Zusammenfassung der Kerninhalte
Nissan und Chery International UK haben eine vorläufige Vereinbarung getroffen, wonach Nissan in seiner Fabrik in Sunderland, Großbritannien, Fahrzeuge für Chery produzieren soll. Hinter dieser Kooperation steht die globale Umstrukturierung von Nissan (Verkleinerung der Fabriken, Entlassungen), wodurch die Kapazitäten der Fabrik in Sunderland ungenutzt bleiben (Nutzungsrate im Jahr 2025 nur 45,5%). Die Auftragsfertigung soll die Auslastung der Fabrik erhöhen. Gleichzeitig befinden sich chinesische Automobilhersteller in einer neuen Phase des Markteintritts auf dem europäischen Markt: Neben Chery setzen auch Unternehmen wie Dongfeng, Zero跑 und BYD auf Kooperationen oder den Kauf ungenutzter ausländischer Fabriken, um schnell in Europa Fuß zu fassen.
1. Nissan als Auftragsfertiger – keine „Hilfe“, sondern die Rettung der eigenen Fabrik
Nissan führt derzeit ein „Schlankungsprogramm“ durch: Von insgesamt 17 Fabriken weltweit sollen 10 geschlossen und 20.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Obwohl die Fabrik in Sunderland nicht geschlossen wurde, ist die Situation dort schwierig: Die Kapazitäten liegen ungenutzt (Nutzungsrate von nur 45,5%), und Ausrüstung sowie Mitarbeiter arbeiten ineffizient. Da der europäische Markt für Nissan nicht mehr von zentraler Bedeutung ist (der Fokus liegt auf Japan, den USA und China), stellt die Auftragsfertigung für Chery eine Win-Win-Lösung dar: Die Fabrik bleibt in Nissan-Hand, es müssen keine weiteren Entlassungen erfolgen, und Nissan verdient durch die Aufträge Geld. Es ist besser, die ungenutzten Kapazitäten zu nutzen, als die Fabrik einfach stillzulegen.
2. Chery auf dem europäischen Markt – mit Nissans „fertigen Rahmen“ viel Zeit sparen
Chery möchte in den europäischen Markt eintreten, doch der Bau eigener Fabriken ist zeitaufwendig: Suche nach einem Standort, Errichtung der Fabrik, Rekrutierung von Mitarbeitern, Einhaltung lokaler Vorschriften – das würde mindestens drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen. Durch die Nutzung der Fabrik in Sunderland sind alle Voraussetzungen bereits vorhanden: Produktionslinien, qualifizierte Mitarbeiter sowie lokale Lieferketten und Compliance-Erfahrungen. Die Produktion kann bereits 2027 beginnen – viel schneller als beim eigenen Bau einer neuen Fabrik. Zudem werden Risiken reduziert; es ist wie der Kauf eines fertigen Restaurants, das sofort genutzt werden kann, ohne Renovierungsarbeiten.
3. Chinesische Automobilhersteller auf dem europäischen Markt – die Strategie ändert sich: Von „Von Null anfangen“ zu „Fertiges nutzen“
Früher bauten chinesische Automobilhersteller ihre Fabriken in Europa meist von Grund auf (z. B. BYDs Fabrik in Thailand). Heute sind sie klüger: Ausländische Automobilhersteller ziehen sich aus Europa zurück, und viele Fabriken stehen ungenutzt da. Chinesische Unternehmen nutzen diese Gelegenheit. So lässt Dongfeng Fahrzeuge in Stellantis’ französischen Fabrik produzieren, Zero rungt mit spanischen Herstellern zusammen, und BYD möchte sogar ungenutzte Stellantis-Fabriken übernehmen. Diese Methode ist kostengünstig und schnell; zudem können sie auf die lokale Industriebasis zurückgreifen, um den Markt schneller zu erschließen – es ist, als würde man auf den „Schultern eines Riesen“ in den europäischen Markt eintreten.
4. Der europäische Markt – ausländisches Kapital zieht sich zurück, chinesische Unternehmen gehen weiter voran
Europa wollte die Elektrifizierung beschleunigen, doch der Fortschritt verläuft langsamer als erwartet. Nissan hat zwar versprochen, bis 2030 alle europäischen Modelle elektrisch anzubieten, doch auch Nissans eigene Elektrifizierungspläne in Sunderland müssen angepasst werden. Ausländische Automobilhersteller sehen in Europa keine guten Geschäftsmöglichkeiten und ziehen sich zurück, wodurch viele Fabriken ungenutzt bleiben. Chinesische Unternehmen verfügen über ausgereifte Elektrotechnologie und kreative Kostenvorteile und nutzen diese Gelegenheit, um schnell in den europäischen Markt einzudringen. Man kann sagen, dass der Rückzug ausländischer Investoren chinesischen Herstellern eine „Chance“ bietet.
5. Die Zukunft der Fabrik in Sunderland – Elektrifizierung als Kern, Auftragsfertigung als Übergangslösung?
Die Fabrik in Sunderland ist Nissans einzige europäische Fahrzeugproduktionsstätte; im letzten Jahr wurde mit dem Bau eines Elektrozentrum begonnen (geplante Investitionen von 3 Milliarden Pfund, Produktion von drei neuen Elektrofahrzeugen). Angesichts des langsamen Fortschritts der Elektrifizierung in Europa ist die Auftragsfertigung für Chery vielleicht nur eine vorübergehende Lösung. Doch sie könnte auch dazu dienen, die Fabrik weiter am Laufen zu halten und gleichzeitig die Elektrifizierungsstrategie voranzutreiben. Sobald der europäische Markt stärker auf Elektrofahrzeuge umsteigt, kann die Fabrik wieder für Nissans eigene Produktionszwecke genutzt werden – es ist eine Strategie, die sowohl finanzielle Erträge als auch die Chance auf zukünftige Entwicklungen bietet.
Insgesamt ist diese Kooperation ein Beispiel dafür, wie beide Parteien ihre Bedürfnisse erfüllen können: Nissan nutzt die ungenutzten Kapazitäten, und Chery spart Kosten beim Markteintritt in Europa. Gleichzeitig zeigt dies einen neuen Ansatz chinesischer Automobilhersteller bei ihrem Vorstoß auf den europäischen Markt – den effizienten Einsatz von Ressourcen. Der europäische Markt entwickelt sich zunehmend zu einer wichtigen Plattform für chinesische Elektrofahrzeuge.