虎嗅

**Untercover-Reportage: Die Fangemeinde eines Internetstars – Wie die Jugendlichen „Daten“ erzeugen**

原文:卧底10后网红粉丝群,我围观孩子们“做数据”

Zusammenfassung der Kerninhalte

Dieser Artikel konzentriert sich auf die Generation der „Post-10ers“, die nach 2010 geboren wurde – eine Generation, die mit Smartphones und dem mobilen Internet aufgewachsen ist und in der digitalen Welt ihre eigenen sozialen Regeln, Sprachsysteme und kleinen Kreise entwickelt hat. Anfangs versuchten die Eltern, den Zugang ihrer Kinder zum Internet streng zu kontrollieren, doch Online-Kurse haben diese Grenzen aufgehoben und den Kindern eine unabhängige Identität im Netz ermöglicht. Die Post-10ers verwenden spezielle Begriffe wie „Erweiterung der Liste“ („扩列“), „Entfernung von Uninteressierten“ („清关“) und „Auswahl der Favoriten“ („亲选“) für ihre Kommunikation. Sie finden Zugehörigkeit, indem sie Videos erstellen, kleine Internet-Persönlichkeiten folgen oder gemeinsam streamen, und projizieren dabei ihr „ideales Selbst“. Doch die Sorgen der Eltern (z. B. über Internet-Sucht oder psychische Gesundheit) stehen im Widerspruch zu den dringenden Bedürfnissen der Kinder nach sozialer Interaktion im Netz – eine Kluft, die schwer zu überbrücken ist.

I. Der Zugang zum Internet: Vom strengen Schutz zum unvermeidlichen Öffnen

Die Post-10ers fangen viel früher mit dem Internetgebrauch an, als ihre Eltern erwartet hatten. Viele lernen bereits durch die Handys ihrer älteren Geschwister, wie man auf Plattformen wie TikTok oder Kuaishou surft. Zunächst versuchten die Eltern, den Zugang zum Internet streng zu kontrollieren – beispielsweise Lehrerin Zhang Yanana, die befürchtete, ihre Tochter würde durch das Handy zerstört werden und plante daher eine strenge Regulierung der Online-Zeit ihrer Tochter. Doch Online-Kurse wurden der Wendepunkt: Die Schule verlangte, dass Unterricht und Nachhilfe vollständig online stattfanden, wodurch die Eltern ihre Kontrolle verloren.

Sobald sie eigene Geräte bekamen, registrierten die Kinder schnell Social-Media-Konten – schließlich weiß niemand im Internet, dass sie Minderjährige sind, und Kommentare sowie eigene Inhalte werden dort oft ernster und fairer behandelt. Die 14-jährige Mu Yan betreibt beispielsweise einen Unterstützungsclub für Tanzschülerinnen, erstellt Videos und sucht Materialien; ihr Konto wuchs innerhalb von drei Monaten auf 22.000 Follower an. Für die Post-10ers ist das Internet nicht mehr nur ein Lernwerkzeug, sondern ein „geheimer Garten“, in dem sie ihre eigene Identität aufbauen und Gleichgesinnte finden können.

II. Exklusive soziale Codes: Die „Jargons“ und ungeschriebenen Regeln der Kinder

Die soziale Interaktion der Post-10ers folgt eigenen, für Erwachsene unverständlichen Regeln:

  • „Jargon“: „Erweiterung der Liste“ bedeutet das Hinzufügen von Gleichgesinnten (z. B. Freunden, die denselben Idol mögen), „Entfernung von Uninteressierten“ bedeutet das Löschen von Followern, „Auswahl der Favoriten“ zeigt öffentlich an, welche Kreatoren sie am meisten schätzen, und „Du 1, ich 2“ beschreibt die Reihenfolge des Folgens. Diese Begriffe sind prägnant und exklusiv – nur Eingeweihte verstehen sie.
  • Hilfsverträge: Mu Yan fordert nach dem Veröffentlichen ihrer Videos mehrere Freunde auf, zu liken; diese antworten mit „Da ist“ oder „11“ als Zeichen der Unterstützung. Doch diese Hilfe hat auch ihre Grenzen: Manche sagen direkt, dass man nicht wieder kontaktiert werden soll, wenn bereits gelikt wurde, da zu viele schwache Verbindungen müde machen können.
  • Urheberrechtsbewusstsein: Die Kinder legen großen Wert auf Originalität; Mu Yans Account zeigt deutlich an, dass Weiterverbreitung verboten ist, und jedes Video wird als Original gekennzeichnet. Ein anderes Mädchen forderte sogar eine öffentliche Entschuldigung, weil es Material von ihr verwendet hatte. Dieses strenge Urheberrechtsschutz spiegelt ihre Wertschätzung für ihre eigenen Arbeitsergebnisse wider.

III. Das Gefühl der Zugehörigkeit in kleinen Kreisen: Das ideale Selbst und die Suche nach Identität

Die Aktivitäten der Post-10ers im Internet (Video-Erstellen, Followen von Internet-Persönlichkeiten, Unterstützung) dienen in Wirklichkeit dazu, das Gefühl der Sichtbarkeit zu erlangen und ihr „ideales Selbst“ zu projizieren:

  • Projektion des idealen Selbstes: Mu Yan hat seit dem Alter von drei Jahren Tanz gelernt, konnte aber aufgrund ihrer Figur und ihres Könnens nicht an speziellen Tanzprüfungen teilnehmen. Die kleinen Internet-Persönlichkeiten in ihren Videos sind Vorbilder für das, was sie werden möchte – Mädchen, die es in professionelle Tanzschulen geschafft haben.
  • Symbolik der Macht in kleinen Kreisen: In der Tanzszene ist es nicht wichtig, viele Fans zu haben, sondern von einer Internet-Persönlichkeit mindestens sechsmal zurückgesetzt zu werden; im Streaming-Bereich ist es beeindruckend, wenn der Moderator den eigenen Namen ausspricht oder man sich gegenseitig folgt. Für Erwachsene mögen diese Dinge unbedeutend erscheinen, für die Kinder sind sie jedoch ein Zeichen ihrer sozialen Stellung.
  • Ausdrucksweise von Emotionen: Mu Yan postete einmal, weil ihr Video zu wenige Likes erhalten hatte, und schrieb: „Freunde und Verwandte bekommen mit einfachen Videos über 100 Likes – ich habe 3.000 Follower und weniger als 20 Likes.“ Die Trostkommentare brachten sie dazu, wieder online zu gehen; das Internet wurde für sie zu einem Ort der Entlastung und Unterstützung.

IV. Elterliche Sorgen vs. Kinderbedürfnisse: Eine unsichtbare Kluft

Es gibt deutliche Widersprüche zwischen den Sorgen der Eltern und den Bedürfnissen der Post-10ers:

  • Elterliche Befürchtungen: Studien amerikanischer Professoren zeigen, dass die Depressionen- und Suizidraten bei Jugendlichen nach der Verbreitung von Smartphones (2011–2012) stark angestiegen sind – deshalb fürchten viele Eltern, ihre Kinder könnten süchtig werden. Zhang Yanana möchte ihre Tochter daher streng kontrollieren.
  • Dringende Bedürfnisse der Post-10ers: Für sie ist das Internet nicht nur zusätzlicher Unterhaltungsweg, sondern der Hauptort ihrer sozialen Interaktion. Sie finden dort Gleichgesinnte, lernen Fähigkeiten (z. B. Video-Erstellen) und drücken sich aus – all das ist Teil der Entwicklung ihres Gehirns in der Pubertät (das soziale emotionale System des Gehirns benötigt die Interaktion mit Gleichaltrigen).
  • Der Kern der Kluft: Eltern sehen das Internet als Bedrohung, während Kinder es als ihren eigenen Raum betrachten. Sie versuchen, „Lernzeit“ und „Online-Zeit“ voneinander zu trennen, doch für die Kinder sind diese Grenzen längst verschwunden: Zwischenspiele beim Online-Lernen oder Kommentare während der Hausaufgaben gehören zur Normalität.

Letztendlich scheitert die Kontrolle durch die Eltern oft – die Kinder integrieren sich auf ihre eigene Weise ins Internet, denn es ist für sie eine Möglichkeit, die Welt zu erkennen und mit anderen in Kontakt zu treten – genauso wie früher das Springen von Seilen oder das Spielen mit Bällen. Der Unterschied liegt nur im Medium.

Fazit

Die digitale Welt der Post-10ers ist ihr „soziales Spielplatz“ und „Identitätslabor“. Anstatt streng zu kontrollieren, sollten Eltern versuchen zu verstehen: Hinter den scheinbar „naiven“ Videos und dem unverständlichen Jargon steckt das Verlangen der Kinder nach Anerkennung, Wachstum und einem idealen Selbst. Es handelt sich nicht um eine Generation, die vom Internet zerstört wird, sondern um eine Generation, die gemeinsam mit dem Internet aufwächst – ihre Welt benötigt mehr Neugierde und weniger Vorurteile von Erwachsenen.