Zusammenfassung der Kernpunkte
Auf der Hauptversammlung von Midea im Jahr 2026 wurden drei wichtige Signale sendet: Die Ablehnung von Xiaomi als Konkurrenten, die Entscheidung, in den nächsten drei Jahren keine großen Übernahmen durchzuführen und alle Gewinne an die Aktionäre auszuzahlen, sowie das Feststellen, dass die „zweite Wachstumsstrategie“ („Second Curve“) noch in der Erprobungsphase ist. Hinter diesen Entscheidungen steckt Mideas aktuelle Transformationsschwierigkeiten: Im Inland konnte der Marktanteil zwar verteidigt werden – doch zu einem hohen Preis; die eigenen Marken im Ausland (OBM) nähern sich zwar dem Ziel, erzielen jedoch nicht mehr Gewinne. Frühere Übernahmen führten zu einer „aufgeblähten“ Struktur (große Größe, aber niedrige Effizienz). Da der Gewinnspielraum in der Branche begrenzt ist, wagt Midea es nicht, Fehler zu machen und muss vorerst auf Dividenden zurückgreifen, um die Aktionäre zu beruhigen. Insgesamt bewegt sich Midea von einer Strategie des „Marktexpansions“ hin zu einer effizienzorientierten Geschäftsführung – doch eine klare neue Wachstumsstrategie ist noch nicht gefunden.
Detaillierte Analyse
1. Der Marktanteil im Inland wurde verteidigt, aber viel Geld wurde ausgegeben
Midea behauptet, die Bedrohung komme von innen: Aus Sicht des Marktanteils lügt das Unternehmen nicht – im ersten Quartal 2026 sank der Gesamtmarkt für Haushaltsgeräte um 6,2%, während Mideas Anteil an Großhaushaltsgeräten bei etwa 17% blieb, der Anteil an Küchengeräten auf 20% stieg und auch der Anteil an Alltagsgeräten über 10% lag. Dies wurde jedoch mit „echtem Geld“ erreicht: Die Verkaufskosten steigerten im vierten Quartal 2025 auf 10,8%, was einem Anstieg von 2,2 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht; hauptsächlich weil Midea nach der Reduzierung staatlicher Subventionen selbst Geld für die Unterstützung der Verbraucher ausgeben musste. Die steigenden Kosten wirkten sich direkt auf den Gewinn aus: Der Nettogewinn ohne außerordentliche Posten sank sowohl im vierten Quartal 2025 als auch im ersten Quartal 2026 um 1,6–1,7 Prozentpunkte.
Noch entscheidender ist jedoch, dass der Marktanteil im Inland fast an sein „Obergrenze“ gestoßen ist: Die Top-3-Anbieter im Bereich Weißgeräte beherrschen bereits 60–80% des Marktes; weitere Marktanteilssteigerungen würden zu höheren Ausgaben führen (z. B. durch Preiskriege oder Werbung). Daher zielt Midea im Inland darauf ab, den bestehenden Markt zu verteidigen und keine weitere Expansion anzustreben.
2. Der Auslandsmarkt entwickelt sich gut, aber die Gewinne sind gering
Der Auslandsmarkt ist derzeit das Hauptaugenmerk von Midea: Die Umsätze im Ausland stiegen im Jahr 2025 um 16% gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil der eigenen Marken (OBM) liegt bereits bei 45% und nähert sich dem Ziel von 50%. Das Problem ist jedoch, dass die Gewinne aus dem Auslandsgeschäft nicht höher sind als im Inland – sogar umgekehrt (auch Hersteller wie Haier und Gree verzeichnen ähnliche Ergebnisse). Der Grund ist einfach: Wenn der Anteil der eigenen Marken zu niedrig ist, muss Midea einen Teil des Gewinns an die ausländischen Händler abgeben, was zu geringeren Gewinnen führt.
Die Führung von Midea betont immer wieder, dass sie den Anteil der OBM-Marken auf über 50% erhöhen möchte – dies ist die einzige Chance, das Auslandsgeschäft rentabel zu machen. Wenn dieser Zielwert erreicht wird, könnte der Aktienkurs steigen; andernfalls bleibt die Entwicklung des Auslandsgeschäfts fraglich.
3. Viele Übernahmen – aber mit mäßigem Erfolg
In den letzten Jahren hat Midea Unternehmen wie Kuka (Robotik), Wandong Medical und Lingwang Elevator übernommen sowie in die Bereiche Semicondutoren und neue Energien investiert. Nun wird jedoch erklärt, dass in den nächsten drei Jahren keine großen Übernahmen mehr durchgeführt werden sollen – was eine Erkenntnis der fehlenden Erfolge früherer Übernahmen darstellt. Die Daten belegen: Seit 2016 ist die Rendite auf investiertes Kapital (ROIC) stetig gesunken; im vierten Quartal 2025 lag der freie Cashflow bei –8,2 Milliarden Yuan, was einem Rückgang von 10,4 Milliarden Yuan gegenüber dem Vorjahr entspricht. Kurz gesagt: Die Größe hat zugenommen, aber die Effizienz nicht. Obwohl die Umsätze von 200 auf 400 Milliarden Yuan gestiegen sind, haben die Investitionen keine zusätzlichen Gewinne gebracht; im Gegenteil, sie belasten das Unternehmen. Beispiele hierfür sind Kuka, dessen Rolle als Gewinnquelle noch nicht etabliert ist, sowie Wandong Medical, dessen Integration noch in der Anfangsphase ist, und der neue Energiesektor, der keine Synergien erzielt hat. Daher ist die Pause bei Übernahmen ein Versuch, Fehler zu korrigieren – doch es ist schwierig, eine neue Richtung für das Wachstum zu finden.
4. Neue Wachstumschancen suchen – aber ohne klares Ziel
Fang Hongbo spricht von der Notwendigkeit, „resilient gegenüber Schwankungen“ zu sein und eine „zweite Wachstumsstrategie“ zu entwickeln – doch er räumt ein, dass es keine klaren Lösungen gibt. Die Situation ist tatsächlich schwierig:
- Kein Wachstum in der Branche: Der Gesamtumsatz im Haushaltsgerätebereich stieg im Jahr 2025 nur um 0,1%; es handelt sich dabei um einen Stammmarkt, auf dem die Großunternehmen um den gleichen Marktanteil konkurrieren müssen – was zu höheren Marketingkosten führt.
- Gewinnspielraum begrenzt: Der Gewinnspielraum in der Haushaltsgerätebranche ist ohnehin gering; schon kleine Veränderungen (z. B. Preiserhöhungen von Materialien oder Preiskriege) führen zu finanziellen Problemen. Im Gegensatz zu Unternehmen wie Samsung, die auf andere Geschäftsbereiche umsteigen können (z. B. in Semicondutoren mit höheren Gewinnen), hat Midea weniger Spielraum für Fehler – ein Fehlschlag könnte direkt den Aktienkurs beeinträchtigen.
Daher verfolgt Midea eine Strategie, bei dem medizinischen Geschäft zu agieren, wenn möglich, und sich zurückzuziehen, wenn nicht – aus Notwendigkeit und Realismus heraus.
5. Dividenden sind vorübergehend – langfristige Lösungen müssen gefunden werden
Midea verspricht, alle Gewinne an die Aktionäre auszuzahlen; dies beruhigt zwar die Aktionäre vorerst, ist aber keine dauerhafte Lösung. Dividenden zeigen nur, dass das Unternehmen derzeit Geld hat – nicht jedoch, ob es in Zukunft weiterhin Gewinne erzielen wird. Die Marktteilnehmer interessieren sich vielmehr dafür, wie Midea den Gewinnspielraum erhöhen kann (z. B. durch eine Steigerung des Markenwertes oder die Entwicklung neuer, profitabler Geschäftsbereiche).
Wenn Midea weiterhin auf Dividenden angewiesen bleibt, wird seine Bewertung allmählich sinken – schließlich kaufen Investoren Aktien in der Hoffnung auf zukünftiges Wachstum, nicht nur auf aktuelle Dividenden.
Fazit
Mideas aktuelle Schwierigkeiten spiegeln die Situation vieler chinesischer Industriegiganten wider: Die Größe ist erreicht, Übernahmen sind ineffektiv und neue Wachstumschancen fehlen. Um aus dieser Lage herauszukommen, muss Midea entweder seine eigenen Marken im Ausland weiterentwickeln, um mehr Gewinne zu erzielen, oder eine wirklich rentable zweite Wachstumsstrategie finden. Beide Schritte sind jedoch nicht einfach – Midea befindet sich noch in der Erprobungsphase. Für die Anleger ist es wichtig zu beobachten, ob der Anteil der OBM-Marken im Ausland über 50% steigt und ob es tatsächliche Fortschritte bei der zweiten Wachstumsstrategie gibt – dies sind die entscheidenden Faktoren für Mideas zukünftige Bewertung.