虎嗅

Deutscher Titel: Die Hochschulzugangsprüfung (Gaokao) ist weniger anspruchsvoll geworden.

原文:高考变小了

Zusammenfassung der Kerninhalte

Dieser Artikel zeigt anhand der Veränderungen in den Aufgabenstellungen für die Hochschulaufnahmeprüfung (Gaokao) über einen Zeitraum von sieben Jahren, wie sich das chinesische Bildungssystem von einem einseitig utilitaristischen Ansatz auf eine orientierte Entwicklung individueller Potenziale hin entwickelt. Phänomene wie eine abnehmende Zahl der Anmelder für die Gaokao, ein Rückgang des Interesses am Aufstieg zum Masterstudium sowie das Wiederlernen von handwerklichen Fähigkeiten durch Universitätsabsolventen unterstreichen diese Entwicklung. Die Veränderungen in den Aufgabenstellungen spiegeln eine Umorientierung der offiziellen Bildungspolitik wider: Von großem Narrativ (wie der nationale Wiederaufbau oder historische Persönlichkeiten) hin zu einer Betonung des individuellen Erkennens und der Wahlmöglichkeiten der Jugendlichen. Dabei spielt auch die Z-Generation eine entscheidende Rolle, da sie Wert auf die eigene Ausdrucksweise legt.

1. Veränderungen in den Aufgabenstellungen für die Gaokao über sieben Jahre: Vom „großen Narrativ“ zum „individuellen Fokus“

In den letzten sieben Jahren wurden die Themen der Aufgabenstellungen immer persönlicher:

  • 2020–2021: Es ging um historische Figuren wie Qi Huan Gong und Guan Zhong oder um die zeitgenössischen Herausforderungen („Was man tun kann und was man tun sollte“), wodurch die Prüflinge von einem historischen oder kollektiven Standpunkt aus „Standardantworten“ verfassen mussten.
  • 2022–2023: Es kam zu abstrakten Fragen (z. B. über das Konzept des „eigenen Schritts“ im Go-Spiel) oder zur Kraft von Geschichten – hier hatten die Prüflinge mehr Wahlmöglichkeiten.
  • 2024: Die Aufgabenstellungen konzentrierten sich auf das Selbstverständnis der Prüflinge (z. B. „Probleme und Lösungen“), mit dem Fokus auf der inneren Entdeckung des eigenen Unbekannten.
  • 2025: Aus Anlass des 80-jährigen Jubiläums des Sieges im Widerstandskrieg gab es einen kurzen Rückgang zum großen Narrativ; 2026 ging es jedoch wieder um die persönliche Interpretation von Begriffen – es handelte sich dabei um eine Art „Persönliches Entwicklungstagebuch“, bei dem es keine Standardantworten gab und die Prüflinge nur ihre eigenen Erfahrungen beschreiben durften.

Die Tendenz ist deutlich: Abgesehen von gelegentlichen Rückkehrungen zu wichtigen Jubiläen verläuft der Trend generell von „Geschichten anderer“ und „kollektiven Missionen“ hin zu „deinen eigenen Gedanken“ und „individuellen Veränderungen“.

2. Abnahme der Anmelderzahlen für die Gaokao über zwei Jahre

Die Zahl der Anmelder für die Gaokao erreichte im Jahr 2024 mit 13,42 Millionen ihren Höchststand, sank dann um 70.000 auf 12,77 Millionen im Jahr 2025 und weiter um 450.000 auf 12,32 Millionen im Jahr 2026. Dafür gibt es drei Hauptgründe:

1. Geringere Geburtenrate: Vor einigen Jahren nahm die Zahl der Neugeborenen ab, und nun erreichen genau diese Jugendlichen das Alter für die Gaokao (z. B. die Geburtenzahl von 2008 war etwa 2 Millionen geringer als die von 2000).

2. Verteilung auf verschiedene Bildungswege: Nach der Mittelschulprüfung entscheiden sich die meisten Schüler für berufsbildende Schulen statt für die Gaokao; außerdem werden weitere Aufstiegsmöglichkeiten geschaffen (z. B. durch Weiterbildung oder internationale Kooperationen).

3. Vielfältige Wahlmöglichkeiten: Die Zahl der Jugendlichen, die ins Ausland studieren wollen, steigt (von 2021 bis 2025 um fast 50 %); zudem wird das Wiederholen des Schuljahres durch politische Regulierungen und Reformen weniger attraktiv.

3. Lockerung der traditionellen Karrierewege: Rückgang des Interesses am Masterstudium, zunehmendes Interesse an handwerklichen Fähigkeiten

Früher war der Weg „Grundschule → Mittelschule → Universität → Masterstudium“ der einzige „richtige“ Weg; heute verändert sich dies:

  • Abnahme der Anmeldungen für das Masterstudium: Im Jahr 2025 waren es 500.000 weniger Anmelder als im Vorjahr – dies zeigt, dass der utilitaristische Drang (z. B. zur guten Jobsuche) nachlässt.
  • Universitätsabsolventen lernen handwerkliche Fähigkeiten: Die Zahl der Studierenden in berufsbildenden Schulen steigt; beispielsweise stieg die Anzahl der Studenten an einer Technikerschule in Taiyuan von 10 auf 30 im Jahr 2024 und erreichte im Jahr 2025 mit 240 einen Rekord. Das Lernen handwerklicher Fähigkeiten nach dem Universitätsabschluss ist heute keine Seltenheit mehr – dies zeigt, dass der Wert von Abschlüssen abnimmt und Fähigkeiten zunehmend geschätzt werden.

4. Offizielle Signale: Von „Standardantworten“ zu einer Bildungspolitik, die individuelle Entwicklung fördert

Die Veränderungen in den Aufgabenstellungen sind nicht willkürlich, sondern Ergebnis der offiziellen Bildungsrichtlinien:

  • Die Ankündigung zur Zulassungsverfahren 2026 des Bildungsministeriums betont ausdrücklich die Bereitstellung verschiedener Entwicklungsmöglichkeiten für Schüler mit unterschiedlichen Potenzialen sowie die Abkehr von einem utilitaristischen und kurzfristigen Bildungskonzept.
  • Die Reform der Bildungsbewertung im Jahr 2025 betont, dass die Bewertung von Bildungsleistungen entscheidend für den Erfolg eines starken Bildungssystems ist – es darf nicht mehr nur an „Noten“ und „Abschlüssen“ gemessen werden.

All diese Signale deuten darauf hin, dass die Behörden das Konzept der „Einschätzung allein an Noten“ und Abschlüssen aufgeben möchten, um jedem Schüler den Weg zu zeigen, der zu ihm passt.

5. Die „neue Ausdrucksweise“ der Z-Generation: Das Gefühl für Heimat und Nation bleibt, aber mehr Wert wird auf die eigene Geschichte gelegt

Die Jugendlichen haben zwar immer noch ein starkes Pflichtgefühl gegenüber dem Staat, doch ihre Art der Selbstausdrückung hat sich verändert:

  • Umfragen zeigen: 97,4 % der Jugendlichen sind stolz auf ihre Nation und mehr als 90 % sind bereit, an den Orten zu arbeiten, die das Land braucht – sie legen jedoch Wert auf persönliches Wachstum am Arbeitsplatz und lehnen die alten Vorstellungen ab, sich selbst zu opfern.
  • 63 % der Z-Generation sehen sich kreativ und möchten ihre Meinungen mit ihren eigenen Erfahrungen, ihrer Sprache und ihrem Verständnis ausdrücken, anstatt Standardantworten zu verwenden.

Deshalb sind die Aufgabenstellungen für das Jahr 2026 so persönlich formuliert: Nur indem die Prüflinge ihre eigenen Gedanken schreiben, kann man ihre wahren Fähigkeiten erkennen – und nicht nur schöne, auswendig gelernte Texte.

Fazit

Die Veränderungen in den Aufgabenstellungen für die Gaokao, die abnehmende Zahl der Anmelder sowie die Vielfalt der Karrierewege sind im Grunde ein Zeichen einer „Aufwertung“ des Bildungskonzepts: Von der Frage „Was sollst du werden?“ hin zur Frage „Wo stehst du jetzt und wie verstehst du die Welt?“ Dies ist nicht nur ein Fortschritt in der Bildung, sondern auch eine Neubewertung der Definition von „Talent“. Erfolg bedeutet nicht mehr nur einen hohen Abschluss – es zählt vielmehr, seinen eigenen Wert zu finden und ein gutes Leben zu führen.