Zusammenfassung der Kerninhalte
In diesem Interview gibt Regisseur Andrew Lau eine tiefe Einblick in „Cold War 1994“ und die „Cold War-Universum“. Durch die Produktion eines Prequels aus den Jahren 1994–1995 werden die historischen Handlungsstränge, die in „Cold War“ und „Cold War 2“ angelegt wurden, ergänzt und so ein vollständiges Geschichtssystem für den Zeitraum von 1994 bis 2017 geschaffen. Die Geschichte entwickelt sich von internen Konflikten innerhalb der Polizei zu einem Geflecht aus Spionage, Gangstern und Geschäftsfamilien. Dabei werden reale historische Ereignisse Hongkongs (wie die Auflösung des Political Department) sowie kollektive Erinnerungen (wie die Entführung eines Reichen) einbezogen, um den Genre der Polizei- und Gangsterfilme auf innovative Weise zu erweitern. Zudem werden Fragen zur Besetzung der Schauspieler, zu narrativen Techniken sowie zum aktuellen Zustand des Hongkonger Kinos beantwortet, wodurch die kreative Logik der „Cold War-Universum“ und die Zukunftsvorstellungen für das hongkongische Kino deutlich werden.
1. Warum wurde ein Prequel zu den Jahren 1994 gedreht? Wie entstand die „Cold War-Universum“?
Viele Zuschauer fragen sich, warum erst nach so langer Zeit ein Prequel zu „Cold War“ und „Cold War 2“ produziert wurde, obwohl in diesen Filmen Ereignisse aus dem Jahr 1995 vorkommen. Tatsächlich kam der Regisseur auf die Idee, nach der Fertigstellung von „Merry Chan“ vom Produzenten John Woo mit der Frage: „Warum nicht von vorne beginnen?“ Zufälligerweise war die Auflösung des Political Department der Hongkonger Königlichen Polizei im Jahr 1995 ein reales Ereignis. Zusammen mit den Hinweisen in „Cold War“ auf Li Wenbin’s Bemühungen, die Unterwelt zu zerstören, wurde das Zeitfenster auf 1994–1995 festgelegt.
Der Prequel besteht aus zwei Teilen: „Cold War 1994“ erzählt von der Entführung des Reichen und legt den Grundstein für die Handlung, während „Cold War 1995“ die Schicksale der Charaktere weiterentwickelt. Das Drehbuch wurde über mehr als zwei Jahre lang verfeinert – von einem ersten Entwurf bis zur aktuellen Fassung 6.7, wobei es unzählige Änderungen gab. Der Prozess ähnelt dem Schreiben eines Essays: Zuerst wird der Rahmen erstellt und anschließend nach und nach mit Details gefüllt; größere Änderungen führen zu einer neuen Version (z. B. von Version 3 zu Version 4), kleinere Änderungen werden durch eine Zahl hinter dem Punkt gekennzeichnet (z. B. von 6.1 zu 6.7).
Die Konzeption der „Cold War-Universum“ orientiert sich an „Star Wars“: Zuerst wird dem Publikum das Endergebnis präsentiert (der erwachsene Li Wenbin in „Cold War“), danach die Ursachen erklärt (wie er in seiner Jugend zu dem wurde, was er heute ist). Dies zieht sowohl alte als auch neue Zuschauer an – auch ohne die vorherigen beiden Teile kann man den Prequel verstehen; doch wenn alle vier Teile gesehen werden, werden versteckte Hinweise offensichtlich (z. B. in Dialogen), was das Erleben des Films wie das Zusammensetzen eines Puzzles macht.
2. Welche Besonderheiten gab es bei der Auswahl der Schauspieler? Warum wurden genau Liu Junquan für den jungen Li Wenbin und Wang Dan妮 für die weibliche Gangsterbossin ausgewählt?
1. Liu Junquan als junger Li Wenbin: Die Darstellung von Li Wenbin durch Tony Leung ist zu klassisch, um sie zu wiederholen; daher musste ein neuer Schauspieler gefunden werden. Das Regieteam suchte lange und entschied sich schließlich für Liu Junquan, einen der wenigen talentierten Schauspieler Hongkongs in den letzten Jahren. Ob es unpassend ist, dass er mit 37 Jahren einen jungen Charakter spielt? Der Regisseur sagt: „Die Definition von Jugend hat heutzutage mehr Flexibilität – außerdem kann seine schauspielerische Leistung das ausgleichen.“ Im Vergleich zu früheren Hongkonger Schauspielern (z. B. Andy Lau, der mit 20 Jahren Yang Guo spielte) ist der Markt heute kleiner, Schauspieler haben nur noch die Möglichkeit, an einem Film pro Jahr mitzuwirken – daher sollte man diese Gelegenheit schätzen.
2. Wang Dan妮 als weibliche Gangsterbossin: Der Regisseur wollte bereits bei „Merry Chan“ wieder mit Wang Dan妮 zusammenarbeiten. Da die neue Gangstergruppe eine Gegnerin von Li Wenbin ist, wäre es interessant, wenn diese Rolle von einer Frau übernommen wird. Wang Dan妮 hat eine große Statur und einen markanten Ausdruck; ihre Darstellung der „Ms. Ruan“ mit ihrem Glauben an Mazu passt perfekt zum Charakter – ihr Konflikt mit Li Wenbin ist besonders spannend.
3. Vorbilder für die Charaktere: Die Schauspieler wurden nach realen Vorbildern gesucht; beispielsweise basiert die Figur von Pan Junheng auf einem echten Menschen, der von Eric Shih gespielt wird (einer alten reichen Familie). Die Darstellung dieser Figur wurde so gestaltet, dass sie autoritär und eindrucksvoll wirkt. Auch die Ausstattung der Polizisten aus der O-Abteilung (Zigarette in der Hand, Verehrung von Guan Yu) spiegelt den realen Zustand der Polizei in den 1990er Jahren wider – damals war Korruption weit verbreitet, im Gegensatz zu heute.
3. Welche neuen narrativen Techniken wurden verwendet? Wie werden reale Ereignisse so eingefügt, dass sie nicht durchschaubar werden?
1. Verkreuzte Zeitlinien: „Cold War 1994“ verfolgt zwei Handlungsstränge: Das Jahr 2017 (die Nachwahl des Chief Executive nach „Cold War 2“, in der Eric Tsang Ye Shuntin Schwierigkeiten hat und Li Wenbins Vergangenheit untersucht) und das Jahr 1994 (der Haupthandlung). Dadurch wird die Verbindung zu den vorherigen Filmen hergestellt und dem Publikum erklärt, warum die Ereignisse aus dem Jahr 1994 wichtig sind.
2 Kombination von Fiktion und Realität:
- Reale Ereignisse als Material: Die Auflösung des Political Department im Jahr 1995 wurde verwendet; da es kaum Informationen darüber gab, ließ sich die Handlung an der Arbeitsweise des britischen MI5 orientieren. Die Entführung eines Reichen in den 1990er Jahren wurde durch Berichte in Klatschmagazinen inspiriert – allerdings bestritten sowohl die Polizei als auch der Reiche die Ereignisse, was Raum für kreative Freiheiten ließ.
- Verschwommene Zeitlinien: In „Cold War“ und „Cold War 2“ wurden keine genauen Jahresangaben gemacht, um ein Veraltungsgefühl zu vermeiden; in „Cold War 1994“ wird jedoch explizit das Jahr 2017 genannt, da dies für die Handlung notwendig ist.
Betonung der Fiktion: Der Regisseur betont, dass es sich um keine reale Geschichte handelt – es ist wie „House of Cards“: Das Publikum sieht eine Geschichte und muss nicht prüfen, ob sie wirklich stattgefunden hat.
4. Wie kann das Genre der Hongkonger Polizei- und Gangsterfilme weiter innoviert werden? Welche Zukunft besteht für diese Filme?
1. Erweiterung des Genres: Von internen Konflikten in „Cold War“ über Spionage (Hongkong war schließlich ein britischer Stützpunkt im Fernen Osten) bis hin zur Verwandlung von Gangstern in Geschäftsfamilien (ein reales Phänomen der 1990er Jahre) sowie der Einbeziehung britischer Akteure (die hinter der Polizei stehen), wird die Geschichte komplexer und tiefer. Beispielsweise basiert die neue Gangstergruppe „Old Ball“ auf den Piraten der Zeit der Öffnung Hongkongs und der vietnamesischen阮-Dynastie; die Verehrung von Mazu ist eine besonders charakteristische Elemente dieser Geschichte.
2 Haltung gegenüber Herausforderungen: Manche behaupten, das hongkongische Kino sei im Niedergang – doch der Regisseur ist der Meinung, dass jeder Markt Höhen und Tiefen hat. Heute gibt es in Hongkong nur noch etwa ein Dutzend Filme pro Jahr; die Nachwuchssituation für Schauspieler ist schwierig. Dennoch sind Polizei- und Gangsterfilme ein charakteristisches Merkmal des hongkongischen Kinos, das auch im südostasiatischen Markt sehr beliebt ist („Cold War 1994“ hatte gute Einspielergebnisse). Seine Strategie: „Echte Filme machen“ – ohne den Drang, Klassiker zu schaffen oder die höchsten Einspielergebnisse zu erzielen, sondern einfach das Beste aus dem aktuellen Stand herauszuholen und der Zeit ihren Lauf zu lassen.
3 Highlights von „Cold War 1995: Der Fokus liegt auf den Schicksalen der drei Hauptcharaktere Li Wenbin, Pan Chi-ong und Choi Yuen-chi: Was werden sie in dieser turbulenten Zeit wählen – was werden sie opfern? Dadurch wird das Verständnis für die Entwicklung der Charaktere und den Einfluss der Zeit vertieft.
5. Warum ist der Regisseur sowohl Drehbuchautor als auch Regisseur?
Andrew Lau begann seine Karriere als Kostümbildner; später musste er selbst das Drehbuch schreiben, da es keine geeigneten Autoren gab. Diese Erfahrung hat ihm geholfen, die Geschichte und die Charaktere besser zu verstehen und sie effektiv auf die Leinwand zu bringen.
Insgesamt zeigt „Cold War 1994“, wie das Genre der Hongkonger Polizei- und Gangsterfilme weiterentwickelt werden kann – mit einer Mischung aus Fiktion und Realität, einem spannenden Handlungsverlauf sowie einer tiefgründigen Darstellung der Charaktere.