Zusammenfassung der Kerninhalte
Vor einigen Jahren schafften amerikanische Hochschulen die standardisierten Prüfungen wie SAT/ACT ab, um „Gleichheit im Bildungswesen“ zu erreichen – sie betrachteten diese Prüfungen als Instrumente zur Klassenscheidung. Nach der Pandemie ist eine Ära eingetreten, in der die Teilnahme an diesen Prüfungen freiwillig ist. Doch nun fordern mehr als 1100 Naturwissenschafts- und Ingenieurprofessoren der Kalifornischen Universitäten deren Wiederinführung: Aufgrund der Abschaffung der Prüfungen hat sich das Grundniveau der Studierenden erheblich verschlechtert (beispielsweise weisen ein Drittel der neuen Studenten in Berkeley Mängel im Calculus auf, und bei der UCSD stieg der Anteil der Studierenden, die Grundlagen des Mittelschulmathematikunterrichts nachholen müssen, von 0,5% auf 8,5%). Dies wirkt sich direkt auf die Ausbildung von Fachkräften in den Bereichen STEM (Wissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen, Mathematik) aus. Hinter dieser Entwicklung steckt nicht nur ein Bildungsproblem, sondern auch eine tiefe Angst der USA vor einem Mangel an hochqualifizierten Fachkräften im Wettbewerb um Technologien wie KI und Chips: Ohne Prüfungen hängt die Gesamtbewertung der Studierenden stärker von ihren Ressourcen ab (Reiche können sich beispielsweise durch Sommerkurse oder die Verbesserung ihrer Bewerbungsunterlagen Vorteile verschaffen). Das chinesische Modell der standardisierten Ausbildung von STEM-Fachkräften hat die USA dazu gebracht, den Wert einer einheitlichen, quantitativen Auswahl erneut zu überdenken.
Detaillierte Analyse
#### 1. Ursprüngliche Absicht bei der Abschaffung der Prüfungen: Gleichheit – doch es wurde ein Fehler gemacht
Die USA schafften den SAT ab, weil sie glaubten, dass er Reiche bevorzugte: Reiche Familien konnten Tausende von Dollar ausgeben, um Kurse zu besuchen und Berater zu engagieren, um ihre Prüfungsergebnisse zu verbessern, während arme Familien über keine entsprechenden Ressourcen verfügten. Zusätzlich zu den Bemühungen um Rassengleichheit im Jahr 2020 und der Pandemie entschieden viele Hochschulen, die Teilnahme an Prüfungen freiwillig zu gestalten oder sie ganz abzuschaffen und stattdessen eine „Gesamtbewertung“ der Studierenden einzuführen (Kriterien wie Führungsfähigkeit, ehrenamtliches Engagement, umfangreiche außerschulische Aktivitäten sowie beeindruckende Bewerbungsunterlagen). Damals dachte man, dies sei fortschrittlich – schließlich sollte ein Mensch nicht allein anhand seiner Prüfungsergebnisse beurteilt werden.
Doch ohne einheitliche Standards begannen die Noten in den High Schools zu übertrieben zu werden: Die Qualität des Unterrichts variierte stark zwischen den Schulen; einige schickten ihre Schüler mit AP-Mathematikniveau an die Universität, andere vergaben einfach hohe Noten. Das Ergebnis war, dass viele Studierende zwar hohe GPA-Werte hatten, aber nicht einmal grundlegende mathematische Fähigkeiten besaßen.
#### 2. Naturwissenschafts- und Ingenieurstudenten fordern die Wiederinführung der Prüfungen: Der Unterricht ist zum Nachholen von Grundlagen geworden
Die STEM-Fächer sind am stärksten von der Abschaffung der Prüfungen betroffen – Literaturkurse können man langsam nachholen, Soziologie lässt sich durch Diskussionen vertiefen, aber die Formeln des Calculus und der linearen Algebra ändern sich nicht. Die Professoren der Kalifornischen Universitäten berichten, dass der Unterrichtstempo nun verlangsamt werden muss und viel Zeit darauf verwendet wird, Grundlagenkenntnisse nachzuholen. Zudem ist die Ausbildungskette der Fachkräfte gestört: Studierende müssen zunächst grundlegende Fähigkeiten erlernen, was zu einer Verringerung der Intensität des Lehrstoffs führt; viele STEM-Studenten wechseln ihre Fachrichtungen oder verzögern ihren Abschluss. Die Kalifornischen Universitäten sind wichtige Quellen für Talente im Silicon Valley – ohne eine solide Ausbildung könnte die amerikanische Technologieindustrie in Schwierigkeiten geraten.
#### 3. Ironischer Aspekt: Von der Abschaffung der Prüfungen profitieren wiederum Reiche
Die ursprüngliche Absicht, durch eine „Gesamtbewertung“ Gleichheit zu erreichen, führte zu mehr Ungleichheit: Reiche können sich beispielsweise Sommerkurse leisten, an internationalen Wettbewerben teilnehmen, professionelle Unterlagen für ihre Bewerbungen in Auftrag geben oder sogar ehrenamtliche Aktivitäten kaufen. Arme Familien haben dagegen keine Möglichkeiten, um sich im Wettbewerb zu behaupten. Der SAT mag nicht perfekt gewesen sein, aber er bot zumindest eine kostengünstige, landesweite Möglichkeit, ihre Fähigkeiten nachzuweisen. Ohne ihn fällt es armen Studierenden noch schwerer, aufzufallen.
#### 4. Tiefgreifende Sorgen: Im Wettbewerb um Technologien fürchtet die USA einen Mangel an STEM-Fachkräften
Hinter dieser Entwicklung steckt die Angst der USA vor einem Mangel an hochqualifizierten Fachkräften in Bereichen wie KI, Chips und Halbleitern. In diesen Branchen geht es um die Anzahl der hochqualifizierten Ingenieure: Hersteller wie TSMC berichten von einem Mangel an einheimischen Ingenieuren in den USA; die amerikanische Halbleiterindustrie prognostiziert bis 2030 einen Mangel von 60.000 Fachkräften. Während China jährlich Millionen von STEM-Absolventen hervorbringt, sind es in den USA nur einige Hunderttausend. Obwohl das chinesische Bildungssystem oft als prüfungsorientiert kritisiert wird, ermöglicht es eine standardisierte Ausbildung, zahlreiche Ingenieure mit soliden Grundkenntnissen zu produzieren. Die USA stellen fest, dass sie durch die Abschaffung der standardisierten Prüfungen ihre Vorteile in der Technologieentwicklung gefährden.
#### 5. Zeichen einer Wende: Der Wert einheitlicher Prüfungen wird wieder anerkannt
Schon innerhalb der Kalifornischen Universitäten wurde festgestellt, dass der SAT die Leistung der Studierenden besser vorhersagt als ihr GPA. Doch unter politischem Druck wurden diese Prüfungen abgeschafft. Nun fordern die Professoren ihre Wiederinführung – auch renommierte Hochschulen wie MIT und Yale haben die Prüfungen wieder eingeführt. Dies zeigt, dass die USA überdenken, ob einheitliche, quantitative Auswahlkriterien für die Ausbildung von Ingenieuren notwendig sind. Die jahrelange Abkehr von standardisierten Prüfungen hat dazu geführt, dass das Grundniveau der Studierenden nicht mehr gesichert werden kann. Dies ist keine Rückkehr zur Vergangenheit, sondern eine Notwendigkeit im Wettbewerb um Technologien – die Ausbildung muss auf tatsächliche Ergebnisse ausgerichtet sein.
Fazit
Es handelt sich dabei nicht nur um eine Veränderung in den Hochschulzulassungsrichtlinien der USA, sondern auch um eine Neubewertung der Frage, wie nützliche Fachkräfte ausgebildet werden sollen. Gleichheit ist wichtig – doch grundlegende Fähigkeiten und die Bereitstellung von Fachkräften sind die Grundlagen für eine starke Technologieindustrie. Die USA kehren daher langsam zu standardisierten Auswahlverfahren zurück, da sie befürchten, im Wettbewerb um Talente den Anschluss zu verlieren.