Zusammenfassung der Kerninhalte
Der chinesische Markt für kommerzielle Krankenversicherungen hat im Jahr 2025 endlich die Marke von einer Billion Yuan überschritten, doch das Wachstum ist deutlich abgeflacht (im November 2025 lag das Jahreswachstum bei nur 2,4 % gegenüber dem Vorjahr), was weit unter dem im Jahr 2019 gesetzten Ziel von 2 Billionen Yuan liegt (tatsächlich wurde nur die Hälfte erreicht). Es gibt drei zentrale Probleme in der Branche: Die Kunden finden die Versicherungen „unwirtschaftlich“ (niedrige Auszahlungsquoten, das Geld wird nicht effektiv eingesetzt), 400 Millionen chronisch Kranke werden abgelehnt, und die Fähigkeiten zur Gesundheitsmanagement sind unzureichend. Zudem ist die Rolle der kommerziellen Krankenversicherungen unklar (sie konkurrieren mit der gesetzlichen Krankenversicherung um den Markt). In Zukunft muss sich die Branche von einem rein finanziellen Intermediär, der Prämien erhält und Leistungen auszahlt, zu einem umfassenden Serviceanbieter entwickeln, der tatsächlich die Gesundheit der Kunden verwaltet.
I. Die Marke von einer Billion Yuan – erreicht durch Anstrengung, nicht durch schnelles Wachstum
Das Erreichen der Marke von einer Billion Yuan im Jahr 2025 mag wie ein Meilenstein erscheinen, doch der Prozess war besonders schwierig:
- Rasantes Rückgang des Wachstums: Zwischen 2012 und 2019 lag das jährliche Wachstum der Krankenversicherungen bei über 30% (insbesondere die Verkäufe von Millionen-Krankenversicherungen und Versicherungen gegen schwere Erkrankungen waren sehr erfolgreich), im November 2025 jedoch nur bei 2,4% – dem niedrigsten Wert der letzten fünf Jahre.
- Großer Unterschied zum Ziel: Die Politik hatte sich für das Jahr 2025 ein Wachstum von 2 Billionen Yuan erhofft; bisher wurde nur die Hälfte dieses Ziels erreicht.
- Veränderung der Wachstumsqualität: Früher profitierten die Versicherungen vor allem von den Verkäufen von Krankenversicherungen gegen schwere Erkrankungen und Millionen-Krankenversicherungen, doch inzwischen sind die Neuzugänge bei diesen Produkten auf 20 bis 30 Milliarden Yuan gesunken – es handelt sich dabei um Bestandsgeschäfte, die auf früheren Erfolgen basieren. Die Marke von einer Billion Yuan wurde eher durch Anstrengung erreicht und nicht durch neue Nachfragen.
II. Warum fühlen sich die Kunden betrogen? Zu niedrige Auszahlungsquoten – das Geld wird nicht dort eingesetzt, wo es nötig ist
Die mittlere Auszahlungsquote in der Branche liegt bei etwa 40% – das bedeutet, dass von jedem gezahlten Prämienbetrag weniger als 40% tatsächlich für die Leistungen verwendet werden (in ausgereiften Märkten liegen diese Quoten zwischen 50% und 80%). Die Kunden haben das Gefühl, jedes Jahr Geld zu zahlen, ohne jemals eine Entschädigung zu erhalten. Das Problem liegt an zwei Hauptursachen:
- Produkte passen nicht zur Politik: Nach der Einführung von Reformen wie DRG/DIP (Kostenverrechnung nach Krankheitsarten) wurden die Krankenhausausgaben stark gesenkt, wodurch die Selbstzahleranteile der Kunden sehr niedrig sind und sie die Freibeträge der Millionen-Krankenversicherungen nicht erreichen können.
- Hohe Kosten für Vertriebswege: Kurzfristige Krankenversicherungen (wie Millionen-Krankenversicherungen) haben niedrige Prämien; Kunden sind daher unwillig, diese Produkte aktiv zu kaufen. Die Versicherungsunternehmen müssen auf Internetplattformen zurückgreifen, wobei die Vertriebskosten etwa 35% der Prämien ausmachen. Zusammen mit den niedrigen Auszahlungsquoten bleiben viele Unternehmen entweder ohne Gewinn oder verlieren Geld – es entsteht ein Teufelskreis, in dem weder die Versicherungen noch die Kunden zufrieden sind.
III. 400 Millionen chronisch Kranke werden abgelehnt: Die Menschen, die am meisten Schutz benötigen, können keine Versicherung abschließen
In China gibt es 400 Millionen Menschen mit chronischen Erkrankungen (Bluthochdruck, Diabetes, Knötchen usw.), doch herkömmliche Krankenversicherungen lehnen diese Kunden ab oder schließen sie von der Versicherung aus. Dies ist das größte „strukturelle Problem“ der Branche – die Menschen, die am meisten Schutz benötigen, kommen nicht an eine Versicherung heran. In den letzten zwei Jahren gab es einige Fortschritte: Beispielsweise decken Produkte von Taibao Patienten nach Schilddrüsenoperationen ab, Ping An konzentriert sich auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Taikang auf Blutkrebs. Doch das ist erst der erste Schritt; entscheidend ist, wie man die Versicherten nach dem Abschluss der Police effektiv betreut: Nicht durch strenge Prüfverfahren, um Risiken auszuschließen, sondern durch Gesundheitsmanagement (z. B. Anleitung zur Einnahme von Medikamenten, Bewegung). Die meisten Versicherungsunternehmen verfügen jedoch noch nicht über die entsprechenden Möglichkeiten.
IV. Gesundheitsmanagement ist der Schlüssel zur Lösung: Lektionen aus dem südafrikanischen Beispiel
International gibt es ein erfolgreiches Beispiel: Das Vitality-Programm des südafrikanischen Unternehmens Discovery Group. Es nutzt „Punktebelohnungen und Prämienrabatte“, um Kunden zu gesunden Verhaltensweisen anzuleiten (Sport, Gesundheitsuntersuchungen, Vorsorge). Die Ergebnisse:
- Das Sterberisiko der höchstgradigen Mitglieder sank um 57%, das Risiko von Behinderungen um 47%;
- Die Belohnungen für die Teilnehmer überstiegen den gesamten Jahresauszahlungsbetrag um mehr als 60% (im Durchschnitt der Branche liegen diese Werte bei nur 20–30%).
Kurz gesagt: Das Programm verwandelt Krankenversicherungen von einer Versicherung, die nach dem Tod zahlt, in eine, die den Menschen im Leben hilft. Auch in China versuchen Unternehmen wie AIA und Ping An, dies nachzuahmen – doch es gibt noch viel zu tun, um tatsächlich die Gesundheit der Kunden zu verbessern (z. B. durch Daten, medizinische Ressourcen und Interventionsmöglichkeiten).
V. Welchen Weg sollen die kommerziellen Krankenversicherungen einschlagen? Konkurrenz mit der gesetzlichen Krankenversicherung vermeiden – sie sollten eine Ergänzung sein
Die gesetzliche Krankenversicherung sichert die Grundversorgung; wenn die kommerziellen Versicherungen weiterhin nur auf normale Krankenhausaufenthalte und die Lücken in der Abdeckung durch die gesetzliche Versicherung abzielen, wird ihr Markt nach den DRG-Reformen noch enger werden. Der Konsens in der Branche ist: Die kommerziellen Krankenversicherungen sollten sich auf Bereiche konzentrieren, die von der gesetzlichen Versicherung nicht abgedeckt werden:
- Beispielsweise innovative Medikamente (teuer, aber wirksam, die nicht von der gesetzlichen Versicherung übernommen werden);
- Hochwertige medizinische Dienstleistungen (z. B. exklusive Untersuchungen, Privatkliniken);
- Schutz für seltene und chronische Erkrankungen;
- Rückerstattung von Medikamentenkosten außerhalb des Krankenhauses.
Die Politik gibt ebenfalls Signale in diese Richtung: Mit der Veröffentlichung eines Verzeichnisses innovativer Medikamente (19 Arzneimittel) werden die kommerziellen Krankenversicherungen ermutigt, als Zahlungspartner für innovative Therapien zu fungieren. Nur Unternehmen, die von „Prämien einnehmen und Leistungen auszahlen“ zu „Gesundheitsverwaltern“ werden, können in Zukunft überleben.
Fazit
Die Zukunft der Krankenversicherungen liegt nicht darin, immer mehr aufwendige Produkte zu entwickeln, sondern darin herauszufinden: Können Versicherungsunternehmen von einem rein finanziellen Intermediär zu echten „Gesundheitsverwaltern“ werden, die den Kunden tatsächlich helfen, ihre Gesundheit zu verbessern? Das ist der Schlüssel zur Lösung der aktuellen Probleme in der Branche.