Die Ausgaben sind nicht geringer geworden – aber der Ort der Ausgaben hat sich geändert: Eine Analyse der neuen wirtschaftlichen Logik hinter den Investitionen in „Intellectual Property Produkte“
Hallo zusammen, ich bin euer Finanzbeobachter. In den letzten Tagen habt ihr vielleicht ein scheinbar widersprüchliches Phänomen in den Nachrichten bemerkt: Einerseits ist die Investitionen in Sachanlagen in unserem Land (einfach gesagt: das Bauen von Häusern, Straßenbau, Kauf von Maschinen usw.) in den ersten acht Monaten um 7,2 Prozent zurückgegangen; andererseits werden in den Nachrichten häufig Begriffe wie „neue Wachstumskräfte“ und „Wachstum gegen den Trend“ erwähnt, insbesondere die Investitionen in „Intellectual Property Produkte“, was etwas akademisch klingt – und deren Wachstumsrate hat sogar zugenommen.
Was ist eigentlich los? Bedeutet das, dass die Wirtschaft schlecht läuft? Ganz im Gegenteil: Die chinesische Wirtschaft durchläuft gerade eine tiefgreifende „Umstrukturierung“ und „Aufwertung“. Heute erklären wir euch in einfachen Worten, was dahintersteckt.
Erstes: Lassen Sie sich nicht von der „negativen Wachstumsrate“ täuschen: Das Geld ist nicht verschwunden, es ist nur in andere „Taschen“ gewechselt
Zunächst müssen wir einen Missverständnis beseitigen: Bedeutet der Rückgang der Investitionen in Sachanlagen um 7,2 Prozent, dass die Menschen weniger Geld ausgeben?
Nein.
Man kann die staatlichen Investitionen wie die Ausgaben einer Familie betrachten. Früher gab diese Familie ihr Geld hauptsächlich für das „Bauen großer Häuser“ und den Kauf von Luxusautos aus (traditioneller Infrastruktur und Immobilien). Jetzt, da die Häuser fast alle gebaut und die Autos fast alle gekauft sind, ist diese Ausgabe natürlich zurückgegangen. Stattdessen beginnt die Familie, Geld in „Privatlehrer“, Online-Kurse oder die Entwicklung neuer Kochrezepte (Technologie, Software, Forschung und Entwicklung) zu investieren.
Obwohl weniger Geld für das „Bauen von Häusern“ ausgegeben wird, fließt mehr Geld in die Forschung und Entwicklung. Und dieses Geld, das zwar nicht sichtbar und greifbar ist, kann in Zukunft hohe Renditen bringen.
Die Daten zeigen, dass die Investitionen insgesamt zwar zurückgegangen sind, die Investitionen in „Intellectual Property Produkte“ (also Investitionen in „immaterielle Vermögenswerte“) jedoch nicht nur unverändert geblieben sind, sondern sogar um 9,2 Prozent gestiegen sind. Das zeigt, dass das Kapital nicht aus dem Markt geflohen ist, sondern von „uneffizienten traditionellen Bereichen“ in „effiziente Innovationsbereiche“ umgeleitet wurde. Es handelt sich um eine strukturelle Optimierung, nicht um einen Rückgang insgesamt.
Zweites: Was sind „Investitionen in Intellectual Property Produkte“? Im Grunde genommen ist es wie das „Aufladen des Gehirns“
Viele Leser mögen sich bei dem Begriff „Investitionen in Intellectual Property Produkte“ verwirrt fühlen: Ich investiere doch in Aktien, Anleihen – warum dann auch in „Intellectual Property“?
Tatsächlich hat die nationale Statistikbehörde diesen Begriff sehr klar definiert; er umfasst hauptsächlich vier Bereiche, von denen die ersten beiden mehr als 90 Prozent ausmachen und uns am meisten interessieren:
1. Investitionen in Computersoftware und Datenbanken: Zum Beispiel die Entwicklung einer App, den Aufbau einer Cloud-Plattform oder die Organisation großer Datenmengen.
2. Forschung und Entwicklung (R&D): Zum Beispiel das Geld, das Unternehmen in Laboren ausgeben, um fortschrittlichere Chips oder effizientere Batterien zu entwickeln.
Die restlichen beiden Bereiche (Erschließung von Mineralvorkommen, Originalwerke der Literatur und Kunst) spielen eine eher geringe Rolle und können vorerst ignoriert werden.
Einfacher ausgedrückt:
Früher wurden Investitionen in Stahl und Beton gemacht, um Gebäude zu errichten – diese Gebäude veralten und verschleißen mit der Zeit. Heute werden Investitionen in Code, Patente und Daten gemacht, um „Fähigkeiten“ zu schaffen. Diese Fähigkeiten veralten nicht, sondern werden mit der Nutzung immer wertvoller.
Deshalb nennt die Regierung diese Art von Investitionen auch „energiesparende“ Investitionen. Sie sind nicht wie der Straßenbau, der einmal fertig ist und dann nur noch wartet, bis Autos darauf fahren; sie sind eher wie das Einbauen hochentwickelter „Chips“ und „Betriebssysteme“ in die Wirtschaftsmaschine, um die Produktivität der Zukunft erheblich zu steigern.
Drittes: Warum steigen die Investitionen in Software und Daten so stark? Weil „inländische Alternativen“ und „Künstliche Intelligenz“ die treibenden Kräfte sind
In den Nachrichten wird erwähnt, dass die Investitionen in Computersoftware und Datenbanken um 10,9 Prozent gestiegen sind – das ist der Kern dieser Entwicklung. Warum wächst dieser Bereich am schnellsten? Es gibt drei Hauptgründe:
1. Beschleunigte Inländische Alternativen:
Früher waren viele Kernsoftware- und Datenbankprodukte auf ausländische Quellen angewiesen. Heute müssen inländische Unternehmen aus Sicherheits- und Technologiegründen selbst forschen und entwickeln. Beispielsweise benötigen Betriebssysteme, Industriesoftware oder Datenbank-Middleware viel Kapital für diese Aufgaben – es handelt sich dabei nicht um eine optionale, sondern um eine notwendige Überlebensstrategie.
2. Softwareisierung von Hardware:
Heutzutage sind Chips und Elektroautos nur der „Rahmen“; der „Geist“ besteht aus Software. Der Wert eines Elektroautos liegt zu einem Teil in der Batterie und dem Motor, zu einem größeren Teil sogar im Fahrzeugsystem und den Autonomen-Fahr-Algorithmen. Das Chipdesign selbst ist ein großer Softwareprozess (EDA-Tools, Code-Validierung). Daher ist die Entwicklung von Chips im Grunde auch eine Investition in Software.
3. Daten als neues Öl:
Die Größe der Internetdatendienste wächst stetig. Unternehmen müssen Daten reinigen, Datenbanken erstellen und AI-Modelle trainieren – dafür werden Server gekauft, Ingenieure eingestellt und Rechenleistung benötigt. All dieses Geld zählt zu den „Investitionen in Intellectual Property Produkte“.
Ein Beispiel: Ein Automobilunternehmen könnte früher 10 Milliarden für den Bau einer Fabrik ausgegeben haben; heute könnte es 5 Milliarden für den Bau der Fabrik und weitere 5 Milliarden für die Entwicklung von Autonomen-Fahr-Algorithmen und Fahrzeugnetzwerk-Systemen ausgeben. Letzteres ist zwar nicht sichtbar, aber es entscheidet darüber, ob das Auto zu einem hohen Preis verkauft werden kann und den Markt erobern kann.
Viertes: Weltweiter Trend: Von „Steinen“ zu „Bits“ – Immaterielle Vermögenswerte dominieren die Welt
Dies ist kein chinesisches Phänomen, sondern ein weltweiter Trend der Wirtschaft.
Berichte der Weltorganisation für geistiges Eigentum zeigen, dass seit 2008 die Investitionen in immaterielle Vermögenswerte 3,6 Mal so hoch sind wie die Investitionen in materielle Vermögenswerte. Bis 2025 werden die weltweiten Investitionen in immaterielle Vermögenswerte 10 Billionen US-Dollar überschreiten.
Warum tut die ganze Welt das?
Weil „physische“ Güter immer wertloser werden und „Wissen“ immer wertvoller wird:
- Frühere Handys: Der Wert lag in Bildschirm, Kamera, Metallgehäuse (materielle Vermögenswerte).
- Heutige Handys: Der Wert liegt in Betriebssystemen, Anwendungsumgebungen, Markenvertrauen, AI-Funktionen (immaterielle Vermögenswerte).
- Frühere Autos: Der Wert lag in Stahl, Motoren.
- Heutige Elektroautos: Der Wert liegt in Batterietechnologie, softwaredefinierten Autos, Markenprämien.
- Große Sprachmodelle (Künstliche Intelligenz): Sie haben fast keine physische Form – man kann sie nicht sehen oder berühren – aber sie können Code schreiben, Designs erstellen und Kundendienste leisten. Ihr Wert hängt vollständig von Forschung, Daten und Software ab.
Das bedeutet, dass die Zukunft des Wettbewerbs nicht darin besteht, wer die größten Fabriken oder die meisten Maschinen hat, sondern wer über die stärksten „Wissensvermögenswerte“ verfügt. Wer die Kernalgorithmen, exklusiven Daten und Patente besitzt, hat auch die Kontrolle über die Preisgestaltung.
Fünftes: Politisches Richtsignal: Der Staat möchte „Intelligenz“ in „Vermögenswerte“ verwandeln
Schließlich schauen wir uns an, wie der Staat auf diesen Trend reagiert.
Der Entwurf der „Fünfzehnten Fünfjahresplanung“ legt ausdrücklich fest, dass „Investitionen in neue Infrastruktur und immaterielle Vermögenswerte“ aktiv unterstützt werden sollen. Zheng Zhajie, der Direktor der Nationalen Entwicklung und Reformkommission, hat auch erwähnt, dass die Entwicklung von Software und Datenverarbeitung als immaterielle Vermögenswerte „buchbar“ und „verwertbar“ gemacht werden soll.
Diese Aussage ist sehr wichtig, denn sie löst zwei Probleme:
1. Buchhaltungsprobleme: Früher konnten Unternehmen, die 100 Millionen für die Entwicklung von Software ausgaben, diese Ausgaben in ihren Finanzberichten nur als „Kosten“ eintragen und direkt vom Gewinn abziehen – was dazu führte, dass die Bilanzen schlecht aussahen und Banken keine Kredite gewährten. Jetzt ermutigt die Politik, diese Forschungs- und Entwicklungsausgaben zu kapitalisieren und als „Vermögenswerte“ zu verbuchen. Dadurch sehen die Bilanzen der Unternehmen besser aus und es fällt ihnen leichter, Kapital zu beschaffen.
2. Anreizprobleme: Wenn intellektuelle Ergebnisse nicht verwertbar sind, haben Mitarbeiter und Wissenschaftler keinen Anreiz, innovativ zu sein. Die Politik betont die „Wertschätzung von Intelligenz“, was bedeutet, dass Patente, Software und Daten in Zukunft durch Verkäufe, Lizenzen oder Beteiligungen in echtes Geld umgewandelt werden können.
Was bedeutet das für die Allgemeinbevölkerung?
- Für Arbeitssuchende: Die Anzahl der arbeitsintensiven, repetitiven Jobs wird abnehmen, während die Zahl der Jobs, die Kreativität, technische Fähigkeiten und Datenanalysefähigkeiten erfordern, zunehmen wird. Euer „Wissen“ und eure „Fähigkeiten“ werden zu euren wichtigsten Vermögenswerten.
- Für Investoren: Achten Sie auf Unternehmen, die bereit sind, viel Geld in Forschung und Entwicklung zu investieren und über Kernpatente und Softwarefähigkeiten verfügen. Diese Unternehmen haben eine größere Wettbewerbsfähigkeit und sind widerstandsfähiger gegen Risiken.
- Für Unternehmer: Konzentrieren Sie sich nicht nur auf den Betrieb physischer Geschäfte oder die Herstellung traditioneller Produkte. Wenn Ihr Projekt Daten erzeugt, Softwarebarrieren schafft oder Intellectual Property ansammelt, werden Sie leichter Kapital und politische Unterstützung erhalten.
Fazit
Insgesamt ist der Rückgang der Investitionen in Sachanlagen kein Zeichen für eine wirtschaftliche Rezession, sondern ein Zeichen für die Schmerzen und Hoffnungen einer wirtschaftlichen Transformation.
Wir bewegen uns von einer Ära, in der es um das Aufbauen von Gebäuden ging, in eine Ära, in der es um die Effizienz durch Code und Daten geht. Der Anstieg der Investitionen in Intellectual Property Produkte ist der deutlichste Ausdruck dieser Transformation.
Zusammenfassung:
Die Ausgaben sind nicht geringer geworden – sie haben sich nur von „Straßenbau und Gebäudebau“ auf „Forschung und Entwicklung von Software“ sowie von „Kauf von Eisen“ auf „Kauf von Intelligenz“ verlagert. Dies ist nicht nur eine strategische Anpassung auf staatlicher Ebene, sondern auch eine neue Spielregel, an die sich jede Firma und jeder Einzelne anpassen muss. In der Zukunft werden „immaterielle Vermögenswerte“ wertvoller sein als „materielle Vermögenswerte“.