Zusammenfassung der Kerninhalte
Das MBA-Studium, das einst von Berufspersonen als „toppe Visitenkarte“ und „Pflichtkurs für CEOs“ angesehen wurde, entwickelt sich heute von einem begehrten Studiengang zu einem Angebot, bei dem Schulen Rabatte geben, um ihre Plätze zu füllen: Die Studiengebühren sind um mehrere hunderttausend Euro gesunken, die Notenpunkte erreichen historische Tiefstände, und sogar Stipendien werden angeboten. Hinter dieser Entwicklung steht der Verlust des Wertes des MBA-Abschlusses: Hohe Studienkosten bei geringer Rendite, veränderte soziale Netzwerke, veraltete Lehrinhalte sowie neue Lernmethoden, die das MBA zu einem gewöhnlichen Bildungsprodukt machen, für das man rational entscheiden muss.
I. Geld ausgegeben – aber keine Rückzahlung in Sicht: Die „Investition“ in ein MBA-Studium lohnt sich nicht
Wie hoch sind die Kosten für ein MBA-Studium? An renommierten Universitäten in Großstädten liegen die Studiengebühren in der Regel zwischen 300.000 und 500.000 Euro; bei Vollzeitstudium kommen noch zwei Jahre Arbeitsausfall hinzu (berechnet mit einem Jahresgehalt von 300.000 Euro, was weitere 600.000 Euro ausmacht), womit die Gesamtinvestition über eine Million Euro beträgt. Aber wie sieht es mit der Rendite aus?
- Beschränkte Gehaltserhöhungen: Absolventen von Universitäten wie Peking, Tsinghua, Fudan und Shanghai Jiao Tong verdienen durchschnittlich ein Startgehalt von 390.000 bis 460.000 Euro – doch bereits vor dem Studium lagen ihre Jahresgehälter bei etwa 300.000 Euro. Eine Investition von einer Million Euro führt zu einer Gehaltserhöhung von nur rund 100.000 Euro, was eine geringe Rentabilität bedeutet.
- Noch schlimmer: „Rückwärtszahlungen“: Beispielsweise musste Gu Tong 460.000 Euro für ein MBA-Studium an der Hongkong University of Science and Technology ausgeben. Aufgrund einer schlechten Branchenentwicklung und Kürzungen durch das Unternehmen konnte sie nach dem Abschluss ihr Gehalt nicht erhalten und musste in die Selbstständigkeit wechseln – ihr Diplom half ihr dabei nicht weiter.
Für die meisten Menschen ist diese Rechnung offensichtlich: „Ein MBA-Studium könnte mehr kosten, als man zurückbekommt“, weshalb sie es nicht mehr in Betracht ziehen.
II. Der soziale Wert des MBA schwindet
Viele Menschen studieren ein MBA, um in exklusive Netzwerke einzutreten und Kontakte zu wichtigen Personen zu knüpfen – doch diese Funktion funktioniert heute kaum noch:
- Jüngere Studierende mit ungleichen Ressourcen: Die Durchschnittsalter der MBA-Studierenden an der Peking University Guanghua ist von 33 auf 32 Jahre gesunken; an der CEIBS liegt sie sogar unter 30 Jahren. Junge Menschen haben oft wenig Erfahrung und keine Ressourcen, um im Netzwerk etwas zu bewirken – „Sie sind nicht aktiv in den Kursen, aber sie geben sich Mühe, Visitenkarten auszutauschen. Doch alle sind nur gewöhnliche Personen; niemand kann dem anderen wirklich helfen.“
- Niedriger Qualitätsstandard der Netzwerke: Früher bestanden die MBA-Studierenden hauptsächlich aus Führungskräften von Unternehmen; heute sind es eher Inhaber kleiner und mittlerer Unternehmen oder Selbstständige. Dadurch ist der soziale Wert des MBA-Abschlusses deutlich geringer.
III. Überall MBA-Absolventen – die Ausweitung der Studienplätze senkt den Wert des Abschlusses
Früher war das MBA ein seltenes Angebot; heute gibt es jedoch ein Überangebot:
- Starke Ausweitung der Studienplätze: Bis 2025 sollen 89 % der MBA-Programme ihre Anzahl erhöhen, von 63.000 auf 72.000 Plätze – zusätzlich werden 33 neue Hochschulen eröffnet. Ein einst begehrter Abschluss ist heute für Geld erhältlich; einige Personalverantwortliche betrachten MBA-Absolventen sogar als „Billigabschlüsse“.
- Druck der Schulen: Um Studierende anzuziehen, senken die Hochschulen die Gebühren und Notenpunkte. Beispielsweise haben die Universitäten University of Science and Technology of China und Northeast Forestry University die Studiengebühren um jeweils 150.000 Euro reduziert; die Notenpunkte sind von 175 im Jahr 2020 auf 146 im Jahr 2026 gesunken. Auch renommierte Universitäten wie Beijing Normal University und Tongji University haben begonnen, Studienplätze zu verkaufen.
IV. Veraltete Lehrinhalte – neue Lernmethoden sind effektiver
Das Lehrkonzept des MBA hinkt der Zeit hinterher:
- Uralte Inhalte: Einige Kritiker bemängeln, dass die Dozenten einfach von ihren PowerPoint-Präsentationen ablesen; ein Großteil des Stoffes wurde bereits im Bachelorstudium behandelt, und die Fallstudien stammen aus der Zeit vor zehn Jahren – sie berücksichtigen nicht aktuelle Entwicklungen wie KI oder neue Energietechnologien.
- Neue Lernmethoden sind praktischer: Eine Unternehmerin der Generation 90er sagt: „Anstatt 300.000 Euro für ein MBA-Studium auszugeben, könnte man lieber 10 Kurse von Branchenexperten besuchen – so kann man praktische Erfahrungen sammeln und direkt mit Führungskräften kommunizieren, was viel effektiver ist als theoretisches Wissen von Professoren.“ Online-Business-Schulen und spezialisierte Trainingskurse gewinnen zunehmend an Beliebtheit und konkurrieren damit mit dem MBA-Studium.
V. Der MBA ist nicht mehr eine „Pflicht“ im Berufsleben
Heute ist das MBA kein Muss mehr, sondern eine persönliche Entscheidung:
- Für einige lohnenswert: Beispielsweise hat Molly durch ihr MBA-Studium an der Northwestern Polytechnical University ihren Traum von einer Hochschulzugangsstelle erfüllt – sie fühlt sich ruhiger und „wie in ihrer Jugend“.
- Für andere nicht lohnenswert: Viele Menschen überlegen nun die Kosten-Nutzen-Verhältnisse, bevor sie sich für ein MBA entscheiden.
Die Marke renommierter Universitäten wie Peking, Tsinghua, Fudan und Shanghai Jiao Tong bleibt weiterhin hochwertig – doch an weniger bekannten Hochschulen beginnt gerade eine Krise bei der Besetzung der Studienplätze. Das ist jedoch nicht unbedingt schlecht: Wenn die Preisgestaltung des Abschlusses dem Markt überlassen wird, kann Bildung wieder ihrem eigentlichen Zweck dienen, nämlich Fähigkeiten zu verbessern – und nicht nur als „Verzierung“ für das Lebenswerk.
Fazit
Die Veränderungen am MBA zeigen die Entwicklung der Zeit: Während in einer wirtschaftlich schnellen Phase MBA-Absolventen als gefragte Manager angesehen wurden, ist dies heute nicht mehr der Fall. Heute muss man das MBA-Studium sorgfältig abwägen – es ist kein „sicheres Investment“, sondern ein Projekt mit eigenen Vor- und Nachteilen. Der Rückgang des Interesses am MBA spiegelt die veränderten Bedingungen in der Wirtschaft wider. Bildung sollte nicht mehr nur als Statussymbol dienen, sondern dazu beitragen, Fähigkeiten zu entwickeln.
(Ende des Textes)