ohne Berücksichtigung von Lebensmitteln und Energiekosten).
- Ölpreise sorgen für Probleme: Die steigenden Energiekosten machen die Dinge teurer und erhöhen den Inflationsdruck.
- Warsh’ Image: Bei der Jackson-Hall-Konferenz hat Warsh deutlich gemacht, dass er nicht aufhören wird, gegen die Inflation vorzugehen. Wenn er heute Abend keine Zinserhöhung durchführt, würde sein „konservatives“ Image zerstört werden.
Daher haben sogar große Institutionen wie Goldman Sachs und Morgan Stanley ihre Meinung geändert und unterstützen nun die Zinserhöhung – obwohl einige (wie das Oxford Institute for Economics) immer noch gegen eine Erhöhung sind; dies ist jedoch ein eher unwahrscheinliches Szenario.
2. Die eigentliche Frage: Wie oft werden noch Zinserhöhungen folgen?
Lassen Sie sich nicht von dem Begriff „Zinserhöhung“ abschrecken – der Markt hat diese bereits erwartet. Das Wichtigste ist: Wie oft werden weitere Erhöhungen folgen?
Stellen Sie sich vor, der Arzt hat Ihnen die erste Spritze verordnet – Sie wissen, dass sie notwendig ist, aber Sie fragen sich, ob es die letzte Spritze ist oder ob noch zehn weitere folgen werden.
Der „Point-Sharing-Chart“ ist entscheidend: Die Federal Reserve wird einen „Point-Sharing-Chart“ veröffentlichen, der 18 Punkte zeigt (repräsentierend 18 Beamte; Warsh selbst zeichnet diese Punkte normalerweise nicht). Diese Punkte geben die Prognosen der Beamten für die zukünftigen Zinsen wieder.
- Hauptunterschiede: Der Markt spekuliert, ob die mittlere Inflationsprognose für 2026 darauf hindeutet, dass nur eine Erhöhung stattfindet oder ob weitere folgen werden.
- Goldman Sachs-Prognose: Es ist wahrscheinlich, dass nur eine Erhöhung stattfindet (mit einer knappen Mehrheit von 10 zu 8). Viele Beamte glauben, dass weitere Erhöhungen die Probleme auf der Angebotsseite (z. B. hohe Ölpreise aufgrund geopolitischer oder kapazitätsbedingter Probleme) nicht lösen und der Wirtschaft schaden könnten.
- Risiken: Wenn mehr Beamte der Meinung sind, dass die Wirtschaft zu heiß ist (insbesondere aufgrund von Investitionen in KI), könnten sie für weitere Erhöhungen plädieren.
Fazit: Wenn der Chart auf weitere Erhöhungen hindeutet, wird der Anleihenmarkt zusammenbrechen und der Aktienmarkt fallen; wenn nur eine Erhöhung angekündigt wird, atmet der Markt auf.
3. Interner Streit: Wer ist dafür, wer dagegen?
Auch innerhalb der Federal Reserve herrscht keine Einigkeit – es könnte heute Abend zu einigen „Auseinandersetzungen“ kommen:
- „Gepflegte“ Vertreter (gegen Erhöhungen): Der Fed-Beauftragte Christopher Waller ist einer der entschiedensten Befürworter einer lockeren Geldpolitik. Goldman Sachs geht davon aus, dass er gegen die Erhöhung stimmen wird. Seine Argumentation: Die Inflationsdaten der letzten drei Monate waren relativ gering – es gibt keinen Grund, eilig zu handeln.
- „Konservative“ Vertreter (für mehr Erhöhungen): Zuvor haben bereits drei Regionalbank-Vorsitzende gegen eine Erhöhung gestimmt; wenn heute Abend eine Erhöhung erfolgt, verschwinden ihre Stimmen – es könnten jedoch neue „Gepflegte“ hinzukommen, die sich gegen eine Erhöhung aussprechen.
- Politischer Druck: Wir befinden uns sieben Wochen vor den US-Wahlwahlen; weitere Zinserhöhungen könnten politischen Widerstand hervorrufen (hohe Zinsen erhöhen die Kreditkosten und beeinträchtigen die Geldbeutel der Wähler). Warsh muss einen Kompromiss zwischen Inflationsbekämpfung und politischem Druck finden.
Wichtig: Wie viele Gegenstimmen gibt es heute Abend? Wenn es nur 1–2 sind, zeigt das, dass die Fed intern noch einig ist; mehr Gegenstimmen würden zu größerem Unruhe im Markt führen.
4. Was sagt Warsh auf der Pressekonferenz?
Um 2:30 Uhr MEZ hält Warsh eine Pressekonferenz ab. Was er sagt, ist wichtiger als das, was er tut.
Warsh ist bekannt dafür, wenig zu sagen und viel zu tun – aber seine früheren Äußerungen waren sehr entschieden. Heute Abend steht er vor zwei Fragen:
1. Transparenz: Wird er klare Richtlinien geben (z. B.: „Wir werden nächstes Jahr im März wieder erhöhen“)? Morgan Chase geht davon aus, dass er vage bleiben wird, um den Markt nicht zu beeinflussen.
2. Haltung zur Zukunft: Wird er andeuten, dass dies die letzte Zinserhöhung ist oder der Beginn einer neuen Phase der Straffung?
- Gute Nachrichten: Wenn er sagt: „Die Inflation verbessert sich, wir haben Geduld“, steigen die Aktienkurse.
- Schlechte Nachrichten: Wenn er sagt: „Die Inflation ist immer noch hartnäckig, wir werden weiter vorgehen“, leiden sowohl Aktien als auch Anleihenmärkte.
Besondere Aufmerksamkeit: Warsh hat bereits erwähnt, dass Investitionen in KI eine treibende Kraft für das Wachstum sind, aber er hat auch angenommen, dass die finanziellen Bedingungen nicht zu angespannt sind. Er könnte betonen, dass die Zinserhöhung dazu dient, ein Inflationsaufschwung zu verhindern – nicht, die Wirtschaft zu schädigen.
5. Wie reagiert der Markt?
JPMorgan hat fünf mögliche Szenarien für die Reaktionen des Marktes skizziert:
- Szenario 1: Keine Zinserhöhung (unwahrscheinlich, aber das Schlimmste): Der Markt sieht die Fed als unkontrolliert an; Inflationserwartungen steigen. Aktienkurse fallen stark (um 1,25–1,75 %).
- Szenario 2: Zinserhöhung, aber keine klaren Richtlinien (wahrscheinlichste Entwicklung): Der Markt atmet auf, weil die Entscheidung endlich getroffen wurde. Aktienkurse steigen leicht (um 0,25–0,75 %).
- Szenario 3: Zinserhöhung und Andeutung einer Rücknahme der letztjährigen Zinssenkung (konservativ): Der Markt erwartet eine strengere Politik; Aktienkurse steigen weiter (um 0,5–1 %).
- Szenario 4: Zinserhöhung und Erhöhung der Prognosen für die „neutrale“ Zinsrate: Anleihenkurse schwanken; Aktienkurse fallen leicht (um 0,25–1 %).
- Szenario 5: Extrem konservative Haltung: Der Markt panikt (ähnlich wie 2022); Aktienkurse fallen stark (um 1–2 %).
Fazit:
1. Keine Panik: Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte war erwartet – es gibt keinen Grund, zu nervös zu sein.
2. Achten Sie auf den Point-Sharing-Chart: Wenn die meisten Punkte auf nur eine Erhöhung oder keine weiteren Erhöhungen hindeuten, ist das gut.
3. Hören Sie zu, was Warsh sagt: Wenn er „Wir haben Geduld“ oder „Die Inflation verbessert sich“ sagt, ist das positiv; wenn er von weiteren Maßnahmen spricht, ist das negativ.
4. Beobachten Sie die Anleihenzinsen: Wenn die Renditen von 10-jährigen US-Staatsanleihen die 5 %-Marke überschreiten und weiter steigen, könnte das auf Panik im Markt hindeuten – seien Sie vorsichtig mit möglichen Rückgängen an den Aktienmärkten.
Heute Abend wird Warsh nicht nur die Zinserhöhung durchführen, sondern auch dem Markt Sicherheit geben. Wenn es ihm gelingt, könnten die US-Aktien weiter steigen; andernfalls wird es eine schlaflose Nacht werden.