Zusammenfassung der Kerninhalte
Baidus Autopilot-Dienst „Luobo Kuai Pao“ hat in China einen Weg von anfänglichen Fehlern und Spott bis hin zu einer technischen Verbesserung und Flexibilität zurückgelegt. Durch den Wechsel auf rein visuelle Technologien konnten die Kosten erheblich gesenkt werden, wodurch in Wuhan ein Gewinn pro Fahrzeug erreicht wurde. Gleichzeitig wird das Geschäft international ausgebaut, insbesondere in der Mittelost (Dubai, Abu Dhabi) und Europa (London), um die Forschungs- und Entwicklungs-kosten zu verteilen und den Gewinnzuwachs zu steigern. „Luobo Kuai Pao“ ist heute Baidus stolzestes AI-Projekt und könnte eine Schlüsselrolle bei der zukünftigen Entwicklung des Unternehmens spielen – doch es steht noch vor drei großen Herausforderungen: Sicherheit, Compliance und öffentlicher Vertrauensaufbau.
Detaillierte Erläuterung
#### 1. In China: Vom „dummen“ zum „geschickten“ Autopiloten
Die Einwohner von Wuhan nannten den Dienst anfangs „Tiao Luobo“ (in der lokalen Sprache ein Spitzname für Dummheit), weil die Fahrzeuge in den Anfangsphasen oft Probleme hatten – sie konnten nicht einmal vor einem Webstoffbeutel ausweichen und hielten sich streng an die Vorschriften. Nach einer Algorithmen-Verbesserung im Jahr 2025 lernte der Autopilot, sich geschickter zu verhalten, und wurde daraufhin „Guai Luobo“ genannt (was schlau bedeutet).
Wichtiger ist jedoch, dass „Luobo Kuai Pao“ in Wuhan den Gewinn pro Fahrzeug erreicht hat (zweite Quartal 2025): Jedes Fahrzeug erzielt nun eigenständig Einnahmen. Hinter dieser Entwicklung steht ein Anstieg der Bestellzahlen – im Jahr 2023 wurden in Wuhan über 4 Millionen Bestellungen aufgenommen, im ersten Quartal 2026 waren es landesweit 3,2 Millionen (ein Zuwachs von 120%), und insgesamt wurden 220 Millionen Kilometer ohne menschliches Eingreifen zurückgelegt (das entspricht mehr als der Hälfte der Strecke zwischen Erde und Mars).
#### 2. Internationaler Ausbau: Mit Fokus auf Mittelost und Europa
„Luobo Kuai Pao“ expandiert weltweit: In der Mittelost wurde bereits die Genehmigung für den vollständig automatischen Betrieb in Abu Dhabi erhalten, im März 2026 wurde der kommerzielle Betrieb in Dubai gestartet – dort ist es außerdem die einzige Autopilot-Plattform mit eigenem App. Als nächstes Ziel gilt London, wo eine Zusammenarbeit mit Lyft geplant ist (Teste im Jahr 2026).
Warum der internationale Ausbau? Erstens sind die Preise im Ausland günstiger, die Nutzer sind bereit, mehr zu zahlen (z. B. in der Mittelost), was höhere Gewinnmöglichkeiten bietet. Zweitens können die weltweiten Betriebskosten aufgeteilt werden – wenn beispielsweise 10 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert werden, fallen 500 Millionen im Inland und 500 Millionen im Ausland an; dadurch wird das Risiko verringert. Derzeit ist der Dienst in 27 Städten verfügbar und entwickelt sich von einem „Chinesischen Spitzenreiter“ zu einem „globalen Leader“.
#### 3. Technologischer Durchbruch: Verzicht auf Lidar, Fokus auf rein visuelle Technologie
Zuvor nutzte „Luobo Kuai Pao eine Kombination aus verschiedenen Sensoren (darunter vier Lidare); die Hardware kostete insgesamt 204.600 Yuan, wovon allein die Lidare und die Rechenplattform 60 % der Kosten ausmachten. Zudem machten die Löhne für Sicherheitspersonal sowie die Datenverarbeitung weitere erhebliche Ausgaben (45 % bzw. 20 %).
Im Juli 2025 entschied Li Yanhong, auf rein visuelle Technologien umzusteigen – ohne Lidare, sondern ausschließlich Kameras und Algorithmen zu verwenden. Dadurch konnten die Hardwarekosten auf etwa 100.000 Yuan reduziert werden. Obwohl einige Zweifel an der Sicherheit dieser Technologie bestehen, haben sich die Kosten tatsächlich gesenkt, was den Gewinn erzielbaren Betrieb ermöglicht hat. Der Kilometerkostennachweis für autonome Fahrdienste liegt nun nahe oder sogar unter dem von herkömmlichen Fahrdiensten – somit ist der Autopilot endlich aus dem Labor in die kommerzielle Phase übergegangen.
#### 4. Baidus „Rettungsanker“? Noch drei Herausforderungen zu überwinden
Baidu hatte in anderen Bereichen wie lokalen Dienstleistungen oder Live-Commerce keinen Erfolg; auch seine großen AI-Modelle konkurrieren nicht mit denen von ByteDance und Alibaba. „Luobo Kuai Pao“ ist daher zu Baidus wichtigstem Projekt geworden. Im ersten Quartal 2026 machten die Einnahmen aus AI-Diensten mehr als 52 % des Gesamtumsatzes aus, wobei der Wachstum von „Luobo Kuai Pao“ eine entscheidende Rolle spielte.
Um jedoch zu einem echten „Trumpf“ zu werden, müssen noch drei Herausforderungen überwunden werden:
- Sicherheit: Bei großflächigem Betrieb dürfen keine katastrophalen Unfälle passieren (z. B. in Wuhan gab es bereits Probleme mit Fahrzeugausfällen und Zusammenstößen mit Fußgängern).
- Compliance: Die Genehmigungsverfahren sind weltweit streng – beispielsweise wurden die Tests in Peking von der Polizei überwacht.
- Vertrauensaufbau: Die Nutzer müssen davon überzeugt werden, dass der Autopilot sicher und zuverlässig ist (frühere öffentliche Meinungsäußerungen haben das Vertrauen beeinträchtigt).
Wenn diese Herausforderungen gemeistert werden, könnte „Luobo Kuai Pao nicht nur die Geschäftspolitik von Baidu verändern, sondern auch Chinas Einfluss im Bereich der automatischen Fahrzeugtechnologie weltweit stärken.
Li Yanhong und „Luobo Kuai Pao“ haben noch einen langen Weg vor sich.