Zusammenfassung der Kerninhalte
Die vertiefte Zusammenarbeit zwischen SAP und Palantir spiegelt im Grunde das Modell des „komplementären Zusammenspiels“ in der amerikanischen Unternehmenssoftwareökologie wider – die Giganten behalten ihre jeweiligen Kernkompetenzen bei (SAPs ERP-Daten, Palantirs Analyse- und Entscheidungsfähigkeiten) und teilen Daten mithilfe von „Zero-Copy“-Technologien, um gemeinsam größeren Wert für die Kunden zu schaffen. Die chinesische Softwarebranche hingegen leidet unter einer geschlossenen Ökologie, was zu einem schlechten Benutzererlebnis und Schwierigkeiten bei der Einführung von AI-basierten Assistenten führt. Der Grund dafür liegt nicht in der geringen Größe der Anbieter, sondern in der zu kleinen Marktnutzung – eine Offenheit führt dort nicht zu einem rentablen Geschäftsmodell. Um den Unterschied zu verringern, muss zunächst der Markt vergrößert werden, damit die Offenheit von einem „moralischen Aufruf“ zu einem profitablen Geschäft wird.
I. Die Zusammenarbeit amerikanischer Softwaregiganten: Es geht nicht um Territorialgewinnung, sondern darum, den Markt gemeinsam zu vergrößern
Was ist so besonders an der Zusammenarbeit von SAP und Palantir? Nicht ihre technischen Fähigkeiten, sondern die Tatsache, dass beide Parteien nicht gierig sind.
SAPs Kernkompetenz liegt im ERP-System – dem „Herz“ eines Unternehmens, das alle wichtigen Geschäftsdaten wie Einkauf, Verkauf und Finanzen verwaltet; Palantirs Kernkompetenz besteht in der Datenanalyse, die Entscheidungsrichtungen aus komplexen Daten ableitet. Um diese Entscheidungen in tatsächliche Geschäftshandlungen umzusetzen (z. B. Lageranpassungen, Bestellungen), ist jedoch weiterhin SAPs System erforderlich.
Ihr Ansatz der Zusammenarbeit basiert auf einer „Zero-Copy-Access“-Methode: Palantir muss die SAP-Daten nicht kopieren, sondern kann sie direkt für Analysen verwenden und die Ergebnisse anschließend an SAP zur Umsetzung senden. Dies ist sowohl sicher (keine Datenverluste) als auch effizient (kein Hin- und Herüberführen von Daten).
Noch wichtiger ist, dass dieses Modell des „komplementären Zusammenspiels ohne Wettbewerb“ in den USA zum Trend geworden ist – beispielsweise die Zusammenarbeit von Salesforce mit Snowflake oder Workday, die es ihren intelligenten Assistenten ermöglicht, Daten anderer Systeme direkt zu nutzen, ohne Kopieren. Im Grunde genommen bieten die Giganten ihre jeweiligen Stärken zusammen an, um den Kunden bessere Dienstleistungen anzubieten, anstatt sich gegenseitig das Territorium wegzunehmen.
II. Die Probleme der geschlossenen chinesischen Softwareökologie: Benutzer leiden, AI-basierte Assistenten funktionieren nicht
Die Geschlossenheit der chinesischen Softwareökologie ist keine abstrakte „Branchenproblematik“, sondern hat tägliche negative Auswirkungen auf die Nutzer.
Ein Beispiel aus dem Text: Ein Benutzer nutzt zwei SaaS-Softwarelösungen (eine für Kurse, eine für Mitgliedsrechte). Nach dem Kauf der Mitgliedschaft weiß das Kursystem nichts davon und der Benutzer muss die Rechte manuell in beiden Systemen aktivieren. Bei vielen Nutzern kommt es zu Fehlern, wodurch zahlende Kunden keine Kurse ansehen können – der Benutzer denkt nur: „Ich habe bezahlt, warum ist das so umständlich?“
Noch schlimmer wird die Situation im Zeitalter von AI-Assistenten, die Unternehmen bei Analysen und Aufgaben unterstützen sollen. Diese Assistenten benötigen sowohl die privaten Daten des Unternehmens als auch die Berechtigungen innerhalb der Software (z. B. automatische Bestellungen, Rechteänderungen). Wenn die Systeme nicht miteinander kommunizieren können, bleiben die Assistenten nur theoretische Lösungen – sie können Vorschläge machen, aber die Ausführung erfordert weiterhin manuelles Eingreifen in die einzelnen Systeme.
III. Warum wagen chinesische Anbieter keine Offenheit? Nicht aus Beschränktheit, sondern wegen der zu kleinen Marktnutzung
Viele behaupten, chinesische Anbieter seien „geschlossen und beschränkt in ihrer Denkweise“, aber in Wirklichkeit wagen sie es nicht, offen zu sein.
Offenheit bedeutet, dass Kunden Ihre Produkte mit denen anderer kombinieren können – warum sollten Anbieter potenziellen Konkurrenten den Zugang zu ihren Kunden ermöglichen, wenn dies keine neuen Kunden oder Einnahmen bringt?
Amerikanische Anbieter können offen sein, weil ihre Märkte groß genug sind: SAP erzielt beispielsweise jährlich 30 Milliarden Euro Umsatz, während der chinesische Anbieter UFIDA im Jahr 2025 nur 9,2 Milliarden Euro erwirtschaftete – ein Unterschied von mehr als 30-fach. In den USA kann ein kleiner, aber guter SaaS-Anbieter in einem Nischenbereich erfolgreich sein, ohne Territorialgewinnung zu betreiben; in China reichen einzelne Produkte jedoch nicht aus, um genügend Einnahmen zu erzielen, und die Kunden sind weniger bereit zu zahlen. Daher müssen Anbieter ihre Produktlinien erweitern und die Kunden in ihren geschlossenen Systemen einsperren – der Markt ist einfach zu klein.
Eine geschlossene Ökologie ist keine optimale Lösung, aber in kleinen Märkten die realistischste Option.
IV. Der Weg zur Veränderung: Den Markt vergrößern und Offenheit zu einem profitablen Geschäft machen
Um das Problem der Geschlossenheit zu lösen, reicht es nicht aus, nur nach Offenheit zu rufen – sie muss rentabel sein.
Amerikanische Anbieter können durch Offenheit Geld verdienen: Die Zusammenarbeit von SAP und Palantir ermöglicht es beiden, in den Kundenstöcken des anderen zu kommen und zusätzlichen Wachstum zu erzielen; Salesforce’ intelligente Assistenten, die Daten von Snowflake nutzen, führen zu höherer Kundenzufriedenheit. Wenn Offenheit zu einem „Wir helfen Ihnen, Sie helfen mir – gemeinsam verdienen wir mehr Geld“-Modell wird, ist sie kein Opfer, sondern ein profitables Geschäft.
Chinesische Softwareanbieter müssen den Markt vergrößern: Erstens durch die Erschließung neuer Produktbereiche (z. B. spezialisierter Unternehmensdienste) und zweitens durch den Markteintritt in ausländische Märkte. Nur wenn der Markt wächst, haben Anbieter genug Spielraum, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren; erst dann wird Offenheit von einer moralischen Pflicht zu einem wirtschaftlichen Entscheidungsgrund. Ein größerer Markt bedeutet, dass alle gemeinsam daran arbeiten können, den Markt weiter zu entwickeln.
Fazit: Der Unterschied im Zeitalter der KI könnte größer sein, als man denkt
Neben den technischen Unterschieden in Modellen werden auch die Unterschiede in der Ökologie im Zeitalter der AI-Assistenten noch deutlicher. Amerikanische Software wird zu „unterliegenden Tools“, die von KI-Systemen genutzt werden können, während chinesische Software weiterhin mit internen Problemen kämpft (z. B. miteinander inkompatible Systeme). Wenn das Problem der geschlossenen Ökologie nicht gelöst wird, könnten chinesische Unternehmen im Vergleich zu amerikanischen bei der Nutzung von AI-Assistenten deutlich zurückliegen. Um diesen Unterschied zu verringern, muss der Markt vergrößert werden – erst dann wird Offenheit tatsächlich zum Vorteil.