Zusammenfassung der Kerninhalte:
In den letzten Tagen hat es in den USA erneut einen „Kupferraub“ gegeben. Aufgrund von Veränderungen in der US-Zollpolitik liegt der Kupferpreis an der New Yorker Börse (COMEX) 400–500 Dollar pro Tonnen über dem Preis an der Londoner Börse (LME). Händler nutzen diese Arbitrage-Möglichkeit, indem sie Kupfer von der LME abholen und in den USA verkaufen, was zu einem Tagesabnahmeverbrauch bei der LME führte, der seit 2013 einen Rekord erreicht hat (über 50.000 Tonnen). Die LME setzt das „Near-Month-Lending-Regelwerk“ ein, um das Risiko von Preisdrucksituationen zu verhindern. Experten glauben nicht, dass sich eine ähnliche Situation wie im Jahr 2021 wiederholen wird, aber sie erwarten, dass der Kupferpreis insgesamt steigen wird. Die Zölle haben nur einen begrenzten Einfluss auf den Kupferhandel zwischen China und den USA und stellen keine „strategische Auseinandersetzung“ dar. Langfristig ist mit einem Anstieg des Kupferpreises zu rechnen, aufgrund von Engpässen bei der Versorgung (Störungen in den Minen) und starkem Bedarf (neue Energien, Rechenleistung durch KI).
Detaillierte Analyse:
#### 1. Warum ist der Kupferpreis in den USA teurer als in London? – Zollvorhersagen schaffen Arbitrage-Möglichkeiten
Einfach ausgedrückt: Die US-Zollpolitik führt zu einem höheren Preis für Kupfer im Inland. Seit letztem Jahr haben die USA Zölle in Höhe von 50 % oder 25 % auf Kupferprodukte erhöht, was die Importkosten steigen lässt und den Kupferpreis im US-Markt deutlich über dem internationalen Preisniveau ansteigen lässt. Händler nutzen diese Preisdifferenz, um Kupfer von der LME abzuholen und in den USA zu verkaufen – das ist die direkte Ursache für die massiven Abnahmen bei der LME.
#### 2. Wie verhindert die LME „Preisdrucksituationen“? – Mit Regeln gegen die Manipulation durch Großplayer
„Preisdrucksituationen“ sind ein altes Problem auf dem Futures-Markt: Wenn jemand viele Kupferkontrakte für den nächsten Monat hält und gleichzeitig einen großen Teil der Lagerbestände kontrolliert, können die Verkäufer (Shortseller) das Kupfer nicht liefern und müssen zu hohen Preisen ihre Positionen schließen, was zu einem starken Anstieg des Kupferpreises führen kann. Die LME setzt daher das „Near-Month-Lending-Regelwerk“ ein, um dies zu verhindern: Großabnehmer von Kontrakten müssen ihr Kupfer an den Markt weiterverkaufen, um die Liquidität zu erhöhen. Dies soll extreme Marktsituationen vermeiden.
#### 3. Wird sich der Kupferpreis wie im Jahr 2021 stark steigern? – Wahrscheinlichkeit gering, aber der Preis wird höher
Im Jahr 2021 stieg der Kupferpreis um mehr als 40 % aufgrund eines Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage sowie niedriger Lagerbestände bei der LME. Die aktuellen Bedingungen sind anders:
- Der Kupferpreis ist bereits im letzten Jahr gestiegen; es gibt keine neuen, starken Auslöser für einen weiteren Anstieg.
- Die aktuelle Preisdifferenz (ca. 400 Dollar) ist deutlich geringer als im Vorjahr (ca. 2.000–3.000 Dollar).
- Die US-Lagerbestände liegen auf einem Rekordniveau (640.000 Tonnen); es mangelt nicht so sehr an Kupfer wie 2021.
Experten erwarten jedoch, dass die Arbitrage-Tätigkeiten den Durchschnittskupferpreis langfristig erhöhen werden.
#### 4. Welchen Einfluss haben die Zölle auf den Kupferhandel zwischen China und den USA? – China ist nur begrenzt betroffen; es handelt sich nicht um eine „strategische Aktion“
– USA: Die Kupferansammlungen durch Händler dienen dem Profitstreben, nicht einer strategischen Absicht. Die USA haben bereits große Lagerbestände und werden diese kurzfristig nicht vollständig verbrauchen können.
– China: Chinesisches Kupfer entspricht nicht den Anforderungen der COMEX; die USA kaufen hauptsächlich Kupfer aus Südamerika – der Importchinese ist daher kaum betroffen. Chinas Schwerpunkt liegt auf der eigenen Kupferproduktion, um die Selbstversorgung zu steigern.
#### 5. Wie wird sich der Kupferpreis in Zukunft entwickeln? – Langfristig steigend aufgrund von Engpässen bei der Versorgung und starkem Bedarf
– Versorgungsseite: Es gibt Probleme in den Minen (Störungen in großen Minen in Indonesien und der Demokratischen Republik Kongo; die Produktion wird erst 2028 wieder auf vollem Niveau sein). Die Verarbeitungskosten (TC) sind auf einem Rekordtief (–105 Dollar pro Tonne), was auf eine Knappheit an Rohstoffen hindeutet.
– Nachfragesseite: Neue Energien (Elektroautos, Photovoltaik), Rechenleistung durch KI sowie Investitionen in das Stromnetz benötigen viel Kupfer.
– Makroebene: Erwartungen einer Zinssenkung durch die Fed (mehr Geld führt zu steigenden Vermögenspreisen) und Verbesserungen in den Beziehungen zwischen den USA und dem Iran (verminderte geopolitische Risiken).
Investbanken sind optimistisch: Citibank prognostiziert einen Kupferpreis von 15.000 Dollar pro Tonne innerhalb der nächsten 12 Monate; Goldman Sachs erhöht die Durchschnittsprognose für 2027 auf 13.800 Dollar pro Tonne. Kurzfristig könnte der Kupferpreis in China zwischen 103.000 und 107.500 Yuan pro Tonne stagnieren, langfristig wird er jedoch steigen.
Zusammenfassung:
Die US-Zölle haben zu Arbitrageaktivitäten geführt; kurzfristig wird es keinen starken Anstieg des Kupferpreises geben, aber aufgrund von Versorgungsengpässen und starkem Bedarf ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Der „Kupferraub“ zwischen China und den USA dient eher geschäftlichen Interessen als strategischen Zielen. Für Laien bedeutet dies: Der Kupferpreis könnte weiter steigen – Investitionen in kupferbezogene Vermögenswerte (z. B. Kupfer-ETFs) könnten vorteilhaft sein, allerdings sollten kurzfristige Schwankungen berücksichtigt werden.