Zusammenfassung der Kerninhalte
Nach seinem Wechsel von Procter & Gamble zu KFC erzielte Su Jingxi durch umfassende Befugnisse vom Konzernhauptquartier, eine präzise Einschätzung des wirtschaftlichen Aufschwungs in China, die Abwerbung von Schlüsselpersonalen von McDonald’s sowie eine strategische Expansion und innovative Produktentwicklung, dass die Zahl der KFC-Filialen in China (über 5.000 im Jahr 2015 gegenüber 2.300 bei McDonald’s) sowie das Umsatzvolumen (30 Milliarden gegenüber 10 Milliarden bei McDonald’s) deutlich über denen des Konkurrenten lagen. Dadurch wurde KFC zu einer Quelle von fast 40 Prozent des weltweiten Gewinns von PepsiCo und zum in China erfolgreichen amerikanischen Unternehmen – sogar erfolgreicher als in den USA.
Detaillierte Analyse
#### 1. Umfassende Befugnisse vom Konzernhauptquartier: Ein seltener Vorgang in multinationalen Unternehmen
Der erste Schlüssel zu Su Jingxis Erfolg war die ihm eingeräumte Freiheit, seine Entscheidungen selbst zu treffen. Zu dieser Zeit gehörte KFC zur PepsiCo-Gruppe, die jedoch kein eigenes Gastronomiegeschäft führte und keine Ahnung hatte, wie man das Geschäft in China effektiv gestaltet. Su Jingxi erhielt nahezu vollständige Autonomie – selbst sagte er: „Es gibt keinen anderen Verantwortlichen für den chinesischen Markt, der so viel Freiheit hat wie ich.“
Im Vergleich zu McDonald’s wird deutlich, wie wichtig diese Entscheidungsfreiheit war: McDonald’s verfolgte ein weltweit standardisiertes Konzept (Hamburger, Pommes, einheitliches Design) und hatte kaum Spielraum für lokale Anpassungen. Su Jingxi war sich sicher, dass er bei McDonald’s nicht erfolgreich sein würde, da die Unternehmensstruktur zu starr war, um auf den chinesischen Markt einzugehen.
#### 2. Die richtige Einschätzung des wirtschaftlichen Aufschwungs in China: Schnelle Expansion nach Deng Xiaopings Südreise
Nach Deng Xiaopings Rede während seiner Südreise im Jahr 1992 erkannte Su Jingxi sofort, dass ein wirtschaftlicher Boom bevorstand. Zuvor eröffnete KFC jährlich nur ein bis zwei Filialen in Peking und Shanghai; nach der Nachricht von Deng Xiaopings Reise entschied er sich jedoch für eine rasante Expansion.
Warum war er so sensibel? Er hatte die schnelle wirtschaftliche Entwicklung Taiwans in den 1960er und 1970er Jahren miterlebt und wusste, was solche politischen Signale bedeuteten. Während die Amerikaner im Konzernhauptquartier noch nicht reagiert hatten, begann Su Jingxi bereits, Einladungen von lokalen Behörden anzunehmen, um Filialen zu eröffnen – während andere noch zögerten.
#### 3. Die Abwerbung von Fachkräften von McDonald’s: Die richtigen Menschen für den chinesischen Markt
Für die Expansion waren erfahrene Mitarbeiter entscheidend. Su Jingxi setzte auf Mitarbeiter aus dem taiwanesischen KFC-Team, da sie den chinesischen Markt besser verstanden als Personen aus Hongkong oder Singapur. Er argumentierte: „Taiwanesische Mitarbeiter kennen den chinesischen Markt besser als andere.“
Beispiel für diese Strategie ist die Abwerbung von Lu Suivén, der später leitende Marketingfachkraft bei KFC China wurde. Obwohl viele dachten, dass Außenstehende kein Marketing verstehen könnten, war Su Jingxi überzeugt, dass das Wissen um die Kundenbedürfnisse schnell erlernt werden kann. Zudem ignorierte er die Arroganz von McDonald’s gegenüber KFCs Talenten.
#### 4. Strategische Expansion: Zuerst den Markt erobern, dann optimieren
Su Jingxi nutzte eine „Expansionsstrategie, bei der mehrere Standorte gleichzeitig besetzt wurden“. Entwickelte Regionen wie Suzhou und Wuxi wurden besonders priorisiert, um schnell Filialen zu eröffnen. Als McDonald’s versuchte, in diese Gebiete einzudringen, stellte es fest, dass alle guten Standorte bereits von KFC belegt waren.
Zu Beginn gab er den Regionalmanagern große Freiheiten – sie konnten selbst entscheiden, wie sie Personal einstellen, Einkäufe tätigen und Filialen eröffnen. Erst nach drei Jahren (1995), als die Expansion abgeschlossen war, wurde ein chinesisches Hauptquartier eingerichtet und die Fachfunktionen zentralisiert. Dieser Zeitplan war perfekt abgestimmt.
#### 5. Innovative Produkte: Anpassung an den chinesischen Markt
Der Erfolg von KFC beruhte auch auf innovativen Produkten. Su Jingxi setzte darauf, jeden Monat neue Produkte auf den Markt zu bringen und entwickelte Produkte, die den chinesischen Geschmack trafen (z. B. „Old Beijing Chicken Roll“ nach dem Vorbild des Peking-Ente-Gerichts, „Neniu Wufang“). Sogar die Namen der Produkte wurden von ihm persönlich gewählt (z. B. „Jinbao Jumifala“, „Gurou Lianxian“). Im Gegensatz dazu blieb McDonald’s bei seinem amerikanischen Konzept und führte kaum Innovationen durch. Su Jingxi betonte: „Im Gastronomiegewerbe in China kann man ohne neue Produkte schnell aussterben.“ Diese Strategie wurde später auch von Tee- und Getränkeunternehmen übernommen (z. B. Luckin Tea, NaiXue).
Fazit
Su Jingxis Erfolg basierte auf der richtigen Einschätzung chinesischer Marktbedingungen, einer flexiblen Lokalisierung sowie dem Mut, Mitarbeiter einzustellen und ihnen Entscheidungsfreiheiten zu geben. Er übernahm nicht einfach amerikanische Vorgehensweisen, sondern entwickelte KFC zu einem „in China angepassten“ amerikanischen Unternehmen – ein Beispiel dafür, wie multinationalen Unternehmen in China erfolgreich sein können. Seine Autobiografie „Zhenglu 2“ bietet Unternehmen, die den lokalen Markt bedienen möchten, wertvolle Erkenntnisse.