Zusammenfassung der Kerninhalte
Im Jahr 2026 hat sich das Kooperationsmodell zwischen chinesischen Biopharma-Unternehmen und multinationalen Pharmakonzernen (MNCs) grundlegend verändert: Anstatt in der Vergangenheit „reife Medikamente“ zu verkaufen (Medikamente, die bis zur Phase II/III entwickelt wurden), werden nun vor allem die Fähigkeiten zum frühen Forschungs- und Entwicklungsprozess verkauft. Chinesische Pharmaunternehmen sind für die Entwicklung von Medikamenten in der Präklinischen Phase bis zur Phase I verantwortlich, während die MNCs die globale Kommerzialisierung übernehmen. Dieser Trend, der dem eines externen Forschungs- und Entwicklungsunternehmens (CRO) ähnelt, wird durch die Geschwindigkeit und Kostenvorteile der chinesischen Forschungsgemeinschaft vorangetrieben. Allerdings stellt dies für die chinesischen Pharmaunternehmen eine entscheidende Frage: Sollten sie sich damit begnügen, zu „Frühentwicklungsabteilungen“ der MNCs zu werden – ähnlich wie Foxconn in der Pharmaindustrie – oder sollten sie diese Gelegenheit nutzen, um ihre Schwächen zu überwinden und zu echten globalen Unternehmen aufzusteigen?
Detaillierte Erklärung
#### 1. Großer Wandel im Kooperationsmodell: Von „Verkauf von Fertigprodukten“ zu „Verkauf von Forschungs- und Entwicklungsleistungen“
Früher beschränkte sich die Zusammenarbeit zwischen chinesischen Pharmaunternehmen und MNCs auf den Kauf und Verkauf fertiger Medikamente: Die chinesischen Unternehmen entwickelten Medikamente bis zu einer Stufe, bei der verlässliche Daten vorlagen (Phase II/III), verkauften anschließend die weltweiten Rechte an die MNCs und verabschiedeten sich von dem Produkt.
Heute ist alles anders:
- Hengrui hat mit BMS einen Vertrag über 15,2 Milliarden US-Dollar abgeschlossen; alle 13 Projekte befinden sich noch in der frühen Entwicklungsphase (Präklinisch). Hengrui ist dafür verantwortlich, die Frühvalidierung zu beschleunigen.
- Innovent hat mit Pfizer einen Vertrag über 10,5 Milliarden US-Dollar abgeschlossen; 12 Projekte wurden bis zur Phase I entwickelt.
- Shijiazhuang Yiling Pharmaceutical hat mit AstraZeneca einen Vertrag über 18,5 Milliarden US-Dollar abgeschlossen; dabei wurden nicht nur Wirkstoffe, sondern auch Technologien wie Sustenzielle Freisetzungstechniken sowie Plattformen für die AI-basierte Entdeckung von Wirkstoffen übertragen. Die MNCs kaufen somit nicht nur einzelne Produkte, sondern ein „Gesamtpaket“ an Ressourcen und Technologien.
Einfach ausgedrückt: Die MNCs betrachten chinesische Pharmaunternehmen als ihre eigenen Frühentwicklungsabteilungen und sichern sich so die Effizienz der chinesischen Forschungsgemeinschaft.
#### 2. Warum sind die MNCs bereit, viel Geld auszugeben? Weil die chinesische Forschung „schnell, kostengünstig und umfangreich“ ist
Die MNCs übertragen ihre Kernfunktionen der Frühentwicklung an China – nicht aus Nächstenliebe, sondern aufgrund von kalkulierten Vorteilen:
- Schnelligkeit: Die Zeit vom Entdeckung eines Wirkstoffs bis zur Antragstellung von klinischen Studien in China ist 50–70 % schneller als in anderen Ländern; die Rekrutierung von Probanden erfolgt ebenfalls schneller (z. B. für Stoffwechselstudien: 1,8 Tage gegenüber 16,6 Tagen weltweit). Dadurch können sie früher herausfinden, ob ein Medikament erfolgreich sein wird und Verschwendung vermeiden.
- Kosteneinsparung: Die Kosten für die Rekrutierung von Probanden in onkologischen Studien sind in China nur 1/3 bis 1/4 so hoch wie weltweit.
- Umfangreichkeit: Im Jahr 2025 erhielten chinesische Unternehmen Genehmigungen für 2703 neue Medikamente; fast 30 % aller globalen innovativen Medikamente stammen aus China – die MNCs können diese „potenziellen Gewinnquellen“ nicht ignorieren.
#### 3. Warum nehmen chinesische Pharmaunternehmen diese Angebote an? Eine „sichere“ Option in einer Zeit des Kapitalknappens
Früher trugen chinesische Pharmaunternehmen das gesamte Risiko der Forschung und Entwicklung selbst – von der frühen Phase bis zur Markteinführung. Heute bieten die Kooperationen zahlreiche Vorteile:
- Frühzeitige Einnahmen durch Anzahlungen und Meilensteinprämien sowie Beteiligung an den Verkaufsgewinnen.
- Reduzierte Risiken, da sie nicht allein die Kosten für frühe Fehlschläge tragen müssen.
- Nutzung der globalen Kanäle der MNCs, um ihre Produkte weltweit zu vermarkten.
Beispielsweise entwickelt Hengrui nicht nur eigene Projekte, sondern unterstützt auch BMS bei der Frühentwicklung ihrer internen Produktlinien – das bedeutet ein stabiles Einkommen unabhängig von den Marktbedingungen.
#### 4. An der Weggabelung: Sollten chinesische Pharmaunternehmen zu „Pharmaindustrie-Foxcons“ werden oder zu globalen Unternehmen?
Das aktuelle Modell ähnelt dem von Foxconn: Chinesische Unternehmen übernehmen die Entwicklung für andere und verdienen zwar Geld, aber den Großteil des Gewinns gehen weiterhin an die MNCs. Doch chinesische Pharmaunternehmen verfügen über eigene Patente und Technologien. Wenn sie diese Chance nutzen können, können sie ihre Schwächen ausgleichen (z. B. in Bezug auf den internationalen Markt) und sich von „Frühentwicklungsabteilungen“ zu vollwertigen globalen Unternehmen entwickeln.
Wenn sie weiterhin nur an der Frühentwicklung beteiligt sind, bleiben sie am unteren Ende der Wertschöpfungskette – das ist eine Entscheidung, mit der chinesische Pharmaunternehmen sich jetzt auseinandersetzen müssen.
Diese Entwicklung ist keine rein numerische Veränderung, sondern eine Neuaufteilung der globalen Forschungs- und Entwicklungsprozesse für neue Medikamente. Ob es chinesischen Pharmaunternehmen gelingt, von „Zulieferern“ zu „Führungskräften“ in der Pharmaindustrie zu werden, entscheidet über ihren zukünftigen Platz auf dem Weltmarkt.