Zusammenfassung der Kerninhalte
In nur 5 Monaten stieg der Marktwert von Zhipu AI von 51,1 Milliarden auf über 700 Milliarden Yuan (ein Anstieg um mehr als das 13-fache), was auf eine richtige Wette auf den vielversprechenden Bereich der Programmierung zurückzuführen ist. Hinter diesem Erfolg verbergen sich jedoch drei große Bedenken: Die Engpässe bei der Rechenleistung führen zu einem umgekehrten Kostenverhältnis, ein profitables Geschäft ist noch in weiter Ferne, und die Freigabe der Anteile der größten Aktionäre im Juli könnte zu Schwankungen des Aktienkurses führen. Zudem sollten langfristige Risiken wie schwache technologische Barrieren und zunehmende Konkurrenz nicht ignoriert werden. Der aktuelle hohe Marktwert wird eher durch das „Glauben an AI“ getragen als durch tatsächliche finanzielle Leistung.
I. Das Geheimnis des explosionsartigen Marktwertanstiegs: Die richtige Wette auf den vielversprechenden Bereich der Programmierung
Zhipu AI begann mit einem B2B-Ansatz für Regierungen und Unternehmen und verdiente Geld durch die Kombination von inländischer Rechenleistung mit Software- und Hardware-Lösungen. Allerdings waren die Gewinne gering und die Konkurrenz stark (Konkurrenten wie iFlytek und SenseTime). Der Wendepunkt kam im Bereich der Programmierung – Programmierer waren bereit, für nützliche AI-Programmierwerkzeuge zu zahlen; beispielsweise nutzen 37,9 % der Nutzer von Claude dieses Tool zum Codieren. Zhipu AI nutzte dies aus, um seine GLM-Modelle schnell zu iterieren (von Version 4.5 auf 5.1) und näherte sich damit den weltweit führenden Standards in den Bereichen Codeerstellung und langfristiger Kontextschlussfolgerung. Zudem wagte das Unternehmen, die Preise zu erhöhen – was dem Bild chinesischer Unternehmen vom „Preiskampf“ widerspricht – mit dem Ergebnis, dass die Anzahl der API-Aufrufe um 400 % stieg. Dadurch wurde es zur „chinesischen Version von Anthropic“ (welches in den USA mit Claude Code erfolgreich war), und Kapital war bereit, für diese Entwicklung zu zahlen, was zum explosionsartigen Anstieg des Marktwerts führte.
II. Zu wenig Rechenleistung führt zu Verlusten: Die begrenzte Versorgung ist ein notgedrungenes Mittel zur Eindämmung der Verluste
Das größte Problem von Zhipu AI ist der Mangel an Rechenleistung, der zu erheblichen Kosten führt. Zum Beispiel kostet das Max-Paket monatlich 469 Yuan, während die tatsächliche Rechenleistungskosten für die Nutzer zwischen 7000 und 14000 Yuan liegen (was bedeutet, dass das Unternehmen für jeden eingenommenen Yuan 15–30 Yuan verliert). Um weitere Verluste zu vermeiden, setzt das Unternehmen auf „Hungermarketing“: Neue Nutzer in China können täglich um 10 Uhr eine Teilnahmeberechtigung ergattern, während in den Stoßzeiten (14–18 Uhr) der Verbrauch von GLM 5.1 sogar dreimal so hoch ist wie sonst. Der CEO erklärt: „Obwohl die API-Preise um 83 % gestiegen sind und die Anzahl der Aufrufe um 400 % zugenommen hat, reicht die Versorgung immer noch nicht aus.“ Hinter diesem Problem steht ein Mangel an Rechenleistung – neue Rechenkapazitäten sind rar, weshalb das Unternehmen auf Modelldimensionierung (Verringerung der Größe großer Modelle) und dynamische Steuerung (Verwendung kleinerer Modelle in Stoßzeiten) angewiesen ist.
III. Ein profitables Geschäft ist noch in weiter Ferne: Hohe Unsicherheiten bei den regelmäßigen Einnahmen sowie schwache technologische Barrieren
Die Gewinnperspektiven von Zhipu AI sind unklar: Für das Jahr 2025 sind Investitionen in Forschung und Entwicklung in Höhe von 3,18 Milliarden Yuan geplant, was 4,4 Mal den Umsatz (724 Millionen Yuan) ausmacht. Die Aktionärsvermögen sind von –395,5 Millionen auf –811,1 Millionen Yuan gesunken (es wird immer schlechter). Institutionen prognostizieren, dass erst 2029 ein Gewinn erzielt werden kann. Zudem sind die Umsatzzahlen umstritten: Das Unternehmen zählt monatliche Zahlungsverträge mit großen Unternehmen zu den regelmäßigen Einnahmen (ARR), aber diese Verträge könnten aufgrund strategischer Anpassungen der Unternehmen beendet werden – selbst bei Zahlung von Strafen. Zudem gibt es keine starken technologischen Barrieren im Bereich der Programmierung; viele inländische Unternehmen können gute Programmiermodelle entwickeln, und Zhipu AI verfügt über keinen exklusiven Vorteil. Außerdem hat das Unternehmen nicht wie Anthropic die Möglichkeit, seine Modelle auf andere Geschäftsbereiche zu erweitern; es verkauft lediglich Modelle, was die Verwertungsmöglichkeiten einschränkt.
IV. Die Freigabe der Anteile im Juli: Eine „Zeitbombe“, die über dem Kopf schwebt
Zhipu AI ging im Januar 2026 an die Börse und unterliegt den Regeln des Hongkonger Aktienmarktes, wonach die Lock-up-Periode für die größten Aktionäre und Gründerinvestoren sechs Monate beträgt. Diese Anteile werden im Juli dieses Jahres freigegeben. Die Gewinne dieser Aktionäre haben sich um mehr als das Zehnfache erhöht, was einen starken Anreiz zum Verkauf darstellt. Noch schlimmer ist, dass der Höhepunkt der Freigabe auf dem Hongkonger Aktienmarkt im zweiten Halbjahr liegt (Juni–August; die Freigabe von Gründerinvestoren könnte mehr als 100 Milliarden Hongkong-Dollar betragen), was zu einem zusätzlichen Druck auf den Aktienkurs führen könnte. Obwohl Unternehmen mit guten Grundlagen nach der Freigabe ihren Kurs stabilisieren können, ist es fraglich, ob der hohe Marktwert von Zhipu AI aufrechterhalten werden kann – eine optimistische Prognose sieht einen Gewinn von 3,5 Milliarden Yuan für das Jahr 2029 vor; bei einem Kursverhältnis (PE) von 60 wäre der Marktwert nur 210 Milliarden Yuan, was 40 % unter dem aktuellen Wert liegt.
V. Langfristige Risiken: Jederzeit durch Konkurrenten übertroffen werden
Die Position von Zhipu AI als „Nummer eins im chinesischen Programmierbereich“ ist nicht sicher: Konkurrenten wie DeepSeek und Tongyi Qianwen könnten jederzeit bessere Modelle entwickeln. Auch Kimi könnte mit neuen Modellen, die auf Agent-Anwendungen ausgerichtet sind, die Aufmerksamkeit im Bereich der Programmierung auf sich ziehen – insbesondere da Kimi in C-Segment-Agenten-Szenarien (z. B. intelligenten Assistenten) umfassender ist als Zhipu AI, das nur Programmierpakete verkauft. Zudem könnten Kimi und Jieyue Xingchen im zweiten Halbjahr an die Börse gehen, was die „Seltene“ Position von Zhipu AI schwächen könnte. In den nächsten drei Jahren wird sich die Geschwindigkeit der Modellentwicklung extrem beschleunigen; heutige Vorteile könnten morgen bereits verloren gehen.
Fazit
Der explosionsartige Anstieg des Marktwerts von Zhipu AI ist das Ergebnis einer richtigen Wette auf den vielversprechenden Bereich der Programmierung sowie des „AI-Booms“. Hinter dem hohen Marktwert stecken jedoch vier große Risiken: Engpässe bei der Rechenleistung, mangelnde Profitabilität, die Freigabe von Anteilen und zunehmende Konkurrenz. Der aktuelle Marktwert wird eher durch das Vertrauen des Kapitals in die Zukunft von AI getragen als durch tatsächliche finanzielle Leistungen. Normalen Investoren sollte bewusst sein: Falls diese Probleme nicht gelöst werden, könnte der Aktienkurs nach der Freigabe stark fallen. Ob Zhipu AI langfristig seinen Wert erfüllen kann, hängt davon ab, ob es die Rechenleistungsknappheit überwinden und ein stabiles Geschäftsmodell finden kann.