Zusammenfassung der Kerninhalte
Die Finanzberichte von Broadcom für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2026 entsprechen insgesamt den Markterwartungen, jedoch liegen die Aussichten für den besonders beachteten AI-Bereich unter den Erwartungen der Analysten (Einnahmen aus dem AI-Geschäft im nächsten Quartal: 16 Milliarden gegenüber Markterwartungen von 17 Milliarden; Einnahmen im nächsten Geschäftsjahr: über 10 Milliarden gegenüber Markterwartungen von über 13 Milliarden). Dennoch stellt das Netzwerkgeschäft von Broadcom – welches das Monopoltechnologie von NVIDIA herausfordert – einen versteckten Kernvorteil dar. Zudem wurde der durch die Übernahme von VMware entstandene Schuldendruck vollständig abgebaut, und die finanzielle Situation ist gesund. Die kurzfristige Marktenthusiasmus könnte durch diese Aussichten beeinflusst werden, doch langfristig könnten die Weiterentwicklungen der AI-Chips (z. B. TPUv8) sowie der Wert des Netzwerkgeschäfts das Wachstum unterstützen.
I. AI-Geschäft: Steigendes Wachstum – aber enttäuschende Aussichten
Die AI-Einnahmen von Broadcom in diesem Quartal beliefen sich auf 10,8 Milliarden (Vorjahresquartal: 8,6 Milliarden), was den Erwartungen entspricht und hauptsächlich durch die Auslieferung von Google-TPU-Chips getragen wurde. Die Aussichten für das nächste Quartal mit 16 Milliarden (Vorjahresquartal: 10,8 Milliarden) erfüllen jedoch nicht die Markterwartungen; auch das Jahresziel von 5,6 Milliarden sowie das Ziel für das nächste Geschäftsjahr von über 10 Milliarden gelten als „konservativ“ (Analystenprognose: über 13 Milliarden).
Warum sind die Aussichten enttäuschend?
- Der Kooperationsmodus mit dem neuen Kunden Anthropic hat sich geändert: Anstelle der Kauf von kompletten Rechenanlagen wird nun nur noch das Chip gekauft; der Umsatz aus Chips macht dabei nur 20–30 % des Gesamtwerts aus (der Gewinn ist höher, jedoch die kurzfristigen Einnahmen geringer).
- Der Großkunde Google diversifiziert seine Lieferanten (möglicherweise wird auch von anderen Herstellern Chips beschafft), was die Wachstumsaussichten für das AI-Geschäft von Broadcom unsicher macht.
- Der CEO von Broadcom, Hock Tan, verlas bei der Telefonkonferenz zu den Finanzberichten versehentlich das falsche Jahr – dies könnte auf eine mangelnde Effizienz in der Unternehmensführung hindeuten.
Es gibt jedoch auch Lichtblicke:
Die nächste Generation von TPUv8-Chips (in zwei Varianten für Training und Inferenz) wird die FP4-Technologie unterstützen und die Rechenleistung wird der neuesten Blackwell-Serie von NVIDIA entsprechen. Sollte Google seine TPU-Chips künftig extern verkaufen, könnte der Marktanteil von Broadcom im AI-Bereich weiter steigen.
II. Netzwerkgeschäft: Der „unsichtbare Schutzwall“ hinter dem AI-Geschäft
Viele konzentrieren sich auf die AI-Chips von Broadcom, doch sein Kerngeschäft – die Netzwerkkonnektivität – ist der eigentliche „As“ und dient dazu, NVIDIAS Monopol im Bereich hochwertiger Netzwerktechnologien zu durchbrechen.
NVIDIA beherrscht dank seiner InfiniBand-Technologie den Markt für hochleistungsfähige AI-Cluster (niedrige Verzögerungen, stabile Datenübertragung – jedoch nur mit NVIDIAS Geräten möglich). Broadcom hingegen führt die „Super Ethernet Consortium“ (UEC) an und nutzt offene, standardisierte Ethernet-Technologien, um dies zu herausfordern:
- Tomahawk 6-Switch-Chips: Erste Chips der Welt mit einer Bandbreite von über 100 Tbps pro Chip; sie reduzieren die Anzahl der Netzwerksschichten in Rechenzentren auf zwei und verringern dadurch Verzögerungen sowie Ausfallraten erheblich.
- Jericho-Serie-Router: Realisieren eine verlustfreie Datenübertragung auf Ethernet-Basis – ähnlich wie mit InfiniBand, jedoch flexibler und kostengünstiger.
Da AI nun in die Phase der Inferenz eintreten wird, gewinnt die Netzwerkkonnektivität an Bedeutung (ähnlich wie bei der Logistik: Es braucht nicht nur Transportmittel, sondern auch gute Verkehrswege). Der Wert des Netzwerkgeschäfts von Broadcom wurde bisher noch nicht vollständig erkannt; langfristig könnte dies jedoch zu einer Steigerung seines Bewertungswerts führen.
III. Finanzielle Situation: Gesund genug für weitere Übernahmen
Die Einnahmen von Broadcom in diesem Quartal beliefen sich auf 22,2 Milliarden (Vorjahresquartal: 15,3 Milliarden), die Bruttogewinnmarge lag bei 76 % (ohne Berücksichtigung der Abschreibungen für Übernahmen). Die Betriebskosten wurden gut kontrolliert (Kernkostenniveau: 18,3 %). Das wichtigste Kriterium sind die finanziellen Indikatoren: Die Gesamtverschuldung gemessen am adjustierten EBITDA sank auf 1,8 – das Niveau vor der Übernahme von VMware. Dies zeigt, dass der durch die Übernahme entstandene Schuldendruck vollständig abgebaut wurde; Broadcom könnte in Zukunft weitere Übernahmen in Betracht ziehen.
Was den Gewinn betrifft, so lag der Kernbetriebsgewinn bei 12,8 Milliarden (Vorjahresquartal: 10,6 Milliarden), was hauptsächlich durch das AI-Geschäft getragen wurde. Die finanzielle Situation ist insgesamt sehr stabil.
IV. Integration von VMware: Abgeschlossen – nun der Fokus auf Wachstum durch Abonnements
Zuvor stützte sich das Softwaregeschäft von Broadcom auf die Übernahme von VMware und die Anpassung des Preismodells (von festen Lizenzen zu Abonnements). Die Integration ist nun abgeschlossen, und die Schulden wurden beglichen. Die Aussichten für das Softwaregeschäft im nächsten Quartal sind gut (8,9 Milliarden); langfristig hängt der Erfolg vom Wachstum der VMware-Abonnentenzahlen ab – ähnlich wie bei Videoportalen, die von der Verkauf von DVDs zu Abonnementmodellen wechseln und dadurch stabile Einnahmen erzielen.
V. Zukünftige Chancen und Risiken
Chancen:
- Die Massenproduktion von TPUv8 wird die Wettbewerbsfähigkeit der AI-Chips steigern.
- Anthropic wird ab dem zweiten Halbjahr zu Einnahmen beitragen; die Rechenleistungsanforderungen der sechs größten Kunden belaufen sich auf insgesamt 10 GW – was einem Umsatz von über 10 Milliarden entspricht.
- Der Wert des Netzwerkgeschäfts wird im Bereich der AI-Inferenz zunehmend anerkannt, was zu einer Steigerung des Bewertungswerts führen könnte.
Risiken:
- Enttäuschende AI-Aussichten könnten kurzfristig den Marktenthusiasmus schädigen.
- Großkunden wie Google diversifizieren ihre Lieferanten und könnten ihre Abhängigkeit von Broadcom verringern.
- Periodische Schwankungen in der Halbleiterindustrie sowie ein langsames Wachstum der nicht-AI-bezogenen Geschäfte könnten negative Auswirkungen haben.
Insgesamt ist Broadcom trotz enttäuschender AI-Aussichten aufgrund seiner soliden Grundlagen (Netzwerktechnologie, gesunde Finanzen) weiterhin interessant für Investoren. Kurzfristig könnte es zu Schwankungen beim Aktienkurs kommen; sollte der Wert des Netzwerkgeschäfts jedoch anerkannt werden oder die Weiterentwicklung der AI-Chips besser als erwartet verlaufen, besteht Potenzial für weitere Gewinnsteigerungen.