虎嗅

**Deutscher Titel:** Chinesische „Gen-Schere“ – nun auch mit Preis versehen *(„Chinese ‘Gene Scissors’ now also come with a price tag.“)*

原文:中国基因剪刀,开始定价了

Zusammenfassung der Kerninhalte

Die kürzlichen großen Finanzierungen von Yaotang Biology (Intrazelluläre Gentherapie) und Ruijian Medicine (Zellreprogrammierung) markieren eine Wende in der Richtung des Biopharmazeutika-Marktes: Während der vorherigen Anpassungsphase floss das Kapital hauptsächlich in Unternehmen im klinischen Stadium oder in CXO-Dienstleister (Medizinische Outsourcing-Unternehmen), fließt es nun wieder in grundlegende Technologieplattformen. Hinter dieser Entwicklung stehen drei Haupttreiber: die Reife der Technologien, das Problem des Alterns und die politische Unterstützung. Zudem weist die Kostenstruktur der intrazellulären Gentherapie das Potenzial auf, bestehende Behandlungsmethoden zu revolutionieren – was Kapital auf langfristigen Wert hindeutet.

Detaillierte Erklärung

#### 1. Großer Wandel in der Marktentwicklung: Von „Eile, Geld zu verdienen“ zu „Aufs Spiel setzen für die Zukunft“

In den vergangenen zwei Jahren war der Biopharmazeutika-Markt äußerst schwach. Investoren stellten bei Treffen zunächst zwei Fragen: „Gibt es Fortschritte bei Zusammenarbeiten mit großen Unternehmen (Business Development)?“ und „Reicht das Geld auf dem Konto noch lange aus?“ Frühe Forschungsplattformen, die sich mit Gentherapie oder Zellreprogrammierung beschäftigten, wurden als zu abstrakt und schwer zu vermarkten eingestuft und erhielten kaum Finanzmittel.

Doch nun hat Yaotang fast 500 Millionen Yuan in einer Series-C-Finanzierung erhalten und Ruijian Medicine 210 Millionen Yuan in einer Series-C1-Finanzierung – dies zeigt, dass sich die Einstellung des Kapitals geändert hat: Es konzentriert sich nicht mehr nur auf Projekte, die kurzfristig Geld einbringen, sondern ist bereit, in grundlegende Technologien zu investieren, die die Branche langfristig verändern können.

#### 2. Intrazelluläre Gentherapie: Eine „harte Technologie“, die der Realität näher kommt

Die extrazelluläre Gentherapie (z. B. CAR-T) funktioniert so: Zunächst werden Patientenzellen entnommen, im Labor verarbeitet und anschließend wieder in den Körper des Patienten injiziert. Der gesamte Prozess erfordert Kühltransporte und strenge Überwachung durch Ärzte; eine Behandlung kostet Hunderttausende von Dollar – was für die meisten Menschen unerschwinglich ist.

Die intrazelluläre Gentherapie hingegen ist viel einfacher: Die genetischen Veränderungen werden direkt in den Zielzellen des Patienten vorgenommen, ohne jegliche externe Manipulationen. Sobald die Sicherheit bewiesen ist, werden die Kosten erheblich sinken – vergleichbar mit dem Übergang von maßgeschneiderten Anzügen zu massenproduzierten Kleidungsstücken, was auch der Grund dafür ist, dass das Kapital diese Technologie besonders positiv bewertet.

#### 3. Drei Faktoren, die grundlegende Technologien wiederbeleben

Warum wagt das Kapital jetzt, in solche Technologien zu investieren? Drei entscheidende Gründe:

  • Reife der Technologie: Die Gentherapieverfahren werden immer genauer (von CRISPR bis hin zur Baseneditierung); es gibt auch zahlreiche Verabreichungssysteme (z. B. Lipidnanopartikel), die die Genmaterialien gezielt in Organe wie Leber oder Gehirn bringen können. Das Kapital fragt nicht mehr, ob die Technologie überhaupt funktioniert, sondern welche Krankheiten sie behandeln kann und wie sicher sie ist.
  • Das Problem des Alterns: In China leben über 200 Millionen Menschen über 65 Jahren; es gibt etwa 3 Millionen Parkinson-Patienten. Bestehende Medikamente lindern nur die Symptome, nicht die Ursachen der Krankheiten. Gentherapie und Zelltherapien bieten die Möglichkeit, direkt an der Ursache zu wirken – die Nachfrage ist daher besonders hoch.
  • Politische Unterstützung: Mit der Einführung neuer Vorschriften im Jahr 2026 wurde der Genehmigungsprozess für intrazelluläre Gentherapien endlich geklärt. Ein stabiles regulatorisches Umfeld sorgt dafür, dass Investoren nicht befürchten müssen, ihr Geld zu verlieren, wenn die Behandlungen nicht zugelassen werden.

#### 4. Die Preislogik wird sich ändern: Von „exorbitanten Einzelpreisen“ zur „verfügbaren Massenproduktion“

Derzeit kosten Gentherapiebehandlungen weltweit zwischen 1 und 3 Millionen Dollar pro Behandlung. Intrazelluläre Gentherapien haben jedoch den großen Vorteil, dass sie in größerem Maßstab hergestellt werden können – das bedeutet, keine individuellen Anpassungen für jeden Patienten sind mehr notwendig. Dadurch sinken die Kosten mit der Produktionsmenge rapide (z. B. bei 1000 vs. 100.000 Behandlungen). In Zukunft könnten die Preise je nach Behandlungszyklus, Krankheit und Region festgelegt werden, was es mehr Menschen ermöglichen würde, diese Therapien in Anspruch zu nehmen – der Markt könnte dadurch explosionsartig wachsen. Kapital setzt auf das Potenzial dieser Technologien, bestehende Behandlungsmethoden und Geschäftsmodelle zu verändern. Schließlich ist nur eine Technologie wirklich wertvoll, wenn sie vielen Menschen zugänglich ist.

Diese Finanzierungen sind kein Zufall – sie signalisieren den Übergang grundlegender Technologien von einem Laborkonzept zur klinischen Anwendung. Sobald Technologie, Nachfrage und Politik zusammenwirken, ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Kapital in diese Bereiche fließt: Die Ära der „harten Technologien“ im Bereich der innovativen Medizin könnte tatsächlich beginnen.